10.03.2016, 15:59  von APA/schu

Nach EZB-Entscheid: Banken könnten an der Gebührenschraube drehen

Weniger als null gehe nicht, bekräftigte auch die Erste Bank. / Bild: FOLTIN Jindrich / WB

Für die Banken kam der Schritt der EZB - Leitzins auf Null, nochmals mehr Strafzins, wenn sie Geld bei der Zentralbank bunkern - nicht überraschend. Schon im Vorfeld hatten führende Banker eindringlich vor einem "gefährlichen Experiment" gewarnt.

Ihre Sparer wollen die heimischen Banken nicht zur Kassa bitten, verlautete nach einem Rundruf in Wien. Zumindest nicht über Negativzinsen auf Einlagen. Auch wenn das Zinsgeschäft weiter einbricht.

In Österreichs größter Bank, der UniCredit Bank Austria, hieß es, "die Weitergabe von Negativzinsen auf der Einlagenseite an Kunden schließen wir aus." Auf der Einlagenseite werde es "unmittelbar keine Veränderung" der Verzinsung von Spareinlagen bzw. von Guthaben geben. Und auch auf der Kreditseite gebe es wegen der schon jetzt historisch niedrigen Zinssätze "kaum mehr Spielraum nach unten".

Strafzinsen fürs Sparen schließt auch Raiffeisen Niederösterreich-Wien aus, auch für hohe Guthaben. "Eine Spareinlage hat bei uns einen Wert", so eine Sprecherin. Das Geld, das die Bank ausleihe, stamme ja von den Sparern. Es wäre "absurd, wenn jemand, der Geld geliehen bekommt, auch noch Einkünfte darauf hat".

Weniger als null gehe nicht, bekräftigte auch die Erste Bank. Hier sind Kreditzinsen wie bei anderen Banken mit einem Zinsaufschlag (Marge) nach unten begrenzt.

Was der neue Zinsentscheid der EZB für die weitere Produktpolitik in der Kreditwirtschaft weiter heißt, ist bisher nicht bekannt. Fest steht, dass zum Beispiel der Zinssatz beim einmonatigen Retail-Internetsparprodukt auf "Bundesschatz.at" (Bundesfinanzierungsagentur) schon lang auf null steht. Ab 3 Monaten Bindungsfrist gab es hier auch in den letzten Monaten nur mehr 0,05 Prozent.

Wifo-Experte: Kostenorientierte Gebührenpolitik

Die von der EZB beschlossene neuerliche Zinssenkung wird nach Ansicht des Wifo-Bankenexperten Franz Hahn die Banken nicht dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben. "Die Banken verdienen ja an der Fristentransformation", sagte Hahn am Donnerstag zur APA. Aber "wenn sie kurzfristig null Prozent kriegen und langfristig auch null Prozent, dann bringt ihnen das nichts".

"An diesen flachen Zinsstrukturkurven können nur jene Banken Nettozinserträge erzielen, die sehr schlanke Kostenstrukturen haben", sagte Hahn. Dass die Banken ihren Kunden für Einlagen Negativzinsen verrechnen werden, "würde ich fast ausschließen", so der Wifo-Experte, "weil dann nimmt jeder sein Packl Geld und versteckt es in der Truhe".

"Die Banken werden aber ihre Gebührenpolitik viel kostenorientierter betreiben müssen, also alle Dienstleistungen, die sie anbieten, als Kostenposition kalkulieren." So könnten sie künftig auch Bankomatgebühren verlangen. Jedenfalls müssten die Banken weiter rationalisieren: "Personalaufwand ist das zentrale Problem, Filialschließungen längst überfällig."

Nach Einschätzung von Hahn zielt die EZB mit der Zinssetzung vor allem auf einen Wechselkurs-Effekt. "Das Runterdrücken des Zinssatzes auf null bringt ein wenig Zinsdifferenzial zur US-Geldpolitik". Durch eine deutliche Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar und anderen führenden Währungen könnte es möglicherweise zu einer deutlichen Exportsteigung kommen, wodurch sich die Produktion beschleunigen und die Unternehmen mehr Planungssicherheit bekommen könnten.

Dabei hoffe die EZB wohl auch auf eine importierte Inflation, weil sich durch einen schwächeren Euro die Importe verteuern würden. "Man hofft, dass man sich über den Außenhandel einen positiven Schock in die Eurozone holt, der möglicherweise stimulierend wirkt, und dass über diesen Kanal wieder die Kreditnachfrage steigt."

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