21.03.2016, 21:51  von Oliver Jaindl

Hotellerie: Kniefall mächtiger Buchungsplattformen vor Wettbewerbshütern

Bild: iStock

Die großen Internet-Buchungsplattformen verzichten nun offiziell auf die meisten Bestpreisklauseln. Diese waren vielen Hoteliers ein Dorn im Auge. Ein Wermutstropfen bleibt aber.

Als Hotelier hat man es nicht leicht: Laut Untersuchungen der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) erfolgen rund 40 Prozent der Nächtigungen via Buchungen auf Plattformen wie etwa Booking.com oder Expedia. Ihre Vertragsbedingungen standen bei Hoteliers seit jeher im Kreuzfeuer der Kritik: Sie verpflichten die Unternehmen, den Portalen stets den besten Preis zu geben. Die Hoteliers dürfen ihn niemals unterbieten, nicht einmal bei Last-Minute-Anfragen.

Gemeinsame Linie der meisten Behörden

Mit dieser Praktik ist nun weitgehend Schluss. Die BWB hat mit Booking.com und Expedia eine Vereinbarung getroffen, wonach die Portale auf viele der als knebelnd empfundenen Klauseln verzichten.

BWB-Chef Theodor Thanner: „Wir haben nach einem Markttest und intensiven Gesprächen mit den Unternehmen erreicht, dass es Verpflichtungszusagen gibt. Wir gehen damit jenen europäischen Weg, den auch elf andere Wettbewerbsbehörden in der EU gehen.“

Ihr Verfahren hat die BWB nun eingestellt. Zwar haben die Portale ihre Geschäftsbedingungen bereits zuvor angepasst, die jetzige Zusage ist aber als offizielle Verpflichtung der Portale gegenüber der behördlichen Obrigkeit zu werten, von den Geschäftspraktiken abstand zu nehmen.

Konkret wurde folgendes vereinbart: Hoteliers ist erlaubt, dass sie auf verschiedenen Plattformen im Netz verschiedene Preise anbieten. Das war früher verboten. Auch dürfen sie Kunden direkt etwa vie Telefon, Mail oder Fax individuell Zimmer offerieren, die günstiger sein dürfen als auf den Plattformen.

Die Portale verpflichten sich weiters, dass sie es akzeptieren, dass die Hoteliers Zimmerkontingente am Markt anbieten, die den Plattformen nicht gemeldet wurden. Auch abweichende Konditionen in Hotel-Geschäftsbedingungen sind zulässig.

Allerdings: Den Hotelbetreibern ist es weiterhin untersagt, die Plattformen mit niedrigeren Angeboten auf den eigenen Hotel-Homepages zu unterbieten. Dabei aber zu beachten, dass laut BWB nur 13 Prozent der Buchungen direkt über die Homepages der Hotels laufen.

ÖHV noch nicht zufrieden

Wie berichtet laufen die heimischen Beherbergungsunternehmen seit langem vor allem gegen diese Vertragsklausel der Plattformen Sturm. Auch die BWB musste Kritik nach dem harten Vorgehen der deutschen Behörden einstecken (Bericht re.).
Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) bezeichnet die gegenüber der BWB abgegebene Verpflichtung der Plattformen als „Schritt in die richtige Richtung.“ Wie ein Sprecher kritisiert, bestehe das angefeindete Verbot individueller Preisfestsetzungen auf Homepages aber immer noch. Eine diesbezügliche Klage war von den Hoteliers zwar angedroht worden, eingebracht wurde sie bislang noch nicht.
 

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In der EU beobachtet derzeit eine Monitoring-Gruppe die Auswirkungen der Portale auf den Hotel-Markt. Ein Bericht wird Ende des Jahres erwartet. Das deutsche Bundeskartellamt hat Preisparitätsklauseln (Bericht oben) Ende 2015 untersagt, Frankreich hat sie per Gesetz verboten.

Die Plattformen selbst bezeichnen die Einigung mit der BWB als äußerst möglichen Kompromiss. Franz Urlesberger von der Kanzlei Schönherr vertritt Expedia gegenüber der BWB. Laut dem Anwalt sei die Übereinkunft mit der Behörde mündlich „akkordiert, aber noch nicht schriftlich fixiert.“ Ein Abgehen vom Verbot, Schnäppchen-Angebote auf die Hotel-eigene Homepage zu stellen, sei laut dem Juristen für die Portale unmöglich: Kunden könnten diese nämlich nur zum Herausfiltern interessanter Angebote nutzen, ohne dann über die Plattform sondern direkt über die Hotel-Homepage zu buchen.

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