04.04.2015, 16:48  von Herbert Geyer / Bloomberg

US-Arbeitsmarkt bricht ein – Zinserhöhung dürfte sich weiter verschieben

Die Arbeitslosen-Schlangen sind noch nicht so kurz wie geglaubt / Bild: (c) APA/EPA/JUSTIN LANE (JUSTIN LANE)

Mit nur 126.000 neuen Jobs im März – Analystenbefragungen hatten 245.000 erwartet – hat der soeben veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht eine kräftige negative Überraschung geliefert. Weil die Börsen heute geschlossen sind, kann es erst nach dem Oster-Wochenende zu Marktreaktionen kommen. Die dürften aber massiv ausfallen.

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich stärker eingetrübt als erwartet: Nach offiziellen Zahlen des Labour Department wurden im März lediglich 126.000 neue Jobs geschaffen – Analystenbefragungen hatten mit 245.000 gerechnet. Die offizielle Arbeitslosenrate bleibt bei 5,5 Prozent, die Löhne sind nach einem mageren Anstieg im Februar um nur 0,1 Prozent nun im März immerhin um 0,3 Prozent gestiegen.

Die Arbeitsmarktdaten hatten vorweg schon die ganze Woche die Märkte in Atem gehalten, da Fed-Chefin Janet Yellen nach der Zinssitzung von Anfang März speziell den Arbeitsmarkt und die Inflation als jene Kriterien genannt hatte, an denen sie sich beim Timing für die erste Zinserhöhung seit 2006 orientieren würde. Entsprechend vorsichtig agierten die Märkte – zumal klar war, dass heute kurzfristige Korrekturen einer falschen Kauf- oder Verkaufsentscheidung nicht mehr korrigiert werden könnten, da am Karfreitag weltweit alle wichtigen Handelsplätze (mit Ausnahme von Fernost, wo die Börsen aber bereits geschlossen sind) Handelspausen eingelegt haben. Auf allfällige Überraschungen – das war daher klar – würden die Märkte erst nach dem Oster-Wochenende reagieren können.

Schon 189.000 war eine negative Überraschung

Und Überraschungen zeichneten sich durchaus ab: Nachdem die offiziellen Arbeitsmarktdaten Anfang März weit positiver ausgefallen waren als erwartet, legte die private Arbeitsvermittlungsagentur ADP mit einem Plus von nur 189.000 Stellen am Mittwoch unerwartet schwache Zahlen vor. Auch andere Daten – wie etwa ein überraschend schwacher ISM-Einkaufsmanagerindex – wiesen auf eine eher schwache Konjunktur (und damit kaum Verbesserungen am Arbeitsmarkt) hin. Der Rückgang auf nur 126.000 neue Jobs stellt einen schon ziemlich dramatischen Einbruch dar.

Schon die letzten Marktdaten vom Donnerstag hatten eher auf eine Verschiebung der Zinserhöhung hingedeutet, die zuletzt für Juni oder spätestens September erwartet worden war: Der Dollar verlor leicht an Wert, Schwellenländer-Aktien legten zu. „Ein glanzloser Arbeitsmarkt-Bericht wird die Erwartungen auf eine frühe Zinserhöhung dämpfen, und der Trend zu Dollar-Verkäufen wird sich fortsetzen“, zitierte Bloomberg noch heute Früh Junichi Ishikawa, Analyst bei IG Market Securities in Tokio. Und die Analysten von Morgan Stanley errechneten aus den Marktdaten für Federal Funds vom Mittwoch-Abend, dass die Märkte eine erste Zinserhöhung erst in der letzten November-Woche erwarten.

Nach den aktuellen Arbeitsmarktdaten könnte sich eine Zinserhöhung sogar noch weiter hinausschieben. Das deutet auf eine weitere Schwächung des Dollars hin. Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte sind schwer einzuschätzen: Normalerweise lässt eine Abkühlung der Konjunktur auch sinkende Aktienkurse erwarten, da die Unternehmensgewinne unter schwacher Konjunktur leiden.. Zuletzt hatten aber Daten, die ein Hinauszögern der Zinserhöhung erwarten ließen, öfters für paradoxe Kursanstiege gesorgt – niedrige Zinsen bevorzugen riskantere Geldanlagen, also auch Aktien.

 

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Kommentare

3 Kommentare

Wenn Du heute Euro gekauft hast, dann machst einen Zinsgewinn in ein paar Tagen, den man sonst in Jahren nicht erreicht

verfasst am 04.04.2015, 17:29

Gast: er meint

endlich bricht das House of Cards zusammen! 5,5% Arbeitslose und dann sind sie aufgewacht und es boom gemacht!

verfasst am 03.04.2015, 19:26

Dann muss die USA halt aufrüsten und "boom" machen !

verfasst am 03.04.2015, 21:48

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