13.02.2016, 09:14

Erstes Treffen seit 1054: Papst trifft Patriarchen

Nach fast 1000 Jahren hatten einander Patriarch Kirill (li.) und Papst Franziskus viel zu erzählen / Bild: (c) REUTERS (POOL)

Erstmals nach fast 1000 Jahren sind der katholische Papst und der russisch-orthodoxe Patriarch zu einem Gespräch zusammengetroffen – und das auf einer Insel, die damals noch gar ncht entdeckt war.

Historischer Handschlag in Havanna: Erstmals seit der Kirchenspaltung vor fast 1.000 Jahren haben sich ein Papst und ein Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche getroffen. Papst Franziskus begrüßte Patriarch Kirill am Freitagnachmittag (Ortszeit) in einem Protokollsaal des Flughafens der kubanischen Hauptstadt.

Nach einer Begrüßung mit Handschlag und Wangenküsschen sowie einem historischen Foto setzten sich beide, und begannen das erste Gespräch zwischen den Oberhäuptern der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche.

Papst und Patriarch wollten unter anderem über die besorgniserregende Zunahme von Christenverfolgungen in den Krisenherden in Nahost, Afrika und Asien sprechen. An der Begrüßung nahm auch Kubas Präsident Raul Castro teil. Mit der Begegnung wollen beide Kirchenoberhäupter in Zeiten von Terror, Krieg und Vertreibung ein kraftvolles ökumenisches Zeichen setzen.

Im Anschluss erklärten Papst und Patriarch gemeinsam, sie wollten die Spaltung überwinden. Und sie riefen die Staatengemeinschaft eindringlich auf, die im Mittleren Osten und in Nordafrika verfolgten Christen zu schützen.

"In einer Welt, die von uns nicht nur Worte, sondern auch konkrete Taten erwartet, möge diese Begegnung ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens sein." Sie hofften, dass die Begegnung "zur Wiederherstellung dieser von Gott gewollten Einheit, für die Christus gebetet hat, beitragen kann". Die menschliche Zivilisation sei in eine Zeit epochalen Wandels eingetreten."

Die internationale Gemeinschaft müsse angesichts islamistischen Terrors dringend handeln, "um einer weiteren Vertreibung der Christen im Nahen Osten zuvorzukommen". Mit Blick auf die dramatische Lage in Syrien und dem Irak riefen sie die Staatenwelt auf, "sich zu vereinen, um der Gewalt und dem Terrorismus ein Ende zu setzen". Die Flüchtlinge müssten in die Häuser zurückkehren können. Zudem prangerte sie einen "zügellosen Konsum" an, der die Ressourcen des Planeten aufzubrauchen beginne.

Beim ersten Handschlag hatte Papst Franziskus betont: "Endlich. Es ist klar, dass das der Wille Gottes ist." Der russische Patriarch betonte: "Es gab uns die Chance, die Position des Anderen kennenzulernen". Das Treffen komme zur richtigen Zeit. 

Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt bekannten sich Kyrill und Franziskus dazu, dass die Konfliktparteien einen Frieden aufbauen sollen. "Wir bedauern die Auseinandersetzung in der Ukraine, die bereits viele Opfer gefordert, unzählige Verwundungen bei den friedlichen Einwohnern verursacht und die Gesellschaft in eine schwere wirtschaftliche und humanitäre Krise geworfen hat."

Seit 20 Jahren geplant

Seit 20 Jahren gab es Pläne für ein solches Treffen, das nun durch den Aufenthalt beider Kirchenoberhäupter in der Region möglich wird. Franziskus wollte von Havanna weiterreisen zu einer mehrtägigen Reise nach Mexiko. Es handle sich um eine intensive Reise, "die mein Bruder Kirill, ich und die Mexikaner uns aber sehr gewünscht haben", sagte der 79 Jahre alte Argentinier laut dem Vatikan während des Fluges.

Katholiken und Orthodoxe gehen seit der Kirchenspaltung (Schisma) aus dem Jahr 1054 getrennte Wege. Damals exkommunizierten einander die Oberhäupter der Ostkirche in Byzanz (heute Istanbul) und der Westkirche in Rom gegenseitig. Folge war die Eigenständigkeit der orthodoxen Kirchen. Nach Katholiken und Protestanten stellen die Orthodoxen heute die drittgrößte Gruppe innerhalb des Christentums.

Die "orthodoxe Welt" ist in 14 Kirchen zersplittert. Die größte ist der russisch-orthodoxe Zweig mit rund 150 Millionen Gläubigen. Im Juni soll es nach langer Vorbereitung auf Kreta zu einem historischen Treffen aller orthodoxen Kirchen kommen. Der katholische Kirche gehören rund eine Milliarde Menschen an. In den vergangenen Jahrzehnten trafen Franziskus und seine Vorgänger zwar andere orthodoxe Patriarchen, aber bisher nicht den russischen.

Verfechter traditioneller Familienwerte

Kirill (69) gilt als Freund der Ökumene, aber auch als Verfechter traditioneller Familienwerte und Gegner von Homosexuellenrechten. Kirill pflegt engen Kontakt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Kremlchef bindet die orthodoxe Kirche als Machtstütze aktiv in seine Politik ein. Er sieht in ihr einen starken Verbündeten im Kampf gegen westlichen Liberalismus und Werteverfall. Kritiker sprechen von einer "unheiligen Allianz" von Staat und Kirche.

Trotz des historischen Treffens sind nach Darstellung Moskaus längst nicht alle Meinungsverschiedenheiten beigelegt. "Wir hoffen, dass dieses Treffen ein neues Kapitel in den Beziehungen unserer beiden Kirchen aufschlägt", sagte der Metropolit (Erzbischof) Ilarion der Zeitung "Kommersant". Der Ostkirchen-Experte Thomas Bremer sagte der Deutschen Presse-Agentur, in der russischen orthodoxen Kirche gebe es noch immer große Vorbehalte gegen Rom. Der Professor für Ökumene und Ostkirchenkunde an der Universität Münster betonte, der Papst nutze den Dialog der christlichen Konfessionen, um bei den Themen Gerechtigkeit, Armut und Frieden weitere Mitstreiter zu gewinnen.

Franziskus in Mexiko

Nach seinem historischen Gespräch mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. auf Kuba ist Papst Franziskus am Freitag (Ortszeit) zu einem fünftägigen Besuch in Mexiko eingetroffen. Präsident Enrique Pena Nieto empfing das Oberhaupt der Katholiken am Flughafen von Mexiko-Stadt.

Bei der mehrtägigen Reise (bis Mittwoch Ortszeit, Donnerstag MEZ) stehen die Migration sowie die Drogengewalt im Mittelpunkt. Geplant sind unter anderem Besuche in der Grenzregion zu den USA und in einer Unruheprovinz.

Tausende Gläubige säumten die Straßen, um den Weg des Papstmobils mit ihren Handys zu erleuchten, dazu riefen sie: "Franziskus, Bruder des mexikanischen Volkes."

 

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