17.11.2012, 18:02

Latinos kritisieren EU ohne Erbarmen

Dilma Rousseff mit Chieles Präsident Sebastian Pinera / Bild: EPA (JORGE ZAPATA / POOL)

Gipfel. Auf dem ibero-amerikanischen Gipfeltreffen haben Südamerikas Regierunsschefs massive Kritik an der EU geübt. Brasiliens Dilma Rousseff fordert antizyklische Politik.

Cadiz/Brasilia/Quito. Verschiedene lateinamerikanische Regierungschefs haben am Samstag auf dem 22. Iberoamerikanischen Gipfeltreffen im südspanischen Cadiz die Sparpolitik in vielen Ländern der Europäischen Union scharf kritisiert. So ging auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff scharf mit der Austeritätspolitik Spaniens, Portugals und anderer EU-Länder ins Gericht, die den EU-Bürgern großen Schaden zufügen würde. Es sei ein Fehler zu glauben, dass man nur mit Sparprogrammen das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte zurückgewinnen könne.

Aufgabenkürzung hilft nicht dem Defizit

"Trotz Austerität und Ausgabenkürzung wird das geringe Wachstum dazu führen, dass sich das Defizit nicht reduziert", erklärte die brasilianische Staatschefin mit Blick auf die Wirtschaftspolitik in Spanien, Portugal und anderen EU-Ländern. Rousseff forderte von Europa deshalb wirtschaftliche Maßnahmen, die Verbesserungen für die Menschen versprechen und nicht noch mehr Jahre des Leides. Sie animierte die EU-Länder, anti-zyklisch zu handeln und gerade in der jetzigen Krisensituation die staatlichen Investitionen zu erhöhen, Steuern zu senken und eine Sozialpolitik in Angriff zu nehmen, welche den Inlandskonsum der Bürger animieren. Ihr Land werde genau dies tun, so Rousseff.

Auch Ecuadors Regierungschef Rafael Correa kritisierte die Finanz- und Wirtschaftspolitik zahlreicher EU-Staaten und nahm die jüngsten Zwangsräumungen in Spanien, die bereits zu mehreren Selbstmorden führten, als Beispiel, dass heute das Geld über einem Menschenleben stehe.

Mit Blick auf die über 400.000 Ecuadorianer, die in Spanien leben, bat Correa Spaniens Ministerpräsidenten um eine schnelle Lösung der Zwangsräumungen. Es könne nicht angehen, dass es in Spanien Familien ohne ein Zuhause gebe und Banken mit leer stehenden Wohnungen, die sie nicht loswerden, so Correa.

Die Austeritätspolitik in vielen Ländern der Europäischen Union werde nur dazu führen, die Wirtschaftskrise zu verlängern und zu vertiefen. Das habe man vor zehn Jahren sowohl in Ecuador als auch in anderen Ländern Lateinamerikas gelernt.

 

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