15.05.2013, 09:21  von Stefan Ludwig

Türkei zahlt IWF Schulden zurück

Ministerpräsident Erdogan / Bild: epa/Kovalenko

Rückzahlung. Die Türkei hat die IWF-Kredite vollständig zurückbezahlt. Damit ist das Land gegenüber dem Fonds erstmals schuldenfrei seit Jahrzehnten.

Ankara. Die Türkei hat ihre Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) komplett beglichen. Das teilte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seiner Regierungspartei AKP am Dienstag in Ankara mit. Die letzte Rate in Höhe von 412 Millionen US-$ (317 Millionen €) sei überwiesen worden.

Damit hat die Türkei beim IWF keine Schulden mehr - zum ersten Mal seit 52 Jahren. Noch 2002 stand das Land mit mehr als 16 Milliarden US-$ in der Kreide. Wie üblich bei IWF-Hilfen war das Geld an ein striktes Reformprogramm gekoppelt. Der Währungsfonds stellt seine Kredite nur zur Verfügung, wenn sich die Länder an bestimmte Auflagen halten.

Die türkische Wirtschaftskrise im vergangenen Jahrzehnt darf damit als vorerst überwunden gelten. Das Bruttoinlandsprodukt hat sich seit den Reformen mehr als verdreifacht. Inzwischen zählt das Land zu den G20-Staaten, den größten Volkswirtschaften der Welt. Der Staat sei ein „perfektes Beispiel für das Erwachsenwerden eines Emerging Markets", sagte ein Londoner Analyst gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das ehemals schwache, verletzliche und auf Hilfe von außen angewiesene Land sei inzwischen ein wichtiger Anker für die gesamte Region.

Kreditvergabe geplant

Den ersten IWF-Kredit nahm die Türkei 1961 auf. 2008 wurde das letzte Darlehen angefordert. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur betrugen die Schulden zum Amtsantritt von Erdogan 23,5 Milliarden US-$.

Die Wirtschaftskraft der Türkei zählt mit fast 800 Milliarden $ zu den mächtigsten im Mittleren Osten. Das Land könnte jetzt vom IWF-Schuldner zum Kreditgeber aufsteigen. Man führe derzeit Gespräche über eine finanzielle Unterstützung des Fonds, hieß es am Dienstag. 

Die türkische Lira fiel gestern auf 1,8124 Dollar - damit hat sie heuer bereits 1,6 Prozent verloren. Mit der Rückzahlung hat das Land bewiesen, dass es mit seinen eigenen Problemen immer besser umgehen kann, so Analysten.

 

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