06.11.2015, 13:19  von APA/schu

Erste Group zahlt wieder Dividende – Aktie hebt ab

Erste Group-CEO Andreas Treichl / Bild: (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Die Erste Group bleibt dank eines anhaltenden Aufschwungs in Osteuropa auf Wachstumskurs – und schlägt die Erwartungen der Analysten im dritten Quartal. Unterm Strich bleibt es für das Gesamtjahr 2015 aber wohl bei den alten Zahlen: Denn es gibt eine neue Last aus Kroatien zu verdauen.

Für normale Vorsorgen und Wertberichtigungen für Problemkredite muss die Erste Group 2015 weniger Geld zurücklegen als noch im Sommer erwartet. Die Kreditvorsorgen sollen jetzt bei 750 bis 950 Mio. Euro liegen und somit unter der bisherigen Vorschau (0,9 bis 1,1 Mrd. Euro). Unterm Strich bleibt es aber wohl bei den alten Zahlen: Denn es gibt eine neue Last aus Kroatien zu verdauen.

Die Banken in Kroatien müssen hohe Kosten für die politisch verlangte Zwangskonvertierung von Frankenkrediten tragen. Daraus erwachse der Ersten eine im "sonstigen Ergebnis" verbuchte Einmalbelastung von 144,9 Mio. Euro, schreibt die Bank am Freitag im Bericht zum dritten Quartal 2015.

Unverändert blieb damit die Indikation für das Betriebsergebnis 2015: Hier wird weiter ein Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Erreichen will der Vorstand auch eine Eigenkapitalverzinsung von etwa 10 Prozent.

Ausblick 2016 rosiger

Erstmals gab es eine Prognose für das kommende Geschäftsjahr 2016: Aufgrund eines weiterhin soliden Wirtschaftsausblicks für Zentral- und Osteuropa peile die Erste eine weitere Verbesserung der Profitabilität an und rechne mit einer Eigenkapitalverzinsung von 10 bis 11 Prozent.

Den Konzern-Nettogewinn meldete die Erste für die ersten neun Monate 2015 bei 764,2 Mio. Euro. In dem von drastischen Abwertungen im Osten geprägten Vorjahr hatte es um diese Zeit einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro gegeben.

Drittes Quartal besser als erwartet

Im dritten Quartal wurde dank einer anziehenden Kreditnachfrage und geringerer Vorsorgen für faule Kredite ein Nettogewinn von 276,9 Mio. Euro verbucht, wie die Bank am Freitag mitteilte. Im Vorjahr hatte das Institut noch wegen höherer Risikovorsorgen in Rumänien und Sonderkosten einen Verlust von 554,2 Mio. Euro ausgewiesen. Die Erste Group liegt damit über den Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Überschuss von 206 Mio. Euro gerechnet.

Im dritten Quartal schrumpften die Risikovorsorgen auf 144,4 (Vorjahr: 879) Mio. Euro. Die bei den Aufsehern viel beachtete harte Kernkapitalquote (Basel 3) lag bei 11,5 (10,8) Prozent.

40-50 Cent Dividende

Nach einem abschreibungsbedingten Verlustrekord waren 2014 die Aktionäre der Erste Group leer ausgegangen. Für 2015 wird es wieder eine Dividende geben. Erste-Chef Andreas Treichl hat am Freitag in einer Analystenkonferenz angekündigt, aus heutiger Sicht 40 bis 50 Cent je Aktie ausschütten zu wollen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktionäre bedient werden, habe zuletzt noch zugenommen, sagte der Erste-Chef. Für 2013 hatte die Erste Group 20 Cent Dividende gezahlt.

Der minderheitliche Einstieg des ungarischen Staates bei der Ungarn-Tochter der Erste Group verzögert sich indes weiter. Die Frage, ob es überhaupt dazu kommt, interessierte heute auch die Analysten. Die Bank macht einen Abschluss des Deals davon abhängig, dass eine Anlegeraffäre in Ungarn um einen insolventen Broker (Quaestor) bis Jahresende gütlich gelöst ist. Andernfalls werde es keinen Einstieg des ungarischen Staates in der Erste Bank Hungary geben.

Im Erste-Vorstand geht man bisher davon aus, dass eine Lösung gefunden werden kann. Ein Einstieg des ungarischen Staates in der Ungarntochter würde dann aber höchstwahrscheinlich nicht mehr in diesem Jahr vonstattengehen, sagte Treichl heute.

Keine Zukäufe in Österreich – Aktie zündet Turbo

Die Erste Group hat keine Zukäufe von Banken oder Bankteilen in Österreich vor. Sehr wohl aber rechnet sich die Erste Chancen aus, von zum Verkauf stehenden Banken Kunden und Bankmitarbeiter zu bekommen.

Die zuletzt heiß diskutierte Bankenkonsolidierung am österreichischen Markt hat am Freitag auch die internationalen Analysten bei der Quartalszahlen-Telefonkonferenz des Erste-Vorstands beschäftigt. Sowohl der amerikanische BAWAG-Eigentümer Cerberus als auch die italienische Bank-Austria-Konzernmutter UniCredit haben ihre österreichischen Bankassets bzw. Teile davon zum Verkauf gestellt oder denken darüber zumindest nach.

Der Erste-Vorstand deponierte heute, weder an einem Kauf der BAWAG noch an einem teilweisen Kauf der Bank Austria interessiert zu sein. Man sei aber in der ziemlich komfortablen Lage, Kunden und Mitarbeiter dieser Banken anzuziehen, sagte Erste-Chef Andreas Treichl in der Analystenkonferenz.

Nach APA-Informationen sollen die amerikanischen BAWAG-Eigner erst vor ein paar Monaten auch der österreichischen Ersten die BAWAG angeboten haben, demnach vergeblich. Dazu gibt es keinerlei Statements.

Die Erste-Aktie hat heute nach Bekanntgabe der Neunmonatszahlen bis Mittag um 6 Prozent zugelegt.

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Kommentare

1 Kommentare

cheffee67 meint

SoSo.....
"Sehr wohl aber rechnet sich die Erste Chancen aus, von zum Verkauf stehenden Banken Kunden und Bankmitarbeiter zu bekommen." ?!?=!???

So dilettantisch wie derzeit die Brokerjetauflösung von statten geht bzw. wie die Bank Kunden vertreibt... kann ich mir nicht vorstellen das Kunden zur Erste wechseln....
Als Erste Aktionär und bald ex-Brokerjet Kunde werde ich so schnell keinen Fuß in irgend eine Erste Filiale mehr setzten !!!
Weil Kunden habens offensichtlich eh zuviel.....

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