07.05.2014, 21:14  von Fabian Graber

Versorger werden noch weniger verdienen

Große Mengen an Ökostrom drücken die Preise / Bild: WB/Peroutka

Energie. Die Strompreise werden laut Prognosen weiter sinken und die Umsätze der Versorger mit nach unten ziehen. Im Vorteil ist, wer sich über die Börse mit Strom eindeckt.

Wien. „Das ist ähnlich wie mit den Butterbergen und Milchseen in den 1970er-Jahren.“ Walter Boltz, Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, vergleicht den aktuellen Stromüberschuss in Europa mit der Überproduktion bestimmter Agrarprodukte, die vor mehr als 40 Jahren aus großzügigen Förderungen resultierte.

Heute sei die „marktferne“ Subvention für erneuerbare Energien eine der Ursachen für das Überangebot, sagt Boltz – was zur Folge habe, dass die Großhandelspreise für Strom sinken und teilweise negativ sind (siehe Grafik rechts). In dieser Situation bekommt man für das Verbrauchen von Strom Geld. Den größten Einfluss hat dabei das milliardenschwere Ökostrom-Förderregime in Deutschland. Da der österreichische Strommarkt über eine gemeinsame Börse mit dem des Nachbars zusammenhängt, sind die Folgen des Überangebotes unmittelbar spürbar.

Der Regulator geht davon aus, dass sich in den nächsten zwei bis drei Jahren nur wenig an der Situation ändern wird. „Wenn, dann wird sich die Lage eher verschärfen“, so Vorstand Boltz.

Branche unter Druck

Für Stromversorger wie den Verbund, der durch das niedrige Strompreisniveau bereits stark unter Druck gekommen ist, sind das schlechte Nachrichten.  „Den Versorgern tun die rückläufigen Preise weh, weil sie weniger verdienen“, sagt Energiemarktexperte Michael Sponring von PwC zum WirtschaftsBlatt. Da bereits viele neue Ökostromanlagen genehmigt seien, müsse die Branche damit rechnen, dass die Preise weiter sinken. Das korrigierende Eingreifen der Politik – allen voran der EU – in die Fördersysteme würde sich erst gegen Ende des Jahrzehnts bemerkbar machen, sagt Sponring. Somit werde der Absatz der Versorger noch stärker leiden.

Je weniger Strom ein Unternehmen selbst erzeugt und stattdessen an der Börse einkauft, desto größer die Vorteile. „In Österreich haben die meisten Versorger ein großes Erzeugungsportfolio, da ist der Leidensdruck relativ groß“, so Sponring.

Niedrige Kosten

Dabei befinde sich etwa der Verbund „in der komfortablen Situation“, dass viele seiner Anlagen, vor allem die älteren Wasserkraftwerke, bereits abgeschrieben seien und zu niedrigen Grenzkosten produziert werden können. „Der Markt steht dem aber momentan entgegen“, sagt Sponring.


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