01.03.2016, 10:25  von apa

OMV: Gazprom ein "Partner für dick und dünn"

OMV-CEO Rainer Seele hält an Plänen zur Gazprom-Verschränkung fest. / Bild: (c) APA/HERBERT PFARRHOFER

OMV-Chef Rainer Seele hat bei einem "NZZ.at-Clubabend" das geplante Engagement in Russland mit einem gegenseitigen Abtausch von Beteiligungen mit Gazprom verteidigt.

Wien. In die Karten schauen, um welche Assets es beim möglichen Abtausch mit Gazprom dabei gehen könnte, ließ sich OMV-CEO Rainer Seele nicht.

Bei ihrem Engagement in Russland wolle die OMV nur 5 bis 7 Prozent ihres Kapitals einsetzen, "ich brauche für 25 Prozent zusätzliche Produktion also nur wenig Geld", sagte Seele am Montagabend - der Rest soll ja in andere Upstream-Aktivitäten fließen, um das Produktionsniveau von 300.000 Barrrel Öl-Äquivalent pro Tag zu halten; kämen Libyen und Jemen wieder als sichere Förderländer "zurück", könnte die Produktion um ein Zehntel auf 330.000 boe/d wachsen. Mit dem geplanten Asset-Tausch mit Gazprom und dem damit verbundenen Einstieg in die Produktion im kostengünstigen Urengoy-Öl- und Gas-Feld soll Russland bis 2020 zu einer weiteren Kernregion werden. Laut bisherigen Daten könnte die OMV auf zusätzliche Reserven von 600 Mio. Barrel Öl-Äquivalent kommen. Bei Urengoy gehe es um die drittgrößte Lagerstätte im Land, die OMV bekäme "eine große neue Reserveposition" - das Fünffache der OMV-Produktion 2015. Angeboten hat die Gazprom der OMV dort einen Anteil von 24,98 Prozent, also 25 Prozent minus eine Aktie.

Keine direkte Beteiligung an der OMV

Ob beim geplanten Asset-Tausch österreichische Downstream-Aktivitäten gegen russisches Upstream getauscht würden - in solchen Fangfragen aus dem Publikum verhedderte sich der OMV-Chef nicht: "Das muss ich so wegschieben." Dezidiert ausgeschlossen hatte der Konzern bisher, dass es dabei eine direkte Beteiligung von Gazprom an der OMV geben könnte oder dass Anteile an der Gas Connect Austria oder dem Gasknoten Baumgarten in Frage kommen könnten - für die Raffinerien Schwechat und Burghausen am Inn wurde das so nie gesagt. Aber: "Können wir den Asset-Tausch mit Gazprom einlochen, dann haben wir eine Wachstumsstory." Denn dann könnten 2020 zusätzlich 30.000 boe/d aus Russland kommen, später nochmals 40.000 boe/d. Zerreden lasse wolle man sich das Thema nicht - auch könne man die Verhandlungen nicht öffentlich führen. "Erst wenn es ausverhandelt ist, ist der Zeitpunkt, darüber zu sprechen", so Seele: "Wir gackern erst wenn das Ei schon gelegt ist - und gackern nicht und dann kommt das Ei vielleicht nicht."

Die 100-Prozent-Tochter Gas Connect Austria, Betreiber von Gaspipelines, soll zu bis zu 49 Prozent an einen Finanzinvestor veräußert werden, und zwar an den, der am meisten bietet. "Ich geb' zu: Ich brauch Geld", sagte Seele am Montagabend. Durch die geplante Investition der OMV in die Nord-Stream-II-Gasleitung - die endgültige Entscheidung steht noch aus - würde der bei der OMV verbleibende Gas-Connect-Mehrheitsanteil "noch wertvoller werden". Den Gasgroßhandel über die Tochter EconGas wolle die OMV nach einem Ja der Kartellbehörden zum Zukauf der Minderheitsanteile auf Wachstumskurs setzen. Schon jetzt gehe EconGas auf Kundensuche für Gasmengen, die man ab 2018 aus dem in Norwegen mit Statoil betriebenen Gasfeld Aasta Hansteen erwarte. Damit distanzierte sich Seele auch von früheren Aktivitäten, etwa einen NLG-Terminal in Rotterdam hinzustellen und Kapazitäten in Pipelines zu buchen, was wie berichtet 2015 allein zu 300 Mio. Euro Impairments führte, "weil uns der Absatz gefehlt hat". Insbesondere im Nachbarland wolle die OMV den Gas-Marktanteil steigern - denn am Weg zum Gasknoten Baumgarten, der künftigen Gashauptstadt, zu der auch Nord-Stream-II-Mengen gelangen sollen, verkaufe man den einen oder anderen Kubikmeter nach Deutschland.

Alle in Russland geplanten Aktivitäten stünden im Einklang mit den Sanktionen des Westens gegenüber dem Land. Diese könnten im Sommer, bei der nächsten Debatte darüber, abgemildert werden, hofft Seele. Als Präsident der deutsch-russischen Außenhandelskammer sehe er eine lange Schlange an Unternehmen aus Europa, "die sehr leiden", weil 30 bis 40 Prozent des Handelsvolumens verloren gegangen seien.

"Putin ist alles andere als das"

Die geplante Vertiefung der Geschäftsbeziehung mit der russischen Gazprom verteidigte der OMV-Chef: "Ich brauche einen verlässlichen Partner, mit dem ich durch dick und dünn gehen kann." In den 48 Jahren der Partnerschaft von OMV und Gazprom habe es keinen Grund zu einer Beschwerde gegeben, "die Geschäftsbeziehung war immer stabil. Auf diese 48 Jahre Erfahrung kann ich aufsetzen."

Mit Russlands Präsident Wladimir Putin verhandle er nicht; er glaube auch nicht, dass dieser ein lupenreiner Demokrat sei, "Putin ist alles andere als das", sagte Seele auf eine Anspielung aus dem Publikum auf einen früheren Ausspruch des deutschen Ex-Kanzlers Gerhard Schröder, der sich 2004 "davon überzeugt" gezeigt hatte, "dass er das ist". Schröder sitzt als Gazprom-Vertreter im Nord-Stream-II-Aufsichtsrat und ist Vorsitzender im achtköpfigen Aktionärsausschuss.

Zu möglichen Personaleinsparungen, um Kosten zu senken, habe die OMV mit zuletzt über 24.000 Mitarbeitern sich "alternative Ideen überlegt", sagte Seele. Zum Beispiel wolle man mithilfe des Asset-Tauschs mit Grazprom die Produktionskosten um 400 Mio. Euro senken - "wie viele Leute ich dafür abbauen müsste". Es gebe das klare Commitment, das Investitionsniveau auf heuer nur noch 2,4 Mrd. Euro zurückzuführen, nach noch über 5 Mrd. Euro 2013. Voriges Jahr habe man das Kostensenkungsziel teils sogar übererfüllt.

Das noch unter Vorgänger Gerhard Roiss geschnürte "Fit for Fifty"-Sparprogramm sei für einen Ölpreis von 50 Dollar gedacht gewesen, letztlich sei er bei 52 Dollar gewesen im Jahresschnitt, "was für eine tolle Abschätzung der OMV", so Seele halb ironisch. Weiter nachjustieren müsse man hier nicht, denn für 2016 stehe man bei 40 Dollar Ölpreisziel, momentan koste Öl 36 Dollar. Freilich habe sich die Langfrist-Prognose-Kurve spürbar reduziert auf momentan 65, 70, 75 Dollar gegenüber noch 105 Dollar im Herbst 2015.

Borealis-Anteil wichtiger interner „Hedge“

Mit dem Großaktionär IPIC aus Abu Dhabi (VAE) gemeinsam möchte Seele "mehr tun", von jeweils vier Dollar, die man dort verdienen könne, würde ein Dollar wieder nach Abu Dhabi als Dividende fließen. Gerade jetzt sollte man die Aktionäre der OMV nicht "auseinanderdividieren", meinte der Konzernchef zu diesbezüglichen kritischen Stimmen. Er hoffe, das die heuer anstehende Verlängerung des Syndikatsvertrags klappe - die Republik hält über die Staatsholding ÖBIB 31,5 Prozent an der OMV, die IPIC 24,9 Prozent. Die Aktivitäten mit IPIC, etwa der gemeinsam getragene Petrochemie-Riese Borealis, stellten für die OMV einen wichtigen internen "hedge" im Portfolio dar, betonte Seele: "Gerade der Beitrag der Borealis ist sehr sehr wichtig in Zeiten niedriger Ölpreise."

Zum Iran versichert der OMV-Chef, er werde "alles tun, dass diese Opportunität nicht an uns vorbeigeht". Man kenne sich in dem Land aus, sei dort mehr als ein Jahrzehnt vertreten, wisse, über welche Felder man sprechen müsse - "eines haben wir selbst entdeckt" -, und auf diese Erfahrung könne man aufsetzen. Im übrigen werde "dort österreichischen Firmen viel Sympathie entgegengebracht".

Langfristplanung im Schwarzen Meer

Am Schwarzen Meer ist die OMV laut Seele "in einer fortgeschrittenen Phase" bei der Erkundung der genauen Größe des Offshore-Gasfelds "Neptun" - nämlich der Prüfung, ob genügend Erdgas vorhanden sei für eine wirtschaftliche Entwicklung. Diese Prüfung dauere aber noch einige Zeit. In die "Bücher" der OMV könnte Gas von dort "erst nach 2020 kommen".

Der Verkauf der türkischen OMV-Tochter Petrol Ofisi wird erst 2017 abgeschlossen werden können, erwartet Seele. Das oberste Kriterium, "wer legt das meiste Geld auf den Tisch", gelte wie bei der Gas Connect Austria auch für die Petrol Ofisi.

Dass die Welt von einem Tag auf den anderen von Fossilenergien wegkommt, glaubt Seele nicht. Der Fossilenergieanteil werde sinken, aber alle Experten würden vorhersagen, dass die Primärenergie-Versorgung auch 2050 durch Fossile getragen werde. Wegen des tiefen Preises sei voriges Jahr der Ölverbrauch weltweit sogar um 1,3 Mio. Barrel (je 159 Liter) gestiegen. Insbesondere in der Petrochemie und der Mobilität werde Öl noch länger benötigt - wie lange, das werde der Verbraucher entscheiden. Zweifellos hätten die drei fossilen Energieträger Kohle, Öl und Gas eine unterschiedliche ökologische Qualität. Es wäre zu hoffen, dass zur Stromerzeugung Erdgas statt Kohle verwendet würde, so Seele. Leider habe die "Energiewende" die Gaskraftwerke aus dem Strommarkt hinausgeworfen.

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