30.12.2015, 12:00  von Günter Fritz

Die Banken bleiben unter Druck

Die heimischen Banken müssen 2016 ihre Profitabilität steigern – der Weg nach oben ist aber hart und beschwerlich. / Bild: iStock

Auf Österreichs Banken kommen 2016 nicht nur neue finanzielle Vorgaben seitens der EU zu. Sie müssen auch strukturellen Probleme bereinigen und umfangreiche Sparpläne umsetzen.

WIEN. Für Österreichs Banken werden die Rahmenbedingungen 2016 nicht besser – im Gegenteil: Sie müssen neue Herausforderungen meistern, die auch finanziell anspruchsvoll sind und auf ihre Ertragskraft drücken. So schreibt die Finanzmarktaufsicht (FMA) zwölf Kreditinstituten ab 1. Jänner zusätzliche Eigenkapitalpuffer vor. Diese betragen bis zu zwei Prozent der risikogewichteten Aktiva und sind zusätzlich zum harten Kernkapitalerfordernis zu halten. Laut FMA soll so die Widerstandsfähigkeit der Banken gegenüber ihren spezifischen systemischen Risken – die sich aus der starken Verflechtung untereinander oder aufgrund gleichartiger Risikopositionen ergeben – erhöht werden.

Hohe Belastungen

Dabei sind die Belastungen für die Banken schon bisher enorm: Seit Jänner 2011 zahlen sie eine – etwa im Vergleich zu Deutschland sehr hohe – und daher auch heftig umstrittene Bankenabgabe. 2015 waren es 640 Millionen €. 2016 sollen sie nun für den EU-Bankenabwicklungsfonds und die europäische Einlagensicherung rund 390 Millionen € zahlen. „Der Abwicklungsmechanismus wird ,scharf geschaltet‘; daher sind die Beiträge zu bezahlen und auch für die Einlagensicherung müssen die einzelnen Sektoren dem neuen Fonds, der aufgebaut wird, Mittel zuführen“, sagt der Bankenspartengeschäftsführer in der WKÖ, Franz Rudorfer, der die Belastungen für die Branche so wie alle Institutschefs an der Grenze des Erträglichen sieht.
Zumindest bei der Bankensteuer könnte es 2016 eine Besserung geben: Denn nach jahrelangen ergebnislosen Verhandlungen hat Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) vor Kurzem eine Lösung angedeutet – vorausgesetzt, er kann den Koalitionspartner SPÖ überzeugen. Auch wenn die Profitabilität der Institute 2015 wieder leicht – zum Halbjahr um 0,6 Prozent – gestiegen ist, sie sind gezwungen, weiter an der Kostenschraube zu drehen. Nicht zuletzt auch wegen des anhaltenden Zinsentiefs, das auch für Sparer und Anleger nicht erfreulich ist.

Laut der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), die 2016 übrigens ihr 200-Jahr-Jubiläum feiert, wackelt mittelfristig ein Drittel der 75.000 Bankjobs in Österreich – also 25.000: Für OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny ein „nicht unrealistisches Szenario“. Somit steht auch bei den bundesweit rund 4200 Filialen ein Rückgang bevor. Eine Entwicklung, die für Spartengeschäftsführer Rudorfer aber auch mit „veränderten Kundenbedürfnissen hin zu verstärkten Onlinebanking“ zu tun hat.

Wie auch immer: Einen wesentlichen Beitrag dazu liefert die Bank Austria, deren Chef, Willibald Cernko, Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Staaten schon seit Jahren als overbanked bezeichnet. Weil das Privatkundengeschäft nicht profitabel ist, schrumpft die Bank Austria ihr Filialnetz von 190 Filialen auf 120. Die Sparvorgaben werden auf 300 Millionen € verdoppelt, kolportierte 1500 Jobs abgebaut. Zudem wechseln rund 3300 Mitarbeiter in das günstigere ASVG-Pensionssystem. Außerdem muss die Bank Austria ihr umfangreiches und profitables Osteuropageschäft an die Mailänder Konzernmutter Unicredit abtreten. Fraglich ist noch, wie viele der dabei beschäftigten Mitarbeiter in Österreich erhalten bleiben.

Fusionspläne

Auch Raiffeisen hat sich vorgenommen, bis Ende 2017 ein Viertel der Kosten zu reduzieren. Für die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Raiffeisen Bank International (RBI) wird über eine Fusion nachgedacht – sowohl mit ohne Einbeziehung einzelner Landesbanken. Das Filialsterben bei Raiffeisen findet vor allem in Osteuropa statt: In Ungarn und der Ukraine werden mehr als 100 Filialen geschlossen, in Russland 34. Ein etwaiger Rückzug aus Russland ist laut RBI-Boss Karl Sevelda aber kein Thema.
Der Volksbankensektor mit 38 lokalen Instituten wiederum wird total umgebaut. Geplant sind Filialschließungen, Personalabbau und eine kleinere Produktpalette, wobei die Details bis Weihnachten noch nicht fix waren. Laut dem Chef der neuen Zentralorganisation Volksbank Wien, Gerald Fleischmann, sollen aber „zwei Fusionen pro Monat das Ziel“ sein. Und bei der ÖVAG-Bad Bank Immigon wird ebenso wie bei der Hypo-Alpe-Adria-Abwicklungsgesellschaft Heta der Assetverkauf weiter fortgesetzt.
Offen ist indes, ob die Verkaufsgerüchte um die Bawag 2016 wieder neue Nahrung bekommen werden, oder ob der US-Hedgefonds Cerberus die ehemalige Gewerkschaftsbank weiter behalten wird.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

29.07.2016, 14:34

Kärntens Wirtschaftslage „ist dramatisch“

29.07.2016, 14:30

Partnerschaft: Axa lacht sich Alibaba an

29.07.2016, 14:24

Acht Kandidaten rittern um ORF-Chefposten

Kommentare

0 Kommentare

29.07.2016, 14:00

Garantiezusage: UBS mit Monte Paschi-Vorstoß wohl zu spät

Das krisengeschüttelte Bankhaus Monte dei Paschi di Siena steht laut einem Insidern kurz davor, Garantiezusagen von acht Banken für eine geplante Kapitalerhöhung zu erhalten.

29.07.2016, 13:53

ArcelorMittal ist für die Branche ein Hoffnungssschimmer

Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hat mit einer kräftigen Gewinnsteigerung für einen Hoffnungsschimmer in der krisengeschüttelten Schwerindustrie gesorgt. Management bestätigt Ausblick.

29.07.2016, 13:42

Libro-Pleite: Nach 14 Jahren magere Quote für Gläubiger

Das mehr als 14 Jahre andauernde Insolvenzverfahren in der Causa der Libro AG ist laut Kreditschutzverband AKV Europa nunmehr endgültig abschlussreif.

29.07.2016, 13:18

Insolvent am 29. Juli 2016

Täglich aktuell auf wirtschaftsblatt.at: Diese Insolvenzen hat der KSV1870 mit heutigem Datum registriert.

29.07.2016, 13:14

Lösung für "Alt-Wien"-Kindergärten in Sicht

Die Rettung der 33 von der Schließung bedrohten "Alt-Wien"-Kindergärten ist zum Greifen nahe. Noch fehlt die Unterschrift von Betreiberverantwortlichen Richard Wenzel

Umfrage

  • Warum gehen Väter seltener in Karenz als Frauen?
  • Karrierenachteile
  • Angst vor Imageverlust
  • Finanzielle Einbußen
  • Keinen Rückhalt vom Chef
  • Es gehen genug Männer in Karenz

Die Redaktion empfiehlt