14.03.2016, 06:50  von Wolfgang Drucker

Auf der CeBIT geht es um die Digitalisierung der Industrie

Große Datenmengen, Internet der Dinge und neue digitale Geschäftsmodelle sind Themen der heurigen CeBIT. / Bild: apa

Die CeBIT hat eine Wandlung hinter sich: Als B2B-Treff hat die Messe an Qualität gewonnen. Verträge werden hier aber kaum noch abgeschlossen, es geht um neue Kontakte.

Wien. „Die zweite Halbzeit der Digitalisierung gehört uns“, sagt Reinhard Clemens, Vorstand der deutschen Telekom und CEO bei T-Systems. Wenn heute in Hannover mit der CeBIT eine der weltgrößten IT-Messen die Tore öffnet, ist eines in der Branche klar: Die digitale Transformation ist da. „D!conomy“, eine Kombination aus Digitalisierung und Wirtschaft, ist daher das Hauptthema der Messe.

Geht es nach Clemens, ist das aber sogar noch untertrieben. Die Digitalisierung sei nicht nur Realität, die erste Halbzeit sei für die europäische Industrie sogar bereits verloren. „Das betrifft die Consumer-Sparte“, sagt Clemens noch vor Beginn der Messe. Jetzt gehe es aber um die Digitalisierung der Industrie und der Wirtschaft, und hier habe nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa noch gute Chancen, so Clemens: „Deshalb greifen wir jetzt an. Bei Themen wie Cloud-Computing, Connectivity oder IT-Sicherheit.“

Produkte und Politik

Wenn die Deutsche Telekom ihr Messeprogramm vorstellt, geht es nicht nur um Produkte, sondern auch um Politik. So will man mit einem Rechenzentrum in Biere bei Magdeburg, das für alle Cloud-Anbieter offen steht, nicht nur Kunden anlocken, sondern auch einen europäischen Daten-Hub aufbauen.

Mit der politischen Dimension folgt das Unternehmen der neuen Ausrichtung der CeBIT. Die Messe hat in den vergangenen Jahren aufgrund sinkender Besucherzahlen und durch die Konkurrenz der IFA an Bedeutung verloren und sich bereits 2013 voll auf die B2B-Schiene konzentriert. Heute sind sich Aussteller und Veranstalter einig, dass die Messe dadurch deutlich gewonnen hat. Die Qualität des Publikums habe stark zugenommen. „Es brachte uns nichts, wenn Schulklassen durchgeführt wurden“, sagt der General-Manager des IT-Sicherheitsanbieters Kaspersky Lab für die DACH-Region, Holger Suhl.

Nun geht man einen Schritt weiter: „Die CeBIT löst sich vom Konzept einer reinen Computermesse und ist eine Art Stelldichein mit einer stärker werdenden politischen Komponente“, sagt Messechef Oliver Frese. Heuer soll aber auch wieder an der Frequenz geschraubt werden. Erstmals gibt es für Aussteller keine Limitierung bei den Eintrittskarten.

Partnerschaften knüpfen

Mit welchen Erwartungen gehen die Unternehmen in die Messe? „Wir wollen möglichst vielen Menschen zeigen, was die Technologie kann“, sagt Christian Lamprechter, Intel-Geschäftsführer für Deutschland und Österreich. Zudem zeige man die Transformation des Unternehmens: Intel sei längst nicht mehr nur im rückläufigen Markt für Desktop-PC aktiv, sondern treibe auch Wachstumsmärkte wie das Internet der Dinge oder mobile Geräte voran, sagt Lamprechter.

„Wir versuchen, strategische Partner zu finden“, sagt Georg Hofherr, Geschäftsführer des Tiroler Start-ups 3D-Elements. Das Unternehmen hat Fotokabinen zur Erstellung von 3-D-Modellen von Personen entwickelt. Bereits im vergangenen Jahr habe Hofherr auf der CeBIT an die 60 qualifizierte Kontakte geknüpft. Hier möchte er nachlegen und die Basis für das heurige Verkaufsziel von 20 Fotokabinen legen.

Bei der deutschen Tochter des oberösterreichischen Softwareunternehmens BMD hat man sich zum Ziel gesetzt, mindestens 200 interessierte Kontakte anzusprechen, sagt BMD-Geschäftsführer Matthias Glahn.

Volle Auftragsbücher durch die Messe erwarten allerdings die wenigsten. „Vor zehn Jahren kamen die Besucher noch mit Kaufabsichten auf die Messe“, sagt Glahn. Das sei längst vorbei. Heute gehe es vorrangig darum, die Produkte persönlich vorgestellt zu bekommen.

Das gilt aber nicht für alle Sparten: Bei Kaspersky waren die Termine bereits im Vorfeld ausgebucht. Die CeBIT soll dem Unternehmen nun auch einen Auftragseingang im „schönen siebenstelligen Bereich bringen“, sagt DACH-Chef Suhl.


[M3H4P]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 14.03.2016)

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