17.10.2012, 09:34  von Marijana Miljkovic

Abschaffung der Visafreiheit würde Serbien und Österreich schaden

Premier Ivica Dacic / Bild: EPA

Serbien. Die Visafreiheit für die Westbalkanländer Serbien und Mazedonien soll von der EU-Kommission geprüft werden. Das hätte Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft.

Belgrad. Nach fast zwei Jahren Reisefreiheit für Serbiens Bürger in die EU steht dieses Privileg nun auf dem Prüfstand. Zu viele Menschen kommen aufgrund der Visapflicht-Aufhebung in EU-Länder und missbrauchen das Asylsystem, so die Kritik einiger deutscher Politiker. Die Visafreiheit für die Westbalkanländer Serbien und Mazedonien soll daher von der EU-Kommission geprüft werden, forderten sechs EU-Länder, darunter auch Österreich.

Für die österreichische Wirtschaft, die für die meisten ausländischen Direktinvestitionen in Serbien verantwortlich zeichnet, würde das aber Einbußen bedeuten. Andreas Haidenthaler, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Belgrad, geht daher nicht von einer Rückkehr der Visapflicht aus: "Eine Wiedereinführung wäre hinderlich für die Wirtschaftsbeziehungen, weil Geschäftsreisen wesentlich weniger rasch und flexibel gehandhabt werden können." Hinderlich wäre sie aber auch für den Tourismus: "Österreich hatte im ersten Jahr nach Abschaffung der Visapflicht um 40 Prozent mehr Nächtigungen serbischer Touristen."

Serben können seit Dezember 2010 visafrei in die EU einreisen. Visafreiheit sei das einzige konkrete Zugeständnis seitens der EU, von dem Serbien etwas habe, sagte Premier Ivica Dacic. Deshalb will er die Verantwortung für die Asyl suchenden Nutznießer der Visafreiheit aus Serbien übernehmen: "Wir werden für diese 10.000 Personen die Kosten übernehmen, weil es für Serbien der geringere Schaden als die Aufhebung der Visafreiheit wäre."

EU-Kurs schlingert

Der EU-Kurs des Landes ist seit dem Machtwechsel sowohl in der Regierung als auch im Präsidentenamt ins Schlingern geraten. So sagte Präsident Tomislav Nikolic in einem Interview mit der Zeitung "Novosti", dass Serbien auf den EU-Beitritt verzichten werde, sollte man dafür den Kosovo anerkennen müssen. Die EU forderte als ersten Schritt eine Normalisierung der Verhältnisse zwischen Serbien und seiner ehemaligen Provinz, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärte. Es ist nicht zu erwarten, dass von diesen Bedingungen für den Start der Beitrittsverhandlungen abgerückt wird.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-10-17)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

14.09.2014, 20:59

Tschechien und Slowakei wachsen schneller

14.09.2014, 13:09

Ukraine-Krise – Wirtschaft kritisiert Sanktionen: "Wir schaden uns selbst, ohne die erhoffte Wirkung zu erzielen"

13.09.2014, 16:33

Jazenjuk: "Nur die Nato kann die Ukraine vor Russland schützen" – Neue Gefechte in Donezk + Video

Rezession

Die serbische Regierung rechnet heuer aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der sinkenden Industrieproduktion nicht mit einem Wirtschaftswachstum. Experten prognostizieren einen BIP-Rückgang von einem Prozent. Die Priorität der Regierungsarbeit liege daher auf Maßnahmen zur Erholung, sagte Premier Ivica Dacic. Er will auch die Subventionen an staatliche Firmen einstellen, die Gewinnsteuer für Unternehmen soll von zehn auf 15 Prozent erhöht werden. Dacic will auch Kreditgespräche mit dem Internationalen Währungsfonds aufnehmen.

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    13.09.2014, 16:09

    Hilfskonvoi aus Russland passiert Grenze zur Ukraine unkontrolliert

    Drei Wochen nach der ersten umstrittenen Hilfslieferung in die Ost-Ukraine haben erste Lastwagen eines zweiten russischen Konvois die Grenze passiert.

    12.09.2014, 14:17

    Karel Schwarzenberg: "Putin wird sich nicht zurückhalten, nachdem er die Ukraine gefressen hat"

    Interview. Karel Schwarzenberg erklärt, was ihn sein Religionslehrer gelehrt hat, warum die Ukraine Militärhilfe benötigt und warum es Wunder gibt – aber nur einmal im Leben.

    12.09.2014, 09:09

    Ukraine-Krise: Faymann auf Friedensmission – Kurz zu Sanktionen: EU kann nicht wegsehen

    Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Freitag eine von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) angekündigte Friedensmission bezüglich des Ukraine-Konflikts begrüßt. Außerdem, so Kurz, mit Bezug auf die Sanktionen könne die EU in dem Konflikt nicht wegsehen und müsse daher wirtschaftlichen Druck ausüben: "Besser als militärisch."

    11.09.2014, 17:05

    Ukraine-Krise: Warum Merkel auf EU-Sanktionen gegen Russland pocht

    Eigentlich scheinen die Zeichen der Entspannung im Ukraine-Russland-Konflikt unübersehbar. Die Waffenruhe im Osten des Landes hält weitgehend, Gefangene werden ausgetauscht, und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat verkündet, dass Russland 70 Prozent seiner Truppen und Waffen aus der Ostukraine abgezogen habe. Dennoch treten am Freitag verschärfte EU-Sanktionen gegen Russland in Kraft. Auch die deutsche Bundesregierung pochte darauf.

    11.09.2014, 14:05

    Austro-Kroate Gavrilovic fordert von Kroatien 300 Millionen Euro

    Georg Gavrilovic jun., Eigentümer des kroatischen Fleisch- und Wursterzeugers Gavrilovic, zog gegen den Staat Kroatien vor das Schiedsgericht in Washington.

      Austrian Airlines
      von
      nach
      Hinflug
      Rückflug
      Personen

    Umfrage

    • Halten Sie die nächste Eskalationsstufe der EU-Sanktionen gegenüber Russland für sinnvoll?
    • Ja
    • Nein
    • Weitere Sanktionen
    • Weiss nicht