18.01.2013, 19:54  von Ann Kathrin Hermes

"Banken sind wie Frauen"

Der "Fürst" gibt sich nachdenklich / Bild: Singer

Portrait. Der 75-jährige Karel Schwarzenberg gehört schon lange zum Politik-Establishments Tschechiens. Nun könnte der "Fürst" Präsident werden.

Nur wenige hatten mit einem derart großen Erfolg des amtierenden Außenministers bei Tschechiens Präsidentenwahl gerechnet. Karel Schwarzenberg gibt sich Siegessicher: „Ich habe schon viele Schlachten geschlagen, die am Anfang aussichtlos erschienen." Sein Sturm auf die Prager Burg war nicht von Anfang von Erfolg gekrönt.

Der „Fürst", wie ihn viel Tschechen nennen, war eine Zeitlang der beliebteste Politiker des Landes und galt als Favorit der Präsidentenwahlen. Dann fielen seine Umfragewerte deutlich, vor allem wegen der liberalen Reformpolitik seiner Partei TOP 09 in der Regierung. "Als Mitglied einer Regierung, die aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Maßnahmen zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen ist, sinkt meine Popularität wie bei einer Schussfahrt auf der Streif", stellt der Fürst fest.

Originelle Formulierungen

Wenige Tage vor der Wahl begann Schwarzenberg, stimmenmäßig, wieder kräftig zuzulegen. Nun geht er in die Stichwahl. Ein überraschend energischer Erfolg, den man dem böhmischen Adelsspross so gar nicht zugetraut hätte. Nicht selten kommt es vor, dass der betagte Minister in Parlamentssitzungen einnickt, sitzend wie auch stehend.

In Insiderkreisen sieht man die regelmäßigen Nickerchen eher als Denksport, "der Herr Minister schläft nicht. Er denkt nur nach", sagte einst seine frühere Sprecherin.

Aus dem Schlaf erwacht, ist Karel Schwarzenberg für seine scharfen, nicht immer diplomatischen, Worte bekannt.
So fällt die Krisenanalyse des Außenministers in Richtung Italien wenig geschmackvoll aus - „Berlusconi hat den Zeitraum durchgebumst, anstatt ihn für Reformen zu nützen."

Auf der Suche nach den Ursachen der jetzigen Krise, wählt der Fürst ungewöhnliche Vergleiche - „Banken sind wie Frauen. Wenn einmal der Ruf zerstört ist, dann dauert es sehr, sehr lange, bis er wieder in Ordnung kommt."

Schwarzenbergs Biografin, Barbara Tóth fasste in einem Radiointerview den eigenwilligen Stil des Fürsten mit den Worten zusammen - „Er ist jemand, der nicht nur druckreif spricht, sondern der eben manchmal auch recht originelle Formulierungen und Denkansätze wählt. Man merkt ihm an, dass er einfach kein klassischer Berufspolitiker ist, der seit 30 Jahren im immergleichen Saft schmort."

"Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit"

Die recht originellen Formulierungen von denen Tóth spricht, sind zudem in einem eher eigenwilligen Tschechisch verpackt. Nicht immer verständlich, fällt es den meisten Zuhörern schwer, den Reden des Ministers zu folgen.
Das ändert sich auch nicht, wenn Karel Schwarzenberg das Singen als Kommunikationsform für sich entdeckt. Die tschechische Nationalhymne, aus der Kehle des Fürsten, klingt wenig melodisch und mehr nach Sprechgesang, wird aber auf Youtube bereits fleißig geklickt.

Der Auftritt wird dem austro-schweizerisch-tschechischen Adeligen wohl wenig schaden, genauso wenig, wie der Titel seiner Biografie "Unterschätzen Sie nicht meine Boshaftigkeit".

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