09.03.2016, 21:25  von Kamil Kowalcze

Verbund profitiert vom Marktversagen

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber / Bild: WB/ Elke Mayr

Der Stromkonzern Verbund macht trotz des schlechten Umfelds Gewinne – und vermarktet nun „Flexibilitäten“.

Wien. Die Situation auf den Strommärkten bleibt angespannt. Bestellt ein Kunde an der Börse von einem Energieversorger eine Megawattstunde zur Lieferung im April, muss er dafür aktuell 24 € zahlen. Vor drei Jahren war der Preis noch doppelt so hoch.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Bilanzen der Stromunternehmen wider. Doch während deutsche Versorger wie Eon oder RWE Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen müssen, schreibt Österreichs größter Stromkonzern nach wie vor schwarze Zahlen.

Bei der gestrigen Verbund-Bilanzkonferenz für das Geschäftsjahr 2015 präsentierte das Management ein Konzernergebnis von 207,7 Millionen €. Das entspricht einer Steigerung von rund 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei einem Umsatz von rund 2,97 Milliarden € stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um 9,9 Prozent auf 888,7 Millionen €.

Die Perversion des Marktes

Das in Anbetracht des Umfelds erfreuliche, aber von Analysten erwartete Ergebnis ist laut Verbund-Finanzvorstand Peter Kollmann unter anderem auf folgende Faktoren zurückzuführen:

-) Sparmaßnahmen: Mit 177 Millionen € konnte der Konzern seit 2013 um 47 Millionen € mehr einsparen als ursprünglich geplant.

-) Investitionen: Im Vergleich zu 2013 investierte der Verbund mit 269 Millionen € um die Hälfte weniger.

-) Rückstellungen: Ein Rechtsverfahren der Stromnetz-Tochtergesellschaft APG wurde bereinigt, Rückstellungen in der Höhe von 40 Millionen € wurden aufgelöst.

Doch den wichtigsten Beitrag zum Ergebnis lieferte die „Perversion des Marktes“, wie es Verbund-Vorstandschef Wolfgang Anzengruber formulierte. 148 Millionen € konnte der Konzern durch Maßnahmen lukrieren, die dazu dienen, das Stromsystem im Gleichgewicht zu halten. Die für Laien schwer verständlichen Ausdrücke, wie Regelenergie, Engpassmanagement, Kapazitäts- oder Kaltreserve, haben es ins Produktportfolio des Verbund geschafft und firmieren unter „Vermarktung von Flexibilität“.

Diese Einnahmen stammen zum Beispiel aus der sogenannten Sommerreserve. Hier hat sich der Netzbetreiber APG Kraftwerkskapazitäten von der Energie AG und Verbund gesichert, um die Stabilität des Systems sicherzustellen.

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