20.08.2014, 20:45  von Reuters/schu

Irak: IS-Video soll Enthauptung des US-Journalisten Foley zeigen – Obama: "Für die IS gibt es keinen Platz im 21. Jahrhundert"

Ein Screenshot des IS-Drohvideos, das die Ermordung von James Foley durch die IS zeigen soll. Der Maskierte spricht mit britischem Akzent / Bild: Reuters

Die radikalen Islamisten des Islamischen Staates (IS) haben ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung eines US-Journalisten zeigen soll. Die Aufnahmen wurden am Dienstagabend unter dem Titel "Eine Botschaft an Amerika" auf YouTube gestellt und schließlich wieder entfernt.

Bei dem Opfer soll es sich um James Foley handeln, der vor zwei Jahren in Syrien entführt wurde. In dem Video wird zudem ein zweiter Mann vorgeführt, der Steven Sotloff genannt wird, einem weiteren verschleppten US-Journalisten. Ob auch er sterbe, hänge von US-Präsident Barack Obama ab. Die USA fliegen Luftangriffe gegen den IS im Nordirak.

In einer ersten Stellungnahme der US-Regierung hieß es, die Echtheit des Videos werde überprüft. Sollte es sich als authentisch erweisen, sei man entsetzt über "den brutalen Mord an einem unschuldigen amerikanischen Journalisten". Foleys Familie erklärte über Twitter, man warte auf weitere Informationen und bitte um Anteilnahme.

Am frühen Abend dann die Bestätigung: Washington hält das Hinrichtungs-Video für echt. "Wir sind zum Schluss gekommen, dass das Video authentisch ist", sagte die Sprecherin des Nationales Sicherheitsrates, Caitlin Hayden, am Mittwoch in einer Mitteilung. "Die US-Geheimdienste haben das jüngst veröffentlichte Video analysiert, das die US-Bürger James Foley und Steven Sotloff zeigt", so die Sprecherin. 

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Das Internet-Video zeigt zunächst Fernsehbilder von Obama, wie er die jüngsten Luftangriffe auf Stellungen der IS im Irak bekanntgibt. Anschließend ist ein kniender Mann zu sehen, bei dem es sich um Foley handeln soll. Dieser ruft seine Familie und Freunde auf, gegen die amerikanische Regierung als "eigentlichen Mörder" vorzugehen. Ein zweiter, maskierter Mann mit einem Messer steht neben ihm. Dieser wirft den USA vor, bei den Luftangriffen Muslime getroffen zu haben. "Sie kämpfen nicht mehr gegen einen Aufstand", sagt er an die USA gerichtet. "Wir sind eine islamische Armee und ein Staat, der von einer großen Zahl von Mulismen weltweit anerkannt wird." Danach wird die Enthauptung gezeigt.

Zuletzt wird ein zweiter Gefangener vorgeführt, der in einem Schriftzug als Sotloff identifiziert wird. "Das Leben dieses amerikanischen Bürgers, Obama, hängt von Ihrer nächsten Entscheidung ab", sagt der Maskierte. In dem Video werden arabische und englischen Schriftzüge verwendet. Der maskierte Mann spricht Englisch mit einem britischen Akzent. Foley war fünf Jahre in Syrien tätig und wurde am 22. November 2012 von Unbekannten entführt. Sotloff wird seit Juli 2013 vermisst, ebenfalls in Syrien.

Deutschland erklärt sich zu Waffenlieferungen bereit

Dort und im benachbarten Irak hat der Islamische Staat große Landstriche unter seine Kontrolle gebracht und ein grenzübergreifendes Kalifat ausgerufen. Die Gruppe geht mit großer Härte gegen Andersgläubige vor und soll Gräueltaten begangen haben. Die USA haben damit begonnen, Waffen an die Kurden im Nordirak zu liefern, die gegen die IS kämpfen. 

Auch Deutschland will den Kurden im Nordirak Waffen liefern, um sie in ihrem Kampf gegen die radikalen Islamisten zu unterstützen. "Wir sind bereit, so bald wie möglich auch solche Hilfe für die Kurden auf den Weg zu bringen", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ergänzte: "Isis muss gestoppt werden, und den Menschen muss geholfen werden." Binnen einer Woche solle nun geprüft werden, welche Waffen für die Kurden zweckmäßig seien, nur eine kurze Einweisung brauchten und in Bundeswehrbeständen zur Verfügung stünden. Dann werde die Bundesregierung in enger Abstimmung mit den europäischen und internationalen Partnern über weitere Schritte entscheiden. Vor Deutschland hatten sich in Europa bereits Großbritannien, Frankreich und Italien zu Waffenlieferungen an die Kurden bereiterklärt.

Obama kündigt Fortsetzung der Militärschläge auf die IS an

US-Präsident Barack Obama machte um 18.45 Uhr (MESZ) von seinem Urlaubsort Martha's Vineyard aus eine öffentliche Erklärung zu dem Fall. Er kündigte nach der Ermordung des US-Journalisten James Foley durch die radikalislamische IS eine Fortsetzung der Militärschläge gegen die Extremisten an. Die USA würden weiterhin alles nötige unternehmen, um ihre Bürger zu beschützen, sagte Obama in einer Stellungnahme. Die IS habe mit ihrer barbarischen und menschenverachtenden Einstellung keinen Platz im 21. Jahrhundert, betonte Obama. Die Extremisten verfolgten keine religiösen Ziele, sagte der US-Präsident. "Kein gerechter Gott würde für die Taten stehen, die der Islamische Staat begeht."

Cameron verurteilt Enthauptung - Täter wahrscheinlich Brite

Nach der Enthauptung eines US-Journalisten durch Jihadisten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) wird es laut Großbritanniens Regierung immer wahrscheinlicher, dass der Täter Brite ist. "Wir haben das verantwortliche Individuum nicht identifiziert", sagte Premierminister David Cameron am Mittwoch in London. Zunehmend sehe es aber danach aus, dass der Täter ein britischer Staatsbürger sei.

Cameron sprach von einer "barbarischen und brutalen Tat" und einem "Mord ohne jede Rechtfertigung". Großbritannien müsse noch mehr tun, um zu verhindern, dass Briten nach Syrien oder in den Irak reisen, um sich Extremisten anzuschließen, sagte Cameron. Die Strategie gegenüber den in beiden Ländern aktiven IS-Terroristen will er vorerst nicht ändern.

Derzeit prüft die britische Regierung Waffenlieferungen an kurdische Kämpfer im Irak. Es würden nun nicht reflexhaft britische Truppen geschickt, sagte der Premierminister. Er hatte am Mittwoch seinen Urlaub in Cornwall abgebrochen.

 

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