02.02.2016, 08:56  von Günter Fritz

Telekom Austria: "Schwerer Schlag für den Börseplatz"

Bei der Telekom Austria muss das Management zahlreiche Aufräumarbeiten erledigen, um den Abwärtstrend der Aktie zu stoppen. / Bild: Reuters/Bader

Die vereinbarte Erhöhung des Streubesitzes bei der Telekom Austria wird zum Streitpunkt zwischen Mehrheitseigentümer America Movil, der Politik und Anlegerschützern.

Wien. Die Diskussion über die Zukunft der Telekom Austria (TA) spitzt sich immer mehr zu: Vor allem die Frage, ob Mehrheitseigentümer America Movil (AM) den Streubesitz-wie im Syndikatsvertrag mit der Republik vereinbart-bis Oktober 2016 tatsächlich auf 20 Prozent erhöht, erhitzt die Gemüter.

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Während die im Eigentum des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim stehende AM 59,70 Prozent und die Republik über die Öbib (Österreichische Bundes-und Industriebeteiligungen GmbH) 28,42 Prozent an der TA halten, spielt der Streubesitz kaum mehr eine Rolle.

Geringerer Handel

Er liegt aktuell nur noch bei 11,88 Prozent, was von Kapitalmarktexperten als kritisch bewertet wird. "Natürlich wäre ein höherer Streubesitz für die Wiener Börse gut",sagt etwa Raiffeisen-Centrobank-Analyst Bernd Maurer, der in den "vergangenen Jahren ein deutlich verringertes Handelsvolumen der Telekom-Austria-Aktie registriert" hat. Die Centrobank hat die TA aufgrund der zuletzt guten Quartalszahlen jedenfalls mit "Kaufen" bewertet; Maurer sieht das Papier als "spannend", u. a. weil nicht klar ist, ob es ein Abfindungsangebot an die Aktionäre geben wird. Auch sei offen, welche Strategie der AM-Konzern, der in Südamerika kaum höhere Minderheitsanteile bei seinen Töchtern hat, hierzulande verfolgen wird. Für Anlegervertreter Wilhelm Rasinger (siehe auch Seite 5) sind die Spekulationen, AM könnte die TA ganz von der Börse nehmen, "sehr ärgerlich" und das "Finale einer jahrelangen unrühmlichen Entwicklung". "Eine Ende des Streubesitzes wäre nicht nur ein schwerer Schlag für den Börseplatz Wien, sondern letztlich auch negativ für den Wirtschaftsstandort", sagt Rasinger, der der Meinung ist, "dass Verträge einzuhalten sind". Für ihn wäre es auch "eine Option, die Frist für die Erhöhung des Streubesitzes um zwei Jahre zu verlängern"-verbunden mit einer Gegenleistung, die der Telekom zugutekomme.

Verhandlungen mit dem Finanzminister?

Dass es bereits "ernsthafte Überlegungen und Verhandlungen mit dem Finanzminister" zu einer Streubesitzablösung gebe, wie Rasinger und andere Branchenkenner wissen wollen, wird hingegen im Finanzministerium nicht bestätigt. "Wir können aus aktienrechtlichen Gründen dazu nichts sagen", heißt es dazu aus dem Büro von Minister Hans Jörg Schelling. "In der derzeitigen Situation (auch in Hinblick auf die Turbulenzen bei der OMV, Anm.) wäre jeder Kommentar zum Schaden des Unternehmens."

Von Öbib-Chefin Martha Oberndorfer, die im Auftrag Schellings die wesentlichen Bundesbeteiligungen verwaltet, war urlaubsbedingt ebenfalls keine Stellungnahme zu erhalten. Gegenüber der "Presse" meinte sie vergangene Woche lediglich kryptisch, "wenn" ihr "der Syndikatsvertag die Möglichkeit gebe", werde sie die Erhöhung des Streubesitzes einfordern.

Starker Kursverfall

Dass sich America Movil offenbar heftig ziert, den Syndikatsvertrag in diesem Punkt einzuhalten, hat vor allem mit der Kursentwicklung zu tun. In der Zeit des seit 1. August 2015 amtierenden CEO Alejandro Plater-eines Vertrauten von Carlos Slim-hat sich der Abwärtstrend der Aktie fortgesetzt: Binnen sechs Monaten hat diese um rund 18 Prozent nachgegeben. Aktuell liegt der Kurs bei rund fünf €,der Ausgabekurs zum Börsenstart im November 2000 betrug neun €.Der Höchstwert lag im Februar 2007 bei 19,65 €.AM kaufte die TA-Anteile in mehreren Tranchen zu; bei einem Rückkauf zum aktuellem Kurs würde der Konzern ein großes Verlustgeschäft machen.

Die Causa ist inzwischen längst eine sehr politische geworden. Nicht nur Oppositionsabgeordnete wie die Grüne Gabriela Moser orten "ein Schlamassel" und kritisieren, dass "sich der Bund völlig in die Fänge von Ameriva Movil begeben" habe.

Keine Entscheidungsmatrix

SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder kritisiert zudem, dass die Öbib "bisher keine Entscheidungsmatrix zur Telekom vorgelegt" habe. Deren Aufgabe sei es eigentlich, die Telekom sowie die anderen Beteiligungen positiv weiterzuentwickeln. "Doch davon ist nichts zu bemerken. Ein möglicher Totalaustieg ist sicher kein Beispiel für eine positive Weiterentwicklung."

Ein solcher wird im Übrigen auch von der Belegschaftsvertretung abgelehnt: Der Bund müsse ein "klares Bekenntnis zur Telekom" abgeben und auch bei etwaigen Kapitalerhöhungen mitziehen, fordert TA-Betriebsratschef Walter Hotz. "Es darf keine Verkäufe oder eine Verwässerung der Anteile geben."

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