20.03.2016, 16:58  von Patrizia Reidl

Slowakei muss sich beim Talkabbau mit China messen

So vielfältig wie schmierig: Mineral Talk wird für Vieles gebraucht /

Ein langjähriger Streit zwischen zwei Talkabbau-Unternehmen in der Slowakei zeigt: Europas Eigenversorgung bei Mineralstoffen steht auf wackeligen Beinen.

WIEN. Der Wettlauf um die Ressourcen auf diesem Erdball hat längst begonnen. Daran erinnert jüngst ein seit Jahren schwelender Streit zwischen zwei Unternehmen, die in der Slowakei das Industriemineral Talk abbauen wollen. Eurotalc, das zur österreichischen Baustoffgruppe Schmid Holding gehört, baut am Standort im ostslowakischen Gemerská Poloma bereits Talk ab. „Aber nicht die volle Menge“, sagt Robert Schmid, Eigentümer der Schmid Holding. Er rechnet mit dem Vollbetrieb der Mine ab Anfang 2017. Weil es sich um eine der in Europa raren Untertagebergbaustätten handelt, ist die Inbetriebnahme der Mine aufwendig und langwierig. Derzeit werde an der Aufbereitungsanlage gebaut, sagt Schmid.

Zertifikatehandel

Den langjährigen Streit mit der US-Firma Eurogas, früher Rozmin, kommentiert Schmid nicht. Rozmin wurde die Lizenz zum Talkabbau in der ostslowakischen Mine vor mehr als zehn Jahren entzogen. Nun besitzt Eurotalc die Genehmigung. Zu Unrecht, behauptet Eurogas und hat 2014 die Slowakei vor einem Schiedsgericht auf Schadenersatz geklagt. Es geht mittlerweile um Milliarden Euro an Kompensation. Laut Medienberichten ist die Klage noch am Laufen.

Der Streit rückt die prekäre Lage bei der Eigenversorgung in Europa mit Mineralien insgesamt in den Fokus. Talk wird in Europa kaum mehr abgebaut. Zum großen Teil muss das Industriemineral aus Indien oder China importiert werden. Doch die Länder brauchen den Rohstoff zunehmend selbst.
„Prinzipiell ist jede neue Lagerstätte in Europa willkommen“, sagt Roman Stiftner vom WKÖ-Fachverband Bergbau und Stahl.

Er weiß, mit welchen Auflagen die Investoren zu kämpfen haben, wollen sie eine neue Lagerstätte, egal für welchen Rohstoff, erschließen. Investitionen in Europa sind deswegen rar. Dabei gebe es zwei Hauptprobleme, so Stiftner. Zum einen den europäischen CO2-Zertifikatehandel, an dessen Verschärfung die EU-Kommission derzeit feilt.

Das zweite Hauptproblem sei China. Nicht nur, dass der riesige Produzent in eine wirtschaftliche Rezession geschlittert ist und seine Überkapazitäten auf dem Weltmarkt unterzubringen versucht. Etwa bei Stahl, was jüngst massive Proteste von Europas Produzenten ausgelöst hat. Nun soll China auch Marktwirtschaftsstatus bekommen. Damit wären Strafzölle unmöglich. Das müsse verhindert werden, sagt Stiftner. „Die europäischen Industrien würden dann überschwemmt.“
Zurück zum Talk. Das geschmeidige, weiße Pulver mit leicht schmieriger Eigenschaft wird etwa für Kunststoff in Autos verwendet, um ihn elastisch zu machen, oder für Papier, um es zu weißen. Große Mengen gehen laut der geologischen Bundesanstalt in Wien in die Tierfutterindustrie.

Die Abbaustätte in der Ostslowakei gilt als eine der größten in Europa. Österreich ist zehntwichtigster Abbauer von Talk weltweit. Die Stätten finden sich in Oberfeistritz und Weißkirchen. Die Produktion ist zuletzt wegen Überkapazitäten um fünf Prozent zurückgegangen.

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Kommentare

1 Kommentare

Medienbüro meint

Grundsätzlich sehr interessanter Artikel. Allerdings: Die Talk-Vorkommen in China gehen schon bald zur Neige. Im vergangenen Sommer ist extra eine Delegation aus Peking eingeflogen, um sich die Situation des Megavorkommens in der Slowakei erläutern zu lassen. Der Verfasser war dabei. Die sehr interessierten Chinesen sind mit der Erkenntnis zurückgeflogen, dass mit dem angeblichen Eigentümer Eurotalc/Schmid-Industrieholding nichts zu machen ist. Der gemäß zwei Entscheiden des Obersten Gerichtshofs der Slowakei aus 2008 und 2011 !!! rechtmäßige Eigentümer, nämlich eine von der amerikanischen Eurogas Inc. angeführte Firmengruppe, kämpft seit Jahren gegen übelste, widerrechtliche Machenschaften, welche die Slowakei gemeinsam mit der Schmid-Gruppe durchführt. Und diese Slowakei übernimmt am 1.7.2016 die Ratspräsidentschaft in der Rechtsgemeinschahft der Europäischen Union !!! Präsident Robert Fico, der gerade seine dritte Regierung für die Slowakei bildet, war schon 2008 Regierungschef, als der erste Entscheid des Obersten Gerichtshofs für die Eurogas-Gruppe erging. Und einfach nicht umgesetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Slowakei schon vier Jahre lang offiziell alle heiligen Eide auf die Rechtsgemeinschaft der EU geleistet. Und - bezogen auf das Milliarden schwere Talk-Vorkommen - gebrochen. Eine Unrechtsregierung an der Spitze der EU - das darf nicht sein. Und Unrechts-Talk von Eurotalc, den darf niemand kaufen und verwenden. Das ist inzwischen weltweit bekannt.

verfasst am 22.03.2016, 17:13

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