15.02.2016, 15:55  von Elmar Hillebrand/Reuters

Österreichs Konjunktur zittert sich nach oben

Noch bleiben die Konjunkturhoffnungen in Österreich sehr verhalten. / Bild: (c) APA/dpa

Während die deutsche Konjunktur dynamisch ins neue Jahr startet, bleibt der Optimismus hier zu Lande verhalten. Der Bank Austria Konjunkturindikator zeigt sich immerhin erfreut, dass es keinen Einbruch gab.

Wien/Berlin/Frankfurt. „Der Bank Austria Konjunkturindikator ist im Jänner leicht auf 0,1 Punkte gestiegen. Erstmals seit September steht damit wieder ein kleines Plus vor dem Wert. Damit zeigt sich, dass die jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die Sorgen um die internationale Konjunktur Österreichs Wirtschaft keinen Einbruch beschert haben, auch wenn sie noch nicht aus der Stagnation herausgekommen ist“, meint Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Hoffen auf Belebung

Nach der schwachen Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2015 zeichnet sich eine Aufhellung der Konjunktur in Österreich ab. „ Das Wirtschaftswachstum wird sich beleben. Mit der guten Stimmung in der Industrie sowie den spürbaren Impulsen durch die Steuerreform im Rücken wird die heimische Wirtschaft im ersten Quartal 2016 eine positive Entwicklung nehmen“, ist Bruckbauer zuversichtlich.

Die Zeichen seh ich wohl, ...

Die Ökonomen der Bank Austria rechnen für 2016 mit einem gegenüber 2015 stärkeren Wachstum der österreichischen Wirtschaft getragen von drei Faktoren: Die Steuerreform und der niedrig bleibende Ölpreis stärken die Inlandsnachfrage. Der unterbewertete Euro sorgt weiterhin für Vorteile für die Exportwirtschaft. Der Rückenwind durch die beiden letztgenannten Faktoren wird im Jahresverlauf jedoch allmählich etwas schwächer werden: So spricht die Verbesserung der europäischen Wirtschaft für eine leichte Stärkung des Euros gegenüber dem US-Dollar und auch der Ölpreis sollte in der zweiten Jahreshälfte aufgrund geänderten Angebots- bzw. Nachfrageverhältnissen zumindest etwas nach oben tendieren. „In der ersten Hälfte wird die österreichische Wirtschaft den Konjunkturhöhepunkt, also die stärkste Wachstumsphase des Jahres 2016, erreichen. Insgesamt erwarten wir für beide Jahre (2016 und 2017, Anm.) ein Wirtschaftswachstum von jeweils 1,5 Prozent“, so Bruckbauer. Damit wird das Wirtschaftswachstum in Österreich den Vorjahreswert von 0,9 Prozent übertreffen. „Der Wachstumsrückstand Österreichs gegenüber dem Euroraum und Deutschland wird 2016 und 2017 nach unserer Einschätzung – gestützt auf den Sondereffekt Steuerreform – verschwinden“, erwartet Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Europa: Keine Ansteckung durch Schwellenländer

Die Sorgen um die Konjunkturentwicklung in den Schwellenländern haben in den vergangenen Monaten zugenommen und Turbulenzen auf den Finanzmärkten ausgelöst. Neben externen Belastungen wie dem Beginn des Zinsanhebungszyklus in den USA durch die Fed und den niedrigen Rohstoffpreisen stehen einige Schwellenländer auch vor binnenwirtschaftlichen Herausforderungen bzw. strukturellen Schwächen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Umbau der chinesischen Wirtschaft zu einem langfristig nachhaltigeren Wachstumsmodell. Dieser ist zwar mit einem sich abschwächenden Wachstumstrend verbunden, der aber im Jahr 2016 mit einem Plus von über 6 Prozent nach wie vor sehr gute Aussichten bietet. Darüber hinaus werden einige Schwellenländer, wie z.B. Russland oder Brasilien im Jahresverlauf 2016 voraussichtlich aus der Rezession herausfinden. Und viele andere Schwellenländer, wie zum Beispiel Indien, sind von den erwähnten Risiken nicht betroffen und werden ihren Wachstumskurs noch dynamischer fortsetzen. „Den jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten zum Trotz zeigen die bisher verfügbaren realwirtschaftlichen Daten keine Ansteckung der Eurozone oder Österreichs durch die Probleme in den Schwellenländern an. Auch werden von den Schwellenländern weiterhin keine ernsthaften Belastungen für die Industrieländer ausgehen. Die Sorgen um die internationale Konjunktur sind unserer Ansicht nach übertrieben, zumal die Herausforderungen durch die niedrigen Rohstoffpreise im Jahresverlauf abnehmen werden und auch das Risiko einer zu aggressiven US-Geldpolitik niedrig ist“, fasst Pudschedl zusammen.

EZB-Politik auf dem Prüfstand

Angesichts der gestiegenen Risikoaversion an den Finanzmärkten und vor allem aufgrund des Verfalls des Ölpreises, der die Inflationsaussichten für den Euroraum weit unter den Zielwert drückt, ist mit einer nochmaligen Lockerung der Geldpolitik durch die EZB zu rechnen. Neben der Ankündigung einer weiteren Senkung des Einlagenzinssatzes im März um mindestens 10 Basispunkte ist auch eine Anpassungen des Anleihekaufprogramms möglich. Angesichts der niedrigen Inflation muss die EZB handeln. Ob sich eine erneute Senkung der Zinsen tiefer in den negativen Bereich aber tatsächlich dazu eignet, positive Konjunktureffekte zu erzeugen, ist fraglich. „Angesichts des Wettlaufs der Zinsen nach unten stellt sich die Frage, ob damit tatsächlich eine Abschwächung des Euros erreicht werden kann?“, so Bruckbauer und ergänzt: „ Es ist offen, ob die Kosten und die Verunsicherung durch negative Zinsen nicht inzwischen die positiven Effekte aufwiegen.“

Ungebrochener Optimismus im Norden

Die Deutsche Bundesbank sieht die deutsche Wirtschaft trotz schwacher Weltkonjunktur und der jüngsten Börsenturbulenzen im Aufwind. Dank des billigen Rohöls könne sie im ersten Quartal "etwas kräftiger" wachsen als Ende 2015, schrieb die deutsche Zentralbank am Montag in ihrem Monatsbericht für Februar. Von Oktober bis Dezember war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent zum Vorquartal gestiegen. "Vermehrter Schwung dürfte von der Konsumkonjunktur kommen, die weiterhin von der guten Arbeitsmarktlage profitiert", so die Bundesbank. "Zusätzliche Impulse sind vor allem von erheblichen Kaufkraftgewinnen der privaten Haushalte aufgrund des neuerlichen Rohöl-Preisverfalls um die Jahreswende 2015/2016 zu erwarten."

Deutschland setzt weiter auf Exporte

Ein besseres Ergebnis zum Jahresende verhinderten sinkende Exporte. Hier bleiben die Aussichten auch verhalten. "Die Exportgeschäfte der deutschen Industrie dürften zwar davon profitieren, dass sich die Konjunkturerholung in wichtigen Industrieländern fortsetzt", erklärte die Bundesbank. "Verschlechtert haben sich allerdings die Aussichten für Exporte in Schwellenländer."

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