03.04.2014, 09:52  von Bloomberg/schu

Frankreich hat die Lösung für die Problembilanzen seiner Banken: ABS

BNP Paribas-Logo vor dem Börsegebäude / Bild: Reuters

In Kürze beginnt die französische Zentralbank mit einem Programm, das den Banken erlaubt, Kredite an KMU in Anleihen zu verbriefen. Die wirklichen Nutznießer des Plans werden die Banken sein.

Die Banken, darunter BNP Paribas und Société Générale, können dadurch die 362 Mrd. Euro an bereits ausgereichten Krediten in ihren Büchern zu Geld machen: sie verbriefen die Kredite in Wertpapiere, die sie bei der EZB oder im Interbankenmarkt als Sicherheit verwenden können. 

"Die Bank von Frankreich versucht zwei Fliegen mit einer
Klappe zu schlagen: Sie verhilft den Banken durch die
Verbriefung von KMU-Krediten zu mehr Liquidität. Und sie
ermutigt die Banken, die Kreditvergabe an die KMUs zu erhöhen", sagt Fabrice Susini, weltweiter Leiter Verbriefung bei BNP Paribas in London. "Das vorrangige und wichtigste Ziel ist jedoch, die Liquidität der Banken zu erhöhen."

Hilfestellung vor den Stresstests

Die französischen Kreditinstitute bereiten sich auf Bilanzprüfung und Stresstest der EZB vor, die Ende des Jahres die Aufsicht über die Banken im Euroraum übernimmt. Sie erhöhen das Volumen ihrer leicht zu liquidierenden Aktiva, nachdem sie während der Finanzkrise unter einer Liquiditätsklemme gelitten hatten. 

KMUs beschäftigen 63 Prozent der Arbeitnehmer im privaten Sektor und sind von zentraler Bedeutung für das französische Wirtschaftswachstum. Frankreichs Präsident Francois Hollande bemüht sich um eine nachhaltige Konjunkturerholung und eine Verringerung der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenrate liegt bei mehr als zehn Prozent und die Anträge auf Arbeitslosenhilfe
waren im Januar nach Angaben des Arbeitsministeriums auf die Rekordzahl von 3,3 Millionen gestiegen. Das Wirtschaftswachstum lag im vierten Quartal bei 0,3 Prozent.

Private Gesellschaft bündelt die Kredite zu ABS 

Unter dem Plan des Notenbankgouverneurs Christian Noyer, der schon mehr als ein Jahr in Arbeit
ist, wird die französische Zentralbank eine private Gesellschaft auf die Beine stellen. Diese wird die von den Banken bereits ausgereichten Kredite bündeln und in Bonds verbriefen, die für Wertpapierpensionsgeschäfte (Repos) verwendet werden können. "Bei der Initiative geht es darum, den Banken eine Finanzierungsmöglichkeit zu bieten und über die Verbriefung einen Zugang zu den Zentralbanken zu schaffen", sagt Michel Fryszman, Leiter ABS-Investment bei AXA Investment in Paris. "Es geht nicht um Investoren. Wir reden über ein neues
Instrument im Finanzierungs-Werkzeugkasten der Banken."

Das französische Programm kommt zu einer Zeit, da auch die EZB an Maßnahmen arbeitet, die den Kreditfluss von den Geschäftsbanken an die Unternehmen verbessern sollen, um das Wachstum anzukurbeln. Die Europäische Kommission propagiert ebenfalls einen funktionierenden Markt für forderungsunterlegte Wertpapiere (ABS), der die Kapazitäten der Banken zur Kreditvergabe vergrößern könnte, da die Kredite aus den Bilanzen transferiert werden. Die Bonds können von Investoren erworben
werden oder als Sicherheit für Repos verwendet werden.
Der europäische ABS-Markt ist eingebrochen, da die Papiere für eine Verschärfung der Finanzkrise verantwortlich gemacht wurden. Kamen 2007 noch ABS-Papiere im Volumen von 323 Mrd. Euro an den Markt, waren es 2013 nach Daten von JPMorgan Chase & Co.
nur noch 73,8 Mrd. Euro.

Nach Einschätzung von Barclays in London werden die europäische Initiativen zur Ankurbelung der Kreditvergabe an KMUs die Emission von ABS-Anleihen in diesem Jahr wieder um bis zu 15 Prozent erhöhen. Auf Wertpapiere, die mit Krediten an SMEs unterlegt sind, werde mit einem Volumen von 7,5 Mrd. Euro nach
980 Mio. Euro 2013 dabei das größte Wachstum entfallen.

"Immenser Nutzen für die Volkswirtschaft"

Der Nutzen eines funktionierenden Marktes für Verbriefungen wäre "immens für die Volkswirtschaft", sagt Manuel Trojovsky, Analyst bei UniCredit Bank in München. "Die Emittenten werden letztlich von niedrigeren Finanzierungskosten und einer Diversifizierung der Finanzierung profitieren, Investoren haben Zugang zu mehr qualitativ hochwertigen Anlagen und die KMU-
Kreditnehmer haben durch einen erweiterten Zugang zu Krediten und niedrigere Kreditkosten viel zu gewinnen."

In Frankreich wird es nach Einschätzung der Analysten von Citigroup einfacher sein, ein Verbriefungsprogramm aufzubauen als in anderen Ländern, da die Zentralbank über bessere Informationen über die Qualität der den Verbriefungen zugrunde liegenden Kredite verfügt. Die Bank von Frankreich bewerte nämlich die Qualität aller von den Banken ihres Landes ausgereichten Kredite – was derzeit nicht alle europäischen
Zentralbanken tun, wie die Analysten in einem Bericht vom 14. März schrieben.

Die Anleihen, die von der französischen Verbriefungs-
Gesellschaft emittiert werden, seien Covered Bonds ähnlicher als den ABS-Papieren, da sie über eine zweifache Sicherheit verfügten, sagt Didier Harnois, Leiter Kreditverbriefungen bei SocGen in Paris. So bestünden Ansprüche gegenüber der kreditbeschaffenden Institution und auf die Kredite, falls der Emittent in Schieflage gerate.

"Es besteht großes Interesse an der Anlageklasse KMU von Seiten der Investoren. Aber sie haben viele Fragen zum Risiko", sagt Susini von BNP Paribas. "Schaut man sich Portfolios an, die aus gerade mal 50 bis 300 Krediten an Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 50 Mio. Euro oder weniger und ohne börsennotierte Anleihen und ohne Rating bestehen, dann ist es  eine größere Herausforderung, die Transaktion Kapitalmarktinvestoren verständlich zu machen."

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Kommentare

2 Kommentare

Jonglierübung mit Begrifflichkeiten:
Mindesteigenkapital?
Eigenkapital vs. Fremdkapital .... Problemlösung durch "Fremdes Eigenkapital" ???

verfasst am 03.04.2014, 13:10

Ja, und? Die Sicherheiten prüft man dann nicht? Oder wird der Verlust aus den verbrieften Risikoengagements einfach in die EZB ausgelagert? Wer soll diese (wir erinnern uns: "toxische Produkte" war das Unwort) dann kaufen? Vielleicht wieder der entnervte Staatsbürger via Fonds, die diese Ramschprodukte gegen enorme Retrozessionen dann im Portefeuille halten? Spielen wir "Lehman" auf europäisch (oder französisch)? Befinden wir uns im finanzpolitischen Kindergarten?

verfasst am 03.04.2014, 10:13

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