27.01.2016, 16:28

Russische Fremdwährungskreditnehmer protestierten gegen Raiffeisen

Die Moskauer Raiffeisen-Zentrale wurde von Demonstranten gestürmt / Bild: Archiv

Der Wertverfall des Rubels um 45 Prozent in den letzten beiden jahren hat Fremdwährungskredite für Russen unbezahlbar gemacht. Jetzt demontrieren Betroffene mit einem Sturm auf die Raiffeisen-Zentrale in Moskau.

Einige Dutzend Fremdwährungskreditnehmer haben am Dienstag Räumlichkeiten von Raiffeisen im Zentrum Moskaus gestürmt, um auf ihre Probleme bei der Rückzahlung von Dollar- und Eurokrediten aufmerksam zu machen und die Bank zu Zugeständnissen zu bewegen. Dies berichtete der russische Fernsehsender "Doschd".

"Ich will nicht jemanden bezahlen, der die Nöte der russischen Kunden nicht versteht: Wir befinden uns schon ein Jahr lang in einer äußerst schwierigen Lage", erklärte ein Teilnehmer der Protestaktion in dem am Dienstag vom Fernsehsender veröffentlichten Video. Zu sehen war auch ein Flugblatt, auf dem die Tochter der österreichischen Raiffeisen Bank International AG (RBI) als "Gaskammer für russische Kreditnehmer" bezeichnet wurde.

Bereits vergangene Woche hatten Fremdwährungskreditnehmer in der russischen DeltaKredit-Bank für ihre Anliegen demonstriert, in dieser Woche sind laut Medienberichten Demonstrationen in etwa zehn weiteren Banken in Moskau geplant.

Kompromiss-Angebot

Vor dem Hintergrund der Proteste hatte laut Wirtschaftszeitung "Wedomosti" (Montagausgabe) die russische Sowkombank beschlossen, bis Ende 2016 ihren Kunden Rückzahlungen von Dollarkrediten zu einem Wechselkurs von 60 Rubel/Dollar anzubieten. Der offizielle Dollarwechselkurs der Russischen Zentralbank lag am Dienstag mit 77,8 Rubel deutlich höher.

Kredite in Dollar oder Euro, die in Russland traditionell deutlich geringere Kreditzinsen als Rubelkredite aufwiesen, haben sich für Russen mit stagnierenden Rubeleinkünften in den vergangenen zwei Jahren massiv verteuert. Der Rubel hat seit Anfang 2014 und dem Beginn der russischen Konfrontation mit der Ukraine im Verhältnis zum Dollar oder Euro mehr als oder nahezu die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Einige Banken hatten bereits im Frühjahr 2014 die Ausgabe von Dollar- oder Euro-Krediten an Privatpersonen eingestellt, im vergangenen Dezember verfügte die Russische Zentralbank auch Einschränkungen für Firmenkredite in Fremdwährungen. Auf der Homepage der russischen Raiffeisen-Tochter werden Privatkunden derzeit ausschließlich Rubelkredite mit jährlichen Zinsen zwischen 17,9 und 27,9 Prozent angeboten.

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Kommentare

2 Kommentare

ET463 meint

Es scheint schon fast so, als ob Banken mit voller Absicht Fremdwährungskredite so vergeben, das sie auf steigende Wechsel-Kurse setzen. Damit steigt sich der Kreditzins, was wiederum den Gewinn für Banken erhöht. Hmmm .. scheint schon fast so, als ob man "faule" Fonds verkauft. Das Spiel um die Gier .. Bieten jetzt eigentlich die einheimischen Banken Kredite mit chinesischen Renminbi an? Da er jetzt fallt, wäre es sinnvoll, darauf zu setzen. So auch mit dem Rubel. Überall dort, wo eine Blase im Platzen ist, ist es sinnvoll Kredite aufzunehmen.

verfasst am 27.01.2016, 10:13

Marcelus meint

Pech gehabt: scheinbar geringe Zinsen gegen Währungsverluste getauscht. Reine Spekulation also. Den Rubelverfall hat Russland im Übrigen selbst verschuldet. Dies der RBI anzulasten, ist eher ein schlechter Scherz...

verfasst am 27.01.2016, 09:55

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