24.01.2016, 21:30  von Patrizia Reidl

Slowakei: Abfallgesetz schiebt Mehrkosten zu den Unternehmen

Bild: (c) Antonis Liokouras

In der Slowakei gibt es ein neues Abfallwirtschaftsgesetz. Damit wandern die Kosten für das Sammeln und Verwerten von Abfall von den Gemeinden zu den Unternehmen.

WIEN. Seit 1. Jänner ticken die Uhren in der slowakischen Abfallwirtschaft anders, denn an diesem Tag trat das neue Abfallwirtschaftsgesetz in Kraft. Damit will die Regierung die Verwertungsquoten von Papier, Glas und Metall erhöhen und weniger deponieren. Vor allem auf die Unternehmen kommt nun mehr Verantwortung zu – und mehr Kosten. Mit dem neuen Gesetz wandert der Aufwand für die Sammlung und Verwertung von Abfällen zu denen, die Verpackungen herstellen bzw. in Verkehr bringen, also Unternehmen und Industrie – diese Neuerung gilt ab kommendem Juli.

Die Unternehmen bringen sich derzeit in Stellung für die neue Anforderung, auch österreichische, die in der slowakischen Abfallwirtschaft stark vertreten sind. Die Slowakei-Tochter des österreichischen Entsorgungsexperten Reclay berät die Verpackungshersteller und Inverkehrbringer in der Slowakei gerade bei der Gründung einer Entsorgungsgesellschaft, die den Namen Recobal tragen wird.

„Der Aufbau ist weit gediehen. Wir hoffen, mit Juli starten zu können“, sagt Reclay-Österreich-Chef Walter Tanzer. Die Gesellschaft übernimmt für die Unternehmen die Verpflichtungen, die sich durch das neue Gesetz ergeben. Mit der eigentlichen Sammlung und Verwertung werden dann Entsorgungsunternehmen bzw. die Kommunen beauftragt.

In der Slowakei werde damit genau das gleiche System aufgebaut, wie es in Österreich oder Deutschland seit Jahren besteht, sagt Tanzer.
Reclay hat in Österreich 800 Kunden – etwa Phillips, Danone oder Waldquelle, für die die Organisation der Abfallverwertung übernommen wird. Manche der Kunden seien auch in der Slowakei tätig, sagt Tanzer. Konkrete Verträge seien im Nachbarland aber bis dato nur wenige unterschrieben worden, so der Reclay-Firmenchef. Derzeit laufen die Verhandlungen.

Verzehnfachung
Auf die Unternehmen kommen in der Slowakei jedenfalls höhere Kosten zu. Tanzer rechnet mit einer Verzehnfachung, was immer noch günstiger sei als in Österreich. Derzeit kostet die Sammlung und Entsorgung von beispielsweise Plastikbechern in Österreich 600 € pro Tonne, in der Slowakei hingegen 20 €.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht der österreichische Entsorger Brantner das neue Gesetz. Das Unternehmen ist eines der größten in der Abfallwirtschaft dort, betreut fünf Regionen, sammelt Haus- und Unternehmensabfälle ein. „Für unsere Deponien wird es nun weniger Geschäft geben“, sagt Geschäftsführer Dusan Magula. Wobei es kein genaues Datum für das endgültige Aus der Deponien gebe.

Gleichzeitig werde es für Brantners sechs Verwertungsanlagen in der Slowakei mehr Geschäft geben. Magula rechnet damit ab 2017. Druck gebe es für die Unternehmen in finanzieller Hinsicht, sagt er. Sie müssen nun gewisse Recyclingquoten erfüllen, sonst werden sie bestraft.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

09:51

Porr bei Milliardendeal in Bratislava dabei

23.05.2016, 09:30

Polens Immo-Markt erreicht erst heuer Vorkrisenniveau

23.05.2016, 06:33

Das Gas, das aus der Kälte kam

Kommentare

0 Kommentare

15:14

Hofer, Strache: "Die FPÖ ist keine rechtsextreme Partei"

FPÖ-Chef HC Strache und sein Stellvertreter Norbert Hofer gratulierten Alexander Van der Bellen zum Sieg bei der Bundespräsidentenwahl. Ein "ganz besonders" wichtiges Anliegen richtete Hofer an die internationalen Medien: "Die FPÖ ist keine rechtsextreme Partei."

14:19

75 Kündigungen bei Rohrerzeuger Hobas

Der Kärntner Spezial-Rohrproduzent Hobas reagiert auf die schlechte Auftragslage mit Personalabbau.

14:07

FPÖ-Chef Strache fordert Abrüstung der Worte

Viele Kommentare auf seiner Facebook-Seite seien mit dem Respekt gegenüber der Demokratie und auch gegenüber den Kandidaten und ihren Wählern völlig unvereinbar, meint FPÖ-Obmann HC Strache.

13:47

Coca-Cola-Produktion in Venezuela gestoppt: Kein Zucker

Erst das Bier, jetzt das Volksgetränk Coca-Cola. Die Versorgungskrise in Venezuela nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Wird das Militär eingreifen, um die Lebensmittel- und Getränkeherstellung zu sichern?

Die Redaktion empfiehlt