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27.07.2009, 15:01 von Alexis Johann / Bloomberg
Es gibt eine Gruppe von Computerexperten, die an der Wall Street derzeit hoch gefragt sind: Spezialisten, die sich mit Software zum Plazieren von sehr kurzfristigen Orders, sogenannten Hochfrequenz-Orders, auseinandersetzen. An so einem System arbeitete offenbar auch Sergey Aleynikov bei Goldman Sachs, der vom Startup Teza Technologies angeheuert wurde. Wie auch das WirtschaftsBlatt berichtete, wurde er Anfang Juli von der US-Bundespolizei auf dem Flughafen Newark verhaftet, weil er unter Verdacht steht, seinem ehemaligen Arbeitgeber einen Code der Software entwendet zu haben.
An der Börse schlägt Computer Mensch
Der Fall Aleynikov beleuchtet auch ein anderes Thema, das derzeit die Politik und die US-Börsenaufsicht beschäftigt. Es geht um die Frage, ob der Hochfrequenz-Handel, bei dem in Millisekunden Orders abgewickelt werden, nicht grundsätzlich unterbunden werden soll.
Prinzipiell dienen die automatischen Handelssysteme dazu, den Börsen Liquidität zur Verfügung zu stellen. Doch die ultraschnellen Orders machen es möglich, Informationsvorsprung in enorme Gewinne zu verwandeln. Einem Bericht der New York Times zufolge sollen die überraschenden Quartalsgewinne von Goldman Sachs zum Teil auf Erfolge mit dem Hochfrequenz-Handel zurückgehen.
0,03 Sekunden machen das Match
So bieten einige Marktplätze, darunter auch die Nasdaq, einigen Händlern - gegen Gebühr - den Service, 30 Millisekunden vor der offiziellen Plazierung der Orders die Daten des Trades zu erhalten. Wer über das geeignete Programm und leistungsfähige Rechner verfügt, kann aus den Vorab-Daten innerhalb von Sekundenbruchteilen Trends erfassen. Leistungsfähige Algorithmen planen daraus die gewinnbringenden Trades. Doch der Handel erfolgt auch zum Nchteil anderer Marktteilnehmer. Plant etwa ein Fonds einen Titel an der Börse zu erwerben, plaziert das Computerprogramm Millisekunden vor dem Trade einen Kauf dieses Titels und verkauft sofort wieder - zu einem minimal höheren Preis.
Zum Schaden der Anleger
Aus Sicht der Börsenregulierung müsste dieser Handel, da er Informationsungleichgewichte ausnützt, eigentlich als unfair eingestuft werden. Nun wollen erste US-Politiker daher diesen Handel verbieten. So droht der demokratische Senator Charles Schumer in einem Brief an die US-Börsenaufsicht SEC vom vergangenen Freitag, die sogenannten "Flash-Orders" zu verbieten, sollte die Behörde nicht selbst aktiv werden. Er meint, dass die Computerprogramme zum Hochfrequenz-Trading die Integrität des Marktes "ernsthaft gefährden", weil eine "privilegierte Gruppe von Insidern" bevorzugte Behandlung genieße. Normale Anleger würden ihr Vertrauen verlieren und sich dadurch vom Kapitalmarkt abwenden. Auch Joseph Mecane vom Board der NYSE Euronext meint, dass der Handel mit Aktien inzwischen zu einem Technologiewettlauf würde, der Gewinner und Verlierer teile.
Berichten zufolge machen Hochfrequenz-Trades mittlerweile fast die Hälfte aller Handelsaufträge aus und warfen im vergangenen Jahr einen Gewinn von 21 Milliarden Dollar ab.
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