24.02.2015, 10:16  von APA

Frauen sind nicht entscheidend für den Unternehmenserfolg

Eine Studie zeigt: auf die Frauenquote kommt's nicht an. Erfolgreiche Unternehmen haben Aufsichtsgremien, die sich mehr oder weniger einmischen, jedenfalls aber nicht allzu oft tagen.

Wien. Der Frauenanteil in Aufsichtsräten ist nicht entscheidend dafür, ob ein Unternehmen erfolgreich oder nicht erfolgreich ist, so eines der Ergebnisse einer Studie der WU-Wien. Demnach lassen sich zwei Typen von Aufsichtsgremien erfolgreicher Unternehmen unterscheiden: jene mit hohem strategischen Einfluss und jene mit hoher Vergütung. Gemeinsam ist ihnen eine nicht zu hohe Aktivität.

"Andere Aspekte als Diversität sind für den Unternehmenserfolg wohl wichtiger, was aber nicht heißt, dass mehr Diversität in den Aufsichtsräten gesellschaftspolitisch nicht wünschenswert wäre", meinte WU-Professor Werner Hoffmann, an dessen Institut für Strategisches Management (ISM) die Studie erstellt wurde, zur APA.

Nur 10 Prozent beträgt laut Studie der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder in den untersuchten 30 börsenotierten nichtfinanziellen Unternehmen. 47 Prozent haben überhaupt keine Frauen im Aufsichtsrat. Im Schnitt sind es pro Aufsichtsrat nur 0,73 Frauen.

Studienautor Thomas Maidorfer hat Diversität nicht nur am Frauenanteil festgemacht, sondern auch an Nationalität, Alter, beruflicher Erfahrung und Länge der Amtszeit. Keiner dieser Faktoren stellte sich aber als wesentlich für den unternehmerischen Erfolg oder Misserfolg heraus. "Am Ende ist die kognitive Diversität entscheidend", meinte Maidorfer.

"Der Einfluss der Diversität, der sich in der öffentlichen Diskussion noch dazu auf die Geschlechterfrage reduziert, wird überbewertet", sagte Hoffmann. Von größerer Bedeutung für die Zusammensetzung eines Aufsichtsrates seien internationaler Background, Ausbildungs- und Sozialisationshintergrund oder Altersstruktur. "Ideal wäre eine junge Frau aus dem asiatischen Wirtschaftsraum mit technischer Ausbildung. Die ist aber schwer zu finden", so Hoffmann.

Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass es offensichtlich zwei typische Aufsichtsratskonstellationen gibt, die bei erfolgreichen Unternehmen häufiger vorkommen, als bei nicht erfolgreichen. Beiden ist gemeinsam, dass sie keine hohe Sitzungsaktivität haben. Im Durchschnitt fanden 5,3 Sitzungen pro Jahr mit einer durchschnittlichen Sitzungsdauer von rund 4 Stunden statt. "Erfolgreich Unternehmen sind nicht die mit dem aktivsten Aufsichtsrat", so Maidorfer. Vielmehr sei hohe Aktivität oft ein Zeichen der Krise und schlechten Unternehmenserfolg.

Der erste Governance-Typ ist dadurch gekennzeichnet, dass sich der Aufsichtsrat sehr stark in die strategische Ausrichtung einmischt. Dazu zählen Unternehmen, die einen dominanten Eigentümer haben, der seine Eigentümerinteressen auch über den Aufsichtsrat artikuliert. Beispiele dafür sind laut Hoffmann Unternehmen der B&C-Holding, etwa Lenzing, AMAG und Semperit, oder die SBO mit ihrem Hauptaktionär Norbert Zimmermann.

Der zweite Governance-Typ erfolgreicher Unternehmen ist durch eine relativ hohe Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder gekennzeichnet. Diese Konstellation sei typisch für Publikumsgesellschaften, wo der Aufsichtsrat die Interessen einer breiten Aktionärsstruktur wahrzunehmen habe. Die strategische Ausrichtung liege hier eher beim Vorstand, der Aufsichtsrat sei dagegen eher Kontrolleur und Sparringpartner des Vorstandes. Die relativ hohe Vergütung stehe für Qualität, Erfahrung, Wissen und Netzwerk der Aufsichtsräte. Für diese Aufsichtsräte gebe es auch einen preisgesteuerten Markt. Ein typisches Beispiel dafür sei Wienerberger.

Im Durchschnitt erhielt ein AR-Vorsitzender gut 23.000 Euro jährlich an Vergütung, ein normales Mitglied 12.600 Euro. Ein Vorsitzender erhielt zwischen 9.000 und 60.000 Euro, ein Mitglied zwischen 4.000 und 30.000 Euro. Dazu kamen noch Sitzungsgelder von im Schnitt 707 Euro und Ausschussgelder von im Schnitt 964 Euro.

Zusammenfassend könne gesagt werden, dass es keinen "One-Size-Fits-All"-Aufsichtsrat gebe, betonte Hoffmann, aber es gebe Aufsichtsrats-Konstellationen, die einen systematischen Einfluss auf den Unternehmenserfolg hätten.

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Kommentare

4 Kommentare

klar muss jetzt eine gegenteilige Studie her, die rechtfertigt, dass die Männerquote noch immer nicht abgeschafft ist.

verfasst am 24.02.2015, 13:45

Vereinfacht, nicht was zwischen den Haxerln, sondern was zwischen den Ohrwascherln ist zählt. Wer hätte das gedacht. Wieviel kostete diese Studie? Egal, ich machs euch billiger!

verfasst am 24.02.2015, 12:54

WARUM um gottes willen sollte es auch entscheidend für einen erfolg sein, wieviele frauen man im team hat?
WARUM??? Das hat sich doch nur irgendeine potthässliche frustrierte grüne oide ausgedacht, um sich wichtig zu machen.

verfasst am 24.02.2015, 11:06

Die ganze Diskussion um Frauenquoten zeigt, dass es herzlich egal ist, ob mehrheitlich Männer oder Frauen mit
bestimmten Anteilen in Aufsichts- oder Vorstandsgremien aktiv sind.

Entscheidend ist der Hausverstand, Gefühl für Menschen, eine bestimmte Fachexpertise und Engagement.

In Österreich sitzen leider immer noch zu viele Netzwerkhaberer in Kontrollgremien. Weil Männer traditionell
bedingt mehr netzwerken als Frauen und weil deren Netzwerke darauf abzielen, ihnen bekannte Persönlichkeiten
in entsprechende Positionen zu befördern. Bei Frauen ist das nicht so stark ausgeprägt.

verfasst am 24.02.2015, 09:30

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