26.02.2016, 07:00  von Günter Fritz

EIB macht hunderte Millionen Euro für KMU locker

Geld für KMU gibt es auch bei der Europäischen Investitionsbank. / Bild: (c) dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Die Europäische Investitionsbank steckt verstärkt Geld in riskantere Projekte. Im Vorjahr wurden rund zwei Milliarden € in Österreich ausbezahlt, 445 Millionen davon an KMU.

Wien. Für Österreichs Unternehmen könnte heuer bei Finanzierungen der Europäischen Investitionsbank (EIB) mehr zu holen sein als im Vorjahr. 2015 wurden Darlehen für Projekte im Volumen von 1,8 Milliarden € unterzeichnet und 2,05 Milliarden € ausbezahlt. Das Finanzierungsvolumen wird sich 2016 zwar auf einem ähnlichen Niveau bewegen, allerdings „geht die EIB deutlich mehr ins Risiko“, wie EIB-Vizepräsident Ambroise Fayolle und Österreich-Chef Martin Brunkhorst gestern in Wien angekündigt haben: „Bisher waren nur vier bis fünf Milliarden € unserer gesamten Mittel für risikoreiche Projekte vorgesehen, ab heuer werden es 20 Milliarden € pro Jahr sein.“

Insgesamt hat die EIB im Vorjahr 77,5 Milliarden € an Krediten vergeben, ihre Tochter für Klein- und Mittelbetriebe, EIF (Europäischer Investitionsfonds), zusätzlich sieben Milliarden €. Die verstärkte Finanzierung von risikoreicheren Vorhaben soll dazu beitragen, den Juncker-Fonds EFSI (European Fund for Strategic Investments) in Schwung zu bringen, um die europäische Konjunktur anzukurbeln. Das Ziel ist, dadurch Investitionen von 315 Milliarden € auszulösen. Bislang ist das mit 50 Milliarden € erst zu 16 Prozent erreicht.

Flexible Rückzahlung

„Wenn wir mehr ins Risiko gehen, ergibt das auch neue Chancen für innovative Unternehmen beziehungsweise solche, die sich stark in Forschung und Entwicklung oder im Bereich erneuerbare Energien engagieren“, sagt Brunkhorst. Ein Beispiel sei etwa die Finanzierung eines Forschungsprogramms für Medikamente, bei der die Rückzahlungsraten flexibel an den Erfolg des Medikaments geknüpft seien.

Von dem Geld, das die EIB im Vorjahr für Projekte in Österreich vergab, gingen 600 Millionen € an die ÖBB für die Modernisierung der Strecke zwischen Wien und Graz. 180 Millionen € erhält die Asfinag für die Verbesserung der Tunnelsicherheit am Arlberg, 150 Millionen € die EBS für die Wiener Hauptkläranlage – alles unter der Prämisse strategische Infrastruktur.

Ebenfalls 150 Millionen € bekommt die Tiwag für ein Wasserkraftwerk am oberen Inn, die Kelag 100 Millionen € für Investitionen in Wind-, Wärme- und Wasserkraft sowie Netzausbau. 50 Millionen € fließen für die Entwicklung einer innovativen Gleispflegemaschine der Firma Swietelsky. Der Seilbahnhersteller Doppelmayer wiederum erhält 25 Millionen € für ein Projekt zu weiteren Einsatzmöglichkeiten in Städten und der Verbesserung der Energieeffizienz.

445 Millionen € für KMU

445 Millionen € hatte die EIB für Investitionen von KMU und Midcap-Unternehmen vorgesehen. Dieses Geld fließt über österreichische Banken – im Vorjahr RBI, Raiffeisen Landesbank Tirol, Unicredit und Bawag –, die damit Kredite von im Schnitt 100.000 € vergeben. Damit die Mittel auch die Unternehmen erreichen, müssen die Banken bestimmte Berichtspflichten einhalten, die ihren Kreditnehmern den Zinsvorteil, den die EIB als besonders gute Gläubigerin hat, weitergeben. Normalerweise ergibt sich daraus ein Zinsvorteil von 0,2 bis 0,5 Prozent für die Kunden.

Finanzierungen, die direkt über die EIB laufen – wie etwa Infrastrukturbauten, aber auch Projekte von Großunternehmen ab 500 Mitarbeitern –, haben in der Regel zumindest ein Volumen von 15 bis 20 Millionen €. „Die absolute Untergrenze liegt derzeit bei 7,5 Millionen €“, womit sich auch kleinere, kreditwürdige Unternehmen direkt an die EIB wenden könnten, sagt Brunkhorst: „Vorausgesetzt, das Projekt ist innovativ, hat Hand und Fuß, passt in unser Konzept und der Businessplan stimmt.“

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