28.12.2015, 19:30  von Patrizia Reidl

Krimi in Rumäniens Urwäldern

Rumäniens Waldfläche bekommt immer mehr kahle Stellen, klagen Umweltschützer. / Bild: (c) APA/dpa/Armin Weigel

Österreichische Holzkonzerne sollen mitverantwortlich sein, dass Rumäniens Wälder illegal gerodet werden. Nach wie vor im Visier der Justiz ist die Holzindustrie Schweighofer.

Wien. Es war einer der medialen Aufreger des Jahres in Österreich: Der heimische Konzern Holzindustrie Schweighofer soll in Rumänien mitverantwortlich dafür sein, dass Wälder illegal abgeholzt werden. Erhoben haben diese Vorwürfe Umweltschutzorganisationen und sie reißen seither nicht ab. Die rumänischen Behörden haben indes in der Sache in den Werken Schweighofers in Rumänien ermittelt und eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und kämpft um seinen Ruf. Auch der Tiroler Holzwerkstoffehersteller Egger soll laut Berichten im Visier der Behörden sein.

Schweighofer ist mit drei Sägewerken und mehreren holzverarbeitenden Betrieben einer der größten Holzkonzerne und Holzbezieher in Rumänien. Das Land ist eines der waldreichsten in Europa, vor allem befinden sich dort die letzten Urwälder Europas. Laut einer Schätzung von Greenpeace verschwinden in Rumänien stündlich drei Hektar von einer Gesamtwaldfläche von 6,6 Millionen Hektar.

Begonnen hat alles im heurigen Spätwinter mit einem Video auf der Internetplattform YouTube. Mit dem Video wollte die amerikanische Umweltschutzorganisation belegen, dass Schweighofer in Rumänien illegal eingeschlagenes Holz kaufe. Der EIA-Chef, Alexander von Bismarck, hatte sich gegenüber Mitarbeitern von Schweighofer als Holzhändler ausgegeben, der illegal gefällte Bäume zu verkaufen habe.

Schweighofer wies die Vorwürfe zurück, bezeichnete die Video-Ausschnitte als „aus dem Zusammenhang gerissen“. Gleichzeitig wurden aber interne Kontrollen versprochen und ein verdächtiger Mitarbeiter wurde vom Dienst suspendiert. Kurz darauf wurde das Nachhaltigkeitszertifikat PEFC für Schweighofer in einer Sonderprüfung bestätigt. Das Unternehmen sah damit die Vorwürfe der Umweltschützer entkräftet. PEFC soll nachweisen, dass das verarbeitete Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt.

Im Visier der Justiz

Im Sommer kam es noch dicker für Schweighofer: Das rumänische Umweltministerium hat im Sommer nach Kontrollen bei den Niederlassungen von Schweighofer in Rumänien eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Es bestehe der Verdacht, dass Schweighofer Holz gekauft habe, das illegal eingeschlagen wurde, so das Umweltministerium in Bukarest. Seither bekräftigen die Umweltorganisationen EIA und WWF die Vorwürfe.

Im Laufe des Jahres gab es immer wieder Proteste und Demonstrationen gegen das seit Jahren grassierende Problem der Waldrodungen. Seit Ende Mai hat Rumänien ein novelliertes Forstgesetz. Ab nun darf ein Unternehmen nur mehr maximal 30 Prozent einer Holzsorte verarbeiten. Schweighofer hat im Herbst 2014 beim rumänischen Präsident Klaus Johannis gegen das Gesetz interveniert.

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