26.08.2014, 06:43

CA Immo-Chef Bruno Ettenauer: "Wir sind sehr, sehr attraktiv geworden"

CA Immo-Chef Bruno Ettenauer / Bild: MAYR Elke / WB

Trotz Ausstieg des Kernaktionärs Bank Austria bleibt der Name CA Immo, sagt Bruno Ettenauer, CEO des ATX-Mitglieds. Das Unternehmen startet ein neues Hochhausprojekt in Frankfurt und erhöht die Eigenkapitalquote.

Die CA Immo legt am Dienstag nach Börseschluss Zahlen fürs erste Halbjahr vor. Die Erste Group erwartet Mieterlöse von 73,9 Millionen € und ein Nettoergebnis nach Minderheiten von 27,5 Millionen €. Aufgrund der geänderten Bilanzierung  sind die Zahlen mit 2013 nicht direkt vergleichbar. Das WirtschaftsBlatt bat CA Immo-Chef Bruno Ettenauer zum Interview.

WirtschaftsBlatt: Das Immobilieninvestmentportfolio der CA Immo ist heuer gesunken-woher der Rückgang?

Bruno Ettenauer: Einerseits machen sich Verkäufe von Immobilien in Deutschland und Polen bemerkbar, andererseits haben wir früher mit Partnern gehaltene Objekte voll konsolidiert, die aufgrund der neuen IFRS-Richtlinien teilkonsolidiert werden. Auf die wichtige Kennzahl NAV hat die Entkonsolidierung aber überhaupt keine Auswirkung. Unsere Eigenkapitalquote ist sogar im Steigen, weil wir heuer Wandelanleihen mit einem Volumen von rund 115 Millionen € wandeln, womit Fremd-in Eigenkapital umgewandelt wird. Bis Jahresende wird das Wandelanleihen-Thema abgeschlossen sein.

Im Herbst läuft eine große Anleihe aus, werden Sie eine neue begeben?

Nein, wir werden die gesamten 150 Millionen € aus unserem Cashbestand bedienen können und keine neue Unternehmensanleihe begeben. Damit verbessert sich unsere Eigenkapitalquote auf über 50 Prozent (Anm.: von derzeit rund 47 Prozent), das ist schon bärenstark.

Sind in diesem Cashflow auch die 36 Millionen € aus dem Verkauf der UBM-Beteiligung berücksichtigt?

Nein, der Deal ist ja noch nicht geclosed. Wir haben auch aus unserer "Land Bank" in Deutschland Grundstücke für den Wohnbau zur Baureife gebracht und verkauft, auch diese Verkäufe und die Mieterlöse stehen dafür zur Verfügung. Beim UBM-Anteilsverkauf war zudem nicht die Liquiditätsbeschaffung das Thema, sondern, dass die strategische Bedeutung der Beteiligung gesunken ist. Inzwischen haben wir selbst eine starke Entwicklungsplattform. Der UBM-Kernaktionär Porr war logischer Käufer für unseren Anteil, weil es auch für die Porr jetzt einfacher ist, ihr Immobilienportfolio neu zu strukturieren und die UBM leichter an neues Kapital kommt. Für uns war der Preis angesichts der Prämie über dem Börsenkurs in Ordnung.

Werden Sie und CFO Florian Nowotny aus dem UBM-Aufsichtsrat ausscheiden?

Das zu entscheiden ist die Aufgabe des UBM-Eigentümers Porr. Die bisherige Kooperation von CA Immo und UBM bei einzelnen Projekten bleibt bestehen.

Gleichzeitig verkauft die Bank Austria ihren CA-Immo-Anteil, wie geht es Ihnen damit?

Dass das passiert, war nicht überraschend, der Verkaufszeitpunkt ist für die Bank ideal und es entspricht dem Zeitgeist, dass sich eine Bank auf ihr Kerngeschäft konzentriert. Nach den Zahlen für 2013 sind wir für Investoren sehr, sehr attraktiv geworden. Dass sich gleich zwei potenzielle Käufer aus Österreich medial gemeldet hatten, war daher auch nicht überraschend. Ich erwarte auch großes internationales Interesse.

Die rund 200 Millionen € für den Anteil könnten angesichts der jüngsten Immo-Deals in Österreich sogar private Investoren stemmen...

Der Einstieg ist erst der Anfang, ein neuer Kernaktionär wird das Unternehmen mittelfristig begleiten und daher auch Mittel für weitere Maßnahmen zur Verfügung haben müssen. Für die Bank Austria wird es zudem auf die Kombination aus Kaufpreis und langfristigem Konzept ankommen. Ich selbst habe das natürlich nicht zu entscheiden, wir sind ja nicht der Verkäufer, auch wenn wir den Prozess aus eigenem Interesse voll unterstützen.

Bleibt der Name CA Immo? Der Zusatz "CA" stand ja ursprünglich für Creditanstalt.

Wir werden den Namen behalten.

Ändert der Prozess um den Anteilsverkauf Ihren Alltag?

Unsere Aufgabe ist und bleibt es, die Interessen aller Aktionäre zu vertreten. Dazu gehören auch Fonds und Institutionelle, wie auch Kleinanleger. Das wird weiter die Maxime sein und wir sind natürlich mit dem operativen Geschäft beschäftigt. Wir müssen Investoren auch mit einem anderen Kernaktionär gute Zahlen und eine gute Story liefern können.

Was ist derzeit im Neubau Ihr spannendstes Projekt?

Wir konkretisieren aktuell in Frankfurt die Entwicklung eines neuen Hochhauses, ein Architekturwettbewerb ist derzeit in Umsetzung. Das Hochhausprojekt wird zwar nicht die Dimension eines Tower 185 haben, aber doch im dreistelligen Millionenbereich liegen. Geplant ist eine Büronutzung auf einem der letzten freien Grundstücke im Frankfurter Europaviertel. Wir erwarten großes Interesse und hoffen, mit rund 50 Prozent Vorvermietung in den Bau gehen zu können. Der Schwerpunkt unserer Neuentwicklungen wird weiterhin auf Deutschland liegen, dort ist nicht nur die Nachfrage sehr hoch, sondern auch die Finanzierbarkeit gegeben.

Sie haben auch kleine Anteile des Portfolios in Russland und der Ukraine. Droht dort Abwertungsgefahr?

Nein, wir haben in der Ukraine bereits abgewertet übernommen, außerdem gleichen Aufwertungen und Abwertungen sich erwartungsgemäß aus. Bei diesem Konflikt wären aber alle gut beraten, sich auf ein konstruktives Verhalten zu besinnen. Denn, wenn Europa und Russland verlieren, gewinnen alle anderen. Über das negative Sentiment könnte der Konflikt ganz Mitteleuropa, also auch Deutschland, Österreich, aber auch beispielsweise Polen, negativ treffen.

Wie beurteilen Sie das Hypo-Sondergesetz?

Das gesamte Thema Hypo hat dem Standort Österreich nicht geholfen, das Sondergesetz war da nur ein Teil davon-die Milch wurde lange vorher ausgeschüttet. Es wäre aber extrem wichtig für die Hygiene, dass nicht der Eindruck entsteht, dass in Österreich Willkür und wirtschaftliches Unverständnis herrschen.

Ist der Wirtschaftsstandort Österreich in Gefahr?

Die konsequente Umsetzung von Reformen geht mir ab. Die Reformwilligkeit ist offenbar nicht in Österreich beheimatet. Viele, auch ich, haben von der Großen Koalition mehr Reformwilligkeit erwartet. Dass beide Parteien so passiv sind, ist nicht besonders perspektivisch oder hilfreich. Wenn man die Effizienz erhöht, kann man auch sparen, ohne spürbare Qualitätsverluste hinnehmen zu müssen.

Im Herbst könnte es indes in Sachen Mietrechtsreform weitergehen. Was sollte verändert werden?

Das Mietrecht ist nun einmal ein komplexes Thema und Wohnen ist teurer geworden. Zugleich gibt es im Mietrecht viele Privilegien, die nicht im Sinne des Erfinders sind. Eine Totalreform des Mietrechts wäre gefährlich, aber kleine Eingriffe könnten schon viel bewirken. Denn, jetzt Anreize für Investitionen zu setzen, wo die Zinsen tief, das Kapital bei privaten Investoren vorhanden und die Nachfrage nach Wohnen hoch ist, wäre für die Gesamtwirtschaft hilfreich. Eigentlich sollten auch die politischen Entscheidungsträger bemerkt haben, dass wir ansonsten nicht viele Bereiche haben, in denen es einen Boom gibt.

Das Interview führte Andre Exner

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2014-08-26)

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