03.01.2016, 08:29  von APA/AFP/Reuters

Iran warnt Saudi-Arabien vor der "Rache Gottes"

Ayatollah Ali Khamenei droht Saudi-Arabien / Bild: AFP

Die Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien hat internationale Besorgnis und heftige Proteste ausgelöst. In der iranischen Hauptstadt stürmten aufgebrachte Demonstranten die saudi-arabische Botschaft.

Dubai/Teheran. Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien hat das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, das Königreich vor der "Rache Gottes" gewarnt. "Das ungerechtfertigt vergossene Blut dieses Märtyrers wird rasche Konsequenzen haben und die Hand Gottes wird Rache an der saudi-arabischen Führung nehmen", so Khamenei am Sonntag vor Geistlichen in Teheran.

"Dieser Gelehrte ermutigte Menschen weder zu bewaffneten Handeln, noch schmiedete er geheime Pläne, das einzige was er tat, war öffentlich Kritik zu äußern", sagte er.

König Salmans blutige Botschaft

Zuvor hatte eine Menge die saudi-arabische Botschaft in Teheran angegriffen und Brandsätze in das Gebäude geworfen. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafari Dolatabadi sagte laut der Nachrichtenagentur ISNA, es seien 40 Menschen festgenommen worden, die in die Botschaft eingedrungen waren. Für Sonntagnachmittag rief der Studentenflügel der Bassij-Miliz zu einer weiteren Protestkundgebung vor der Botschaft auf. Auch in der iranischen Stadt Mashhad wurde das saudi-arabische Konsulat angegriffen.

Das iranische Außenministeriums hatte Saudi-Arabien am Samstag vorgeworfen, "terroristische und extremistische Bewegungen" zu unterstützen und zugleich seine internen Gegner hinzurichten. Das Königreich werde dafür "einen hohen Preis zahlen", warnte Teheran. Riad warf seinem regionalen Rivalen daraufhin einen "aggressiven" Tonfall vor und zitierte den iranischen Botschafter herbei. Außer im Iran gab es auch in der schiitischen Pilgerstadt Kerbala im Irak und im mehrheitlich schiitischen Golfstaat Bahrain Proteste gegen die Hinrichtung Nimrs.

Der schiitische Geistliche war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Der 56-Jährige hatte während der Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten des sunnitisch geprägten Saudi-Arabien leben. Er wurde im Oktober 2014 zum Tode verurteilt und am Samstag zusammen mit 46 weiteren Menschen hingerichtet. Die Massenhinrichtung der wegen Terrordelikten verurteilten Menschen stieß auch im Westen auf Kritik. Der schiitisch geprägte Iran ringt mit Saudi-Arabien um die regionale Vorherrschaft.

Internationale Besorgnis

Neben Nimr waren am Samstag in Saudi-Arabien 46 weitere Menschen wegen Terrorismus oder Anstiftung zur Gewalt exekutiert worden. Die meisten von ihnen waren sunnitische Extremisten. Mehrere von sollen für das Terrornetzwerk Al-Kaida 2003 und 2004 Anschläge verübt haben. Zu den Exekutierten gehörte auch Faris al-Shuwail, der Medienberichten zufolge der oberste religiöse Anführer von Al-Kaida in Saudi-Arabien war.

Die Hinrichtungen zielten nach Einschätzung von Beobachtern darauf ab, Saudi-Araber davor abzuschrecken, sich Islamistengruppen anzuschließen. Saudi-Arabien war in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Bombenanschlägen und Attentaten militanter Sunniten. Auch der IS hat wiederholt zu Anschlägen im Königreich aufgerufen, das selbst mit dem Wahhabismus eine besonders konservative Strömung des sunnitischen Islam unterstützt.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, die Staats- und Regierungschefs der Golf-Region müssten "ihre Bemühungen verdoppeln", um zu einer Deeskalation der Lage beizutragen. Saudi-Arabien müsse sich an die Menschenrechte halten und in jedem Fall faire und transparente Gerichtsverfahren gewährleisten.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bekräftigte die ablehnende Haltung der Europäischen Union zur Todesstrafe generell und erklärte, Nimrs Hinrichtung wecke ernste Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit und dem Respekt gegenüber bürgerlichen und politischen Grundrechte in Saudi-Arabien. Sie forderte die Regierung auf, zur Versöhnung zwischen den verschiedenen Gruppen des Landes beizutragen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die rivalisierenden Religionsgruppen zur Zurückhaltung auf. Alle Verantwortlichen in der Region müssten zu einem Abbau der Spannungen beitragen, forderte er.

Auch in Bahrain, dessen sunnitische Führung mit Riad verbündet ist, protestierten dutzende Jugendliche der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen die Exekutionen, die Polizei setzte Tränengas ein. In der den Schiiten heiligen irakischen Stadt Kerbala demonstrierten Hunderte Menschen gegen Saudi-Arabien. Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi, ein Schiit, erklärte, die Unterdrückung von Meinungsfreiheit und friedlicher Opposition habe "Konsequenzen auf die Sicherheit, Stabilität und den sozialen Zusammenhalt der Region".

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums erklärte: "Die saudi-arabische Regierung unterstützt auf der einen Seite terroristische und extremistische Bewegungen und benutzt zugleich die Sprache der Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner." Der Iran vollzieht selbst die Todesstrafe. Das saudi-arabische Innenministerium kritisierte den Ton Teherans als "aggressiv". Die amtliche Nachrichtenagentur SPA zitierte aus einer Erklärung eines Außenamtssprechers in Riad, der Iran unterstütze "schamlos" den "Terrorismus" und gefährde die regionale Stabilität. Teheran sei "das letzte Regime auf der Welt, das andere der Unterstützung des Terrorismus bezichtigen dürfe".

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Kommentare

1 Kommentare

zombie1969 meint

KSA wäre gerne der Hüter des wahren Glaubens und die führende Macht der islamischen Welt. Dumm nur, dass andere, weitaus fortschrittlichere muslimische Staaten wie z. B. Indonesien, Malaysia oder der Iran das nicht einsehen wollen. Den Saudis wäre anscheinend jedes Mittel recht, um den Erzfeind Iran in die Knie zu zwingen. Zum Glück besitzt der Gottesstaat KSA keine Atomwaffen sondern nur Panzer "Made in Europe".

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