21.12.2012, 19:46

John Kerry wird nächster US-Außenminister

Bild: EPA (MOHAMED MESSARA)

US.Präsident Barack Obama nominierte den 69-Jährigen Senator John Kerry als Nachfolger von Hillary Clinton.

Washington. US-Senator John Kerry soll neuer Außenminister werden. Präsident Barack Obama nominierte den 69-Jährigen am Freitag als Nachfolger von Hillary Clinton. Es gilt als sicher, dass der Senat die Ernennung bestätigt. Ursprünglich galt die Spitzendiplomatin Susan Rice als erste Wahl für die Nachfolge Clintons. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nation verzichtete jedoch auf das Amt, weil sie wegen Äußerungen über den Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi (Bengasi) in die Kritik der Republikaner geraten war.

Mit den Initialen JFK schien für John Kerry (69) die Politikkarriere vorbestimmt zu sein. Wie sein Vorbild John F. Kennedy wollte der drahtige Ostküsten-Katholik John Forbes Kerry US-Präsident werden. Dass es im Wahlkampf 2004 gegen George W. Bush nicht reichte, lag auch am elitären und mitunter steifen Auftreten des 1,93 Meter großen Diplomatensohns mit dem markanten Kinn. Nun wurde er von US-Präsident Barack Obama als Nachfolger von Außenministerin Hillary Clinton nominiert.

   In der zweiten Reihe der US-Politik zählt der demokratische Senator aus Massachusetts seit Jahrzehnten zu den profilierten Außenpolitikern. Kerry hat nicht zuletzt mit schwierigen Missionen in Afghanistan und Pakistan Vertrauen gewonnen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses war der erste US-Politiker, der Ägyptens neu gewählten Präsidenten Mohammed Mursi traf.

   Präsident Barack Obama hatte Kerry im vergangenen Wahlkampf als Trainingspartner für die TV-Rededuelle gegen den republikanischen Herausforderer Mitt Romney ausgewählt. Als Clinton ihren Rückzug von der Politik ankündigte, musste es sich Kerry dennoch gefallen lassen, nicht die erste Wahl für die Nachfolge zu sein.

   Als Obamas Wunschkandidatin wurde die UNO-Botschafterin Susan Rice gehandelt. Die scharfzüngige Spitzendiplomatin gab ihre Karrierepläne aber auf, nachdem die Republikaner ihre Informationspolitik nach einer Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi (Bengasi) massiv attackiert hatten.

   In den vergangenen 30 Jahren hat sich Kerry im Senat nicht nur Freunde gemacht. Die Unterstützung der Opposition für den erklärten Israelfreund dürfte nach Einschätzung von Experten aber sicher sein.

   Die Eloquenz des Diplomatensohns, der seinen Schliff auf einer Privatschule in der Schweiz und an der Elite-Uni Yale bekam, ist legendär. Ein volksnaher Politiker ist Kerry aber bis heute nicht. Dass der Freund edler Rotweine im Wahlkampf 2004 bekannte, mit seiner zweiten Frau, der Millionärin und Ketchup-Erbin Teresa Heinz, auch mal auf Französisch zu parlieren, war vielen US-Patrioten nicht geheuer.

   Empfindlich reagierte der Hobbypilot und Gitarrenspieler auf Behauptungen im Wahlkampf 2004, er habe sich als US-Soldat in Vietnam hohe Kriegsorden erschlichen. Kerry, der später als Kriegsgegner in die Politik einstieg, ließ die Vorwürfe durch Kameraden von einst widerlegen.

   Im Gegensatz zu Obama lassen sich in Kerrys Biografie viele Anknüpfungspunkte mit Europa finden. Sein Vater war als US-Diplomat auch in Berlin tätig, das der 1943 geborene Kerry in der Nachkriegszeit mit dem Fahrrad erkundete. Als der neugierige Junior in den sowjetischen Sektor radelte, habe es daheim Hausarrest gegeben, erzählte Kerry Jahrzehnte später.

(Reuters/dpa)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

15:17

"Die Türkei befindet sich im Belagerungszustand"

15:00

TTIP-Gegner erhalten mächtige Unterstützung – IG Metall sieht beim Investorenschutz rot

12:30

Ebola – Im Dorf von "Patient Null"

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    07:12

    Ebola-Verdacht in New York bestätigt – Microsoft-Mitgründer Allen spendet 100 Millionen Dollar + Video

    Microsoft-Mitgründer Paul Allen (61) will den Kampf gegen die Ebola-Seuche mit mindestens 100 Millionen Dollar (etwa 79 Millionen Euro) unterstützen.

    23.10.2014, 17:10

    Kenias Traum von Wachstum und Wohlstand

    Kenias Präsident Uhuru Kenyatta hegt ambitionierte Ziele: Bis 2030 soll eine wettbewerbsfähige Nation mit hohem Lebensstandard entstehen. Mit dem Projekt Vision 2030 soll das gelingen. Doch es gibt einen Schönheitsfehler.

    23.10.2014, 13:03

    "Camel"-Hersteller Reynolds verbietet Mitarbeitern das Rauchen

    Bei Reynolds, dem zweitgrößte Tabakkonzern der USA, soll in Firmengebäuden künftig ein Rauchverbot gelten.

    23.10.2014, 10:39

    Attentats-Serie in Kanada – Täter identifiziert + Video

    Ein Täter der Anschläge in der kanadischen Hauptstadt Ottawa soll den Behörden ebreits namentlich bekannt sein.

    23.10.2014, 08:07

    Positive Konjunktursignale aus China und Japan

    Die japanische Industrie wächst im Oktober so stark wie seit sieben Monaten nicht mehr und in China tanken die Unternehmen ein wenig Optimismus.

    CMS Logo

    Umfrage

    • Wie stehen Sie zu dem Handelsabkommen TTIP?
    • TTIP sollte abgeschlossen werden
    • Zustimmung nur nach Entschärfung riskanter Punkte
    • Generell dagegen