28.02.2016, 11:43

Telekom Austria: "Ein Delisting würde dem Unternehmen gut tun"

Scharfe Kritik von Investor Ronny Pecik an der Weiner Börse und EX-TA-Chef Hannes Ametsreiter. / Bild: (c) APA/GEORG HOCHMUTH

Auch CEO Alejandro Plater schlug bereits in diese Kerbe und Telekom-Austria-Aufsichtsrat Ronny Pecik legt nach: Wiener Börse würde nach dem Zusperren "niemandem abgehen".

Wien. Telekom-Austria-Aufsichtsrat Ronny Pecik spricht sich für einen Abgang des teilstaatlichen Konzerns von der Wiener Börse aus. "Ein Delisting würde dem Unternehmen gut tun, weil es sehr viele Dinge vereinfacht, vieles erspart, den Verwaltungsaufwand reduziert", sagte er dem "profil". Der Wiener Finanzmarkt habe seinen früheren Stellenwert ohnehin verloren. "Seit sechs, sieben Jahren wird der österreichische Kapitalmarkt vollkommen vernachlässigt. So wie die Wiener Börse heute gesehen und behandelt wird, könnte man sie gleich ganz zusperren. Die würde niemandem abgehen."

Telekom-Hauptaktionär America Movil hält derzeit rund 60 Prozent, hat sich gegenüber der Republik Österreich aber 2014 vertraglich verpflichtet, bis September diesen Jahres auf 51 Prozent zurückzugehen. Pecik dazu: "Ja, es gibt diese Klausel. Deren Sinnhaftigkeit muss nun auf Ebene der Vertragspartner diskutiert werden."

Scharfe Kritik übt Investor Pecik, der sich 2010/11 in die Telekom eingekauft und 2012 America Movil nach Österreich geholt hatte, an der Führung des Unternehmens durch die früheren Vorstände Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden. "Ohne America Movil wäre die Telekom heute womöglich gar nicht mehr da. Als ich eingestiegen bin, war das Unternehmen massiv überschuldet und hatte kein Geld mehr in der Kassa. Es war erschreckend." Bis dahin seien "extrem hohe Dividenden" ausbezahlt, Probleme im Auslandsgeschäft verdeckt und "viel zu hohe Werbebudgets" geführt worden. "Manche Dinge wurden besser dargestellt, als sie waren", so Pecik in dem Interview.

Pecik verteidigt Plater

Den jetzigen Telekom-Austria-Chef Alejandro Plater, der kaum Deutsch spricht und bei der jüngsten Weihnachtsfeier durch einen sexististischen Witz aufgefallen ist, verteidigt Pecik. "Ja, es gibt vereinzelt Kommunikationsprobleme und neben sprachlichen auch kulturelle Defizite. Ich hoffe, dass der Witz ein einmaliger Ausrutscher war und Herr Plater mittlerweile weiß, dass man sich bei Weihnachtsfeiern bei den Mitarbeitern für die Leistungen des Jahres bedankt." Daneben lerne Plater jeden Tag Deutsch. Der Argentinier sei "ein guter Mann. Er kümmert sich um viele kleine Details und schaut auf die Kosten. Und das ist etwas, das der Firma unter Ametsreiter gefehlt hat."

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