28.12.2012, 22:32  von Patrizia Reidl

Bauwirtschaft Osteuropa: Keine rasche Erholung

Bild: colourbox

Überblick. Polens Bauwirtschaft verlässt 2013 den Wachstumspfad; in Tschechien und der Slowakei wächst sie erst übernächstes, in Ungarn bereits nächstes Jahr wieder

Wien. Die Euro-Krise schnürt der europäischen Bauwirtschaft weiterhin den Atem ab. Wegen des makroökonomischen Umfelds wird sich der Sektor auch 2013 negativ entwickeln, prognostiziert das europäische Bauforschungsnetzwerk Euroconstruct. Wobei der Rückgang mit erwarteten 1,6 Prozent beim Bauvolumen nicht mehr so stark ausfallen wird wie 2012. Für das auslaufende Jahr hat Euroconstruct die Schrumpfung nach unten korrigiert - von minus zwei Prozent, so die Vorhersage zur Jahresmitte auf minus 4,7 Prozent bei der Jahrespressekonferenz im Dezember in München. Das europäische Bauforschungsnetzwerk Euroconstruct erstellt Prognosen für die Bauwirtschaft für 19 europäische Länder, darunter vier mittelosteuropäische - Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn.

„In den Haupttrends unterscheiden sich die Bauwirtschaften West- und Osteuropas nicht", sagt Andrea Kunert, Expertin für Bauwirtschaft vom Wifo auf Anfrage.

Polen: Plus 1,6 Prozent im auslaufenden Jahr

Polens Bauwirtschaft verlässt 2013 den Wachstumspfad, um minus drei bzw minus ein Prozent 2013 bzw 2014. Wegen der Investitionen im Zusammenhang mit der Fußballeuropameisterschaft ist die Bauwirtschaft in Polen verglichen mit den anderen Ländern am stärksten gewachsen: 11,8 Prozent 2011; 1,6 Prozent 2012.

Tschechien und Slowakei: Besonders Tiefbau betroffen

Positives Wachstum wird es für den Sektor in Tschechien und der Slowakei 2014/15 geben, erwartet Euroconstruct. Abhängig sei dies jedoch von der Entwicklung der Gesamtwirtschaft und jener des Euro-Raums. In den vergangenen Jahren prägte die Finanzkrise den Sektor in beiden Ländern negativ. Seit 2009 schrumpfen die Bauwirtschaften.

Anders als Polen oder die Slowakei verlief Tschechiens Konjunktur in den vergangenen Jahren nicht so gut. Das öffentliche Sparen wirkt sich vor allem auf den Tiefbau aus. Vor allem der Transportbereich spürt den Spardruck, und das noch bis 2015. Vereinzelte positive Faktoren sind EU-Mittel und Erhaltungsinvestitionen, sagt Kunert. Aber: Investitionen in Energieeffizienz können die Effekte des öffentlichen Sparens nicht kompensieren.

Das außerordentlich große Minus von 13,3 Prozent, das Euroconstruct in der Slowakei für 2012 erwartet, dürfte sich durch die Entwicklung im Tiefbaubereich, also im Straßen- bzw Schienenausbau im Zusammenhang mit den Budgetsparmassnahmen der Regierung ergeben, denkt Kunert. Wie berichtet, versucht die slowakische Regierung unter Premier Robert Fico das Budgetdefizit von heuer 4,6 Prozent auf unter drei zu reduzieren. Ab 2013 soll der Spardruck aber nachlassen. Die Regierung plane, die Infrastruktur mit Hilfe von EU-Mitteln auszubauen, was zu einem Wachstum beim Tiefbau führen könnte, so Kunert.

Ungarn: Einwohnerzahl schrumpft

Ähnlich starke jährliche Rückgangszahlen verzeichnet der Bausektor in Ungarn seit 2009. Heuer sollen es laut Euroconstruct nochmals neun Prozent sein, 2011 10,2 Prozent. Wegen der starken Einbrüche könnte es 2013 aber schon wieder ein Wachstum von einem knappen Prozent geben, erwartet Euroconstruct. Drei Faktoren kennzeichneten den ungarischen Bausektor: Die Zahl der Ungarn wird kleiner, „ein struktureller Faktor, der den Bau treibt", sagt Kunert. Eine sehr große Rolle spielt darüber hinaus das gedämpfte Konjunkturumfeld - sehr beschränktes Wachstum mit starker Verschuldung und Steuererhöhungen, großer Arbeitslosigkeit und kaum steigende Reallohnentwicklung. Außerdem sind die Gemeinden stark verschuldet. Erst 2013 soll es wieder Mittel für die energieeffiziente Sanierung der Gebäude geben, so Kunert.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

06:37

Hausarrest für russischen Milliardär wegen Geldwäscheverdacht

16.09.2014, 21:51

"Der Ausbruch eines Weltkrieges ist nicht unmöglich"

16.09.2014, 15:09

Putins "Geliebte" wird Chefin von mächtiger Mediengruppe

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    16.09.2014, 12:16

    Ukraine-Krise: Kiew beschließt Sonderstatus für Donezk und Luhansk

    Im Ringen um Frieden in der Ost-Ukraine hat das Parlament in Kiew ein Gesetz über den Sonderstatus der Konfliktregion sowie eine Amnestie für die Separatisten beschlossen.

    15.09.2014, 17:56

    Notenbank-Gouverneur unter Hausarrest gestellt

    Dem Gouverneur der Notenbank Albaniens, Ardian Fullani, wird nach jahrelang andauernden Gelddiebstählen aus der Zentralbank der Prozess gemacht.

    15.09.2014, 14:52

    Tschechien erhöht Mindestlohn deutlich

    Der gesetzliche Mindestlohn in Tschechien ist um 8,2 Prozent auf 333,33 Euro monatlich gestiegen.

    15.09.2014, 14:02

    Ewa Kopacz ist neue Minsterpräsidentin in Polen

    Dreizehn Jahre hat Ewa Kopacz gebraucht, um vom einfachen Mitglied der rechtsliberalen Bürgerplattform (PO) in Polen zur Regierungschefin zu avancieren.

    15.09.2014, 07:13

    Tschechien und Slowakei wachsen schneller

    Konjunkturbarometer. Tschechiens Exporte haben im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent zugelegt, die Frühindikatoren sind vielversprechend. Die Slowakei dürfte heuer etwas rascher wachsen, kämpft aber mit hoher Arbeitslosigkeit und einem spürbaren regionalen Gefälle.

      Austrian Airlines
      von
      nach
      Hinflug
      Rückflug
      Personen

    Umfrage

    • Halten Sie die nächste Eskalationsstufe der EU-Sanktionen gegenüber Russland für sinnvoll?
    • Sie haben bereits abgestimmt.