26.02.2016, 08:10  von APA/schu

Für Aktionäre der Erste Group gibt es wieder Dividenden

Erste-Group-Chef Andreas Treichl / Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Nach einem abschreibungsbedingten Verlustrekord 2014 waren die Aktionäre der Erste Group damals leer ausgegangen. Für 2015 gibt es nun wieder eine Dividende. Und auch für 2016 ist der Vorstand zuversichtlich.

Bei der Erste Group ist im vergangenen Jahr ein Milliardengewinn in Sichtweite gerückt. Die Aktionäre sollen nach einer Durststrecke im Jahr zuvor nun auch wieder eine Dividende in Höhe von 50 Cent je Aktie erhalten, wie das Institut am Freitag mitteilte. Die Gewinnausschüttung liegt damit am oberen Ende der zuvor in Aussicht gestellten Bandbreite von 40 bis 50 Cent. Zuletzt hatte die Erste Group für 2013 eine Dividende in der Höhe von 20 Cent je Aktie gezahlt. Auch für 2016 gibt sich die Bank optimistisch für weitere Ausschüttungen. An der Börse kamen die Nachrichten gut an: Die Aktie stieg im frühen Handel um drei Prozent.

Dank eines soliden Kreditwachstums sowohl im Firmen- als auch im Privatkundengeschäft und niedrigerer Risikokosten kletterte der Nettogewinn 2015 auf 968,2 Millionen Euro. Im Jahr davor häufte die Bank wegen hoher Risikovorsorgen in Rumänien und Sonderkosten einen Rekordverlust von 1,4 Milliarden Euro an. Im Schlussquartal kletterte der Gewinn um mehr als das Vierfache auf 204,0 (42,0) Millionen Euro. Die Erste Group liegt damit über den Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn von 172 Millionen Euro gerechnet.

"Unser Ergebnis zeigt, dass wir zu einer kleinen Gruppe von Banken gehören, die trotz eines sehr herausfordernden Umfelds ihre Kapitalkosten verdienen", sagte Erste-Group-Chef Andreas Treichl. Dank der Gewinne polsterte das Spitzeninstitut des Sparkassen-Sektors auch seine Kapitaldecke auf. Die bei den Aufsehern viel beachtete harte Kernkapitalquote (CET 1, Basel 3) stieg auf 12,3 (10,6) Prozent. Die Quote liege damit klar über der Mindesterfordernis von 9,75 Prozent.

Die Erste Group ist der drittgrößte Kreditgeber in Osteuropa. Der Bank kommt zugute, dass die Wirtschaft in den Kernmärkten in Mittel- und Osteuropa anzieht. 

Lasten in Kroatien/Rumänien

Die "normalen" Problemkreditvorsorgen und Wertberichtigungen sind bei der börsennotierten österreichischen Erste Group 2015 spürbar gesunken. Auch weil nach den vorangegangenen außerordentlichen Abschreibungen von 2014 wieder Geld hereinkam. Extra zu verdauen hatte die Bank 2015 aber Sonderlasten im Kreditgeschäft in Kroatien und in Rumänien.

So musste die Erste für den Zwangsumtausch von Frankenkrediten in Kroatien viel Geld zur Seite legen, was im abgelaufenen Jahr rund 129,5 Mio. Euro gekostet hat und der dortigen Tochter einen Verlust einbrachte. Nach Konsumentenschutzklagen in Rumänien - wo gerade um Zinsberechnungen gestritten wird - mussten 101,6 Mio. Euro eingestellt werden.

Der Stand an faulen Krediten lag 2015 auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2010. Der Anteil der notleidenden Kredite an allen Kundenkrediten (Non-performing-loan-Quote/NPL) sank auf 7,1 Prozent (Vorjahr: 8,5 Prozent), berichtete die Bank am Freitag zur Vorlage der vorläufigen Ergebnisse 2015. Die Kreditrisikovorsorgen lagen für das Geschäftsjahr per Saldo bei 666,5 Mio. Euro, nach mehr als 2 Mrd. Euro im Jahr davor.

Das anhaltende Tiefzinsumfeld hat den Zinsüberschuss als wichtigsten Ergebnisbringer von 4,495 auf 4,445 Mrd. Euro gedrückt. Der Provisionsüberschuss sank leicht, ebenso das Handelsergebnis. Die Verwaltung (Betriebsaufwand) hat indes etwas mehr gekostet. Damit sank das Betriebsergebnis um 6,1 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro.

Die Bilanzsumme stieg - vor allem nach Zuwächsen im Kundenkreditgeschäft - auf 199,7 (196,3) Mrd. Euro. Auch die Kundeneinlagen legten zu.

In Osteuropa hat die lange Jahre Verluste schreibende Bank in Rumänien nach Erste-Angaben den Turnaround geschafft. Im Teilkonzern Banca Comerciala Romana/BCR gab es nach einem Vorjahresverlust von 554,7 Mio. Euro im Jahr 2015 einen Nettogewinn von 178,7 Mio. Euro. In Rumänien hatte die Bank in den letzten zwei Jahren den Abbau fauler Kredite beschleunigt, was auch hohe Abschreibungen bedingt hatte. 2015 gab es von dort hohe Eingänge abgeschriebener Forderungen.

Die Ungarn-Tochter der Ersten hat den Jahresverlust von 330,6 Millionen auf 72,6 Mio. Euro deutlich zurückgefahren. Dort waren im Jahr davor hohe Kreditkosten angefallen. In Kroatien belief sich der Verlust auf 45,5 Mio. Euro.

In der kleinen Serbien-Bank hat der Vorjahresverlust in einen Gewinn gedreht. Gewinnsteigerungen gab es in der Slowakei (Slovenska Sporitelna), wo das Nettoergebnis um 3,2 Prozent auf 184,4 Mio. Euro angestiegen ist. Die große tschechische Tochter (Ceska Sporitelna) lieferte für die Erste Bilanz mit 490,6 Mio. Euro etwas weniger Profit als im Jahr davor (506 Mio. Euro). Im Österreich-Geschäft gab es höhere Gewinne. Die Erste Bank Österreich samt Töchtern legte beim Nettoergebnis um 7,3 Prozent auf 230 Mio. Euro zu.

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