22.01.2013, 08:48

Japan dreht den Geldhahn bis zum Anschlag auf

Ministerpräsident Shinzo Abe / Bild: EPA (FRANCK ROBICHON)

Die japanische Zentralbank treibt ihre expansive Geldpolitik weiter energisch voran.

Tokio. Regierung und Notenbank in Tokio wollen den stotternden japanischen Wachstumsmotor mit einer wahren Geldschwemme wieder auf Touren bringen. In einer gemeinsamen Erklärung kündigten sie am Dienstag an, dass die Bank von Japan im Kampf gegen Deflation und Konjunkturflaute ab dem kommenden Jahr unbegrenzt Anleihen ankauft. Marktteilnehmer hatten eigentlich eine schrittweise Ausweitung des Anleihenkaufprogramms erwartet. Zugleich verdoppelte die Notenbank ihr Inflationsziel auf zwei Prozent. Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte einen "Paradigmenwechsel" in der makroökonomischen Strategie an. Es bestehe aber kein Grund, das Notenbankgesetz zu ändern, um die Kontrolle der Regierung über die Zentralbank zu stärken.

Die Entscheidung der Notenbank stellt einen Bruch mit der bisherigen Strategie dar, die Käufe schrittweise auszuweiten. "Das sind sehr gute Nachrichten", sagte Brian Redican von Macquarie in Sydney. "Auf einmal hat die Bank von Japan aggressiver gehandelt, als es vom Markt erwartet worden war." Der Yen fiel unmittelbar nach der Entscheidung, erholte sich dann jedoch wieder. Auch der 225 Werte umfassende Nikkei-Index konnte seine Gewinne nicht halten. Mehrere Analysten wiesen darauf hin, dass die Notenbank mehr hätte tun können. Zudem dürften Politiker, Volkswirte und einige Notenbankmitglieder den Druck weiter aufrecht erhalten, den Geldhahn noch weiter aufzudrehen.

Ein solcher Schritt könnte sein, Anleihen mit längerer Laufzeit zu kaufen. Zudem könnte der Zinssatz von 0,1 Prozent für kurzfristiges Notenbankgeld gestrichen werden. "Es gibt immer noch eine Menge Arbeit, und immer noch Platz für Verbesserungen", sagte Tadashi Matsukawa von Pinebridge Investments in Tokio. International stößt die enge Verbundenheit von Notenbank und Regierung in Japan jedoch auf Kritik. So hatte sich etwa Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wiederholt kritisch dazu geäußert. "Mir macht ziemlich viel Sorge, was die neue Politik der neu gewählten Regierung (in Japan) ist", sagte er.

Vor allem die hartnäckige Deflation ist ein massives Problem für die japanische Wirtschaft. Seit Ende der 1990er Jahre sind die Verbraucherpreise nur in wenigen Monaten stärker als zwei Prozent gestiegen. Häufiger waren dagegen fallende Preise. Diese sind gefährlich, weil sich die Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Angebote mit Einkäufen zurückhalten und so eine Abwärtsspirale in Gang kommt. Eine schnelle Besserung ist auch nach Einschätzung der Notenbank nicht in Sicht: Für das Haushaltsjahr, das im März 2015 endet, rechnet sie mit einer Teuerungsrate von nur 0,9 Prozent. "Wann werden sie also ihr Inflationsziel erreichen?", sagte Joseph Capurso von der Commonwealth Bank of Australia.

Ministerpräsident Abe, der mit seiner Liberaldemokratischen Partei bei der Wahl Mitte Dezember einen klaren Sieg errungen hatte, versprach massive Konjunkturstützen und schickte damit den Yen auf Talfahrt. Zugleich erhöhte er den Druck auf die Notenbank, das Ziel für die Inflation anzuheben und ihr Mandat auch auf die Förderung des Arbeitsmarktes auszudehnen. Abe ist auf die Hilfe der Notenbank angewiesen, um die Konjunkturflaute zu überwinden, weil die Regierung angesichts einer Staatsverschuldung von etwa 235 Prozent der Wirtschaftsleistung kaum noch Spielraum für weitere Konjunkturpakete hat.

Nach Einschätzung von Experten reichen jedoch kurzfristige Konjunkturstützen nicht aus. Die Regierung müsse vielmehr auch die politisch schwerer umzusetzenden Strukturreformen angehen, um dem Land neue Wachstumskräfte einzuhauchen, wie etwa eine Deregulierung der stark reglementierten Landwirtschaft.

(Reuters)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

18.04.2014, 13:54

Indien kämpft gegen die Gold-Flut

18.04.2014, 08:54

Das Geschäft mit der Armut

18.04.2014, 08:44

Häusermarkt in China kühlt sich weiter ab

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    18.04.2014, 07:41

    Gewalt während Polizeistreiks in Brasilien: 39 Tote

    Brasilien. Die Regierung entsandte Elitepolizisten und Hunderte Soldaten, nachdem die städtische Polizei am Dienstag wegen eines Tarifstreits die Arbeit niedergelegt hatte.

    18.04.2014, 07:17

    China fordert von Russland strengere Kontrolle des Internets

    China hat Russland und andere Staaten in Zentralasien zu einer strengeren Kontrolle des Internets aufgefordert

    18.04.2014, 06:57

    Fährunglück Südkorea: Fähre wurde nicht vom Kapitän gesteuert

    Die vor Südkorea gesunkene Fähre "Sewol" wurde zum Unglückszeitpunkt nicht vom Kapitän, sondern vom dritten Offizier gesteuert.

    18.04.2014, 06:39

    Anhänger erklären Bouteflika zum Wahlsieger

    Bei der Präsidentenwahl in Algerien zeichnet sich wie erwartet ein Sieg von Amtsinhaber, dem 77-jährigen Abdelaziz Bouteflika ab.

    18.04.2014, 06:29

    Russland stimmt Entwaffung illegaler Truppen in der Ost-Ukraine zu

    Ein großer Schritt zur Deeskalation der Ukraine-Krise: Die Teilnehmer der internationalen Ukraine-Gespräche in Genf haben sich nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow auf eine gemeinsame Erklärung verständigt.

    Umfrage

    • Wo liegt Ihr Notgroschen?
    • Am Girokonto
    • Sparbuch
    • Andere Anlageformen
    • Unterm Kopfkissen

    Die Redaktion empfiehlt