03.10.2007, 16:53  von Michael J. Mayr/Salzburg

Anton Stumpf ist wegen betrügerischer Krida angeklagt

Bild: WB/Mayr

Salzburg: Paukenschlag fünfeinhalb Jahre nach dem Crash der Grossfleischerei Stefanitsch: Der beteiligte Sanierer Anton Stumpf muss vor Gericht.

Salzburg. Der Linzer Sanierer und Equity-Manager Anton Stumpf wird die Pleite der Salzburger Fleisch- und Wurstfabrik Stefanitsch nicht los. Der Chef der Beratungsagentur Elias und des Beteiligungsfonds Recap ist am Landesgericht Salzburg wegen „betrügerischer Krida" und „grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen" angeklagt. Stumpf, der den schwer angeschlagenen Fleischerei-Platzhirschen aus Hallein Mitte November 2000 um einen symbolischen Schilling übernommen und in seine Markenfleischer-Holding einverleibt hat, soll von Stefanitsch ungerechtfertigt 650.000 € netto zu Elias abgezweigt und die Pleite damit „ursächlich herbeigeführt" haben, heisst es in der Anklageschrift (Zl.13 St 197/02x).

Vier weitere Anklagen

Mit Stumpf angeklagt sind vier weitere Ex-Stefanitsch-Chefs, darunter Firmenerbe Robert Stefanitsch, weil er Stumpf Honorare von 1526 € pro Tag zugebilligt hat. Für die Staatsanwaltschaft steht die Gage „mit den Vermögensverhältnissen und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens in auffallendem Widerspruch".

Der von Stumpf nach Hallein abbeorderten Elias-Mitarbeiterin Elfriede St. wirft die Anklagebehörde vor, im Verein mit den Co-Geschäftsführern Mario C. und Reinhold P. die Zahlungsforderungen der Elias Group voll beglichen zu haben, während die Lieferanten durch die Finger geschaut hätten. Stumpf und seiner Vertrauensperson St. drohen bis zu zehn, den drei anderen Angeklagten Stefanitsch, C. und P. bis zu zwei Jahre Haft.

Stumpf, für den es hier beruflich ums Ganze geht, sagt dem WirtschaftsBlatt er sei froh, „dass ich die Sache vor einem unabhängigen Gericht aufklären kann". Der Fall Stefanitsch sei zwar unangenehm, aber er vertraue auf die Justiz. Zuvor hat er fünf Jahre hartnäckig versucht, sie und die Medien von seiner Unschuld zu überzeugen.

Der Mitangeklagte P., heute Manager eines Salzburger Autohauses, sieht sich als Stumpf-Opfer. Robert Stefanitsch und Elfriede St. schweigen auf Anfrage. Mario C. war nicht auffindbar.

Konkurs läuft noch

Die Akte Stefanitsch ist auch am Konkursgericht noch offen. Oberbank und Masseverwalter streiten um eine 1,4 Millionen €-Geldspritze, als die Fleischfabrik praktisch pleite war. Setzt sich der Liquidator hier durch, kann er 3,5 Millionen € bzw. eine 50-Prozent-Quote ausschütten.

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Chronik

14.11.2000 Firmenerbe Robert Stefanitsch tritt seine Fleisch- und Wurstfabrik in Hallein mit 310 Mitarbeitern und 38 Verkaufsfilialen um einen Schilling an die Markenfleischer GesmbH von Anton Stumpf ab. 30.4.2001 Die Stefanitsch Beteiligungs GesmbH ist zahlungsunfähig. 14.6.2002 Konkursantrag. 503 Gläubiger erheben sieben Millionen € an Forderungen. Stefanitsch wird liquidiert. 331 Jobs sind weg. 3.10.2007 Einspruchsfrist gegen Betrugs-Anklage der StA Salzburg im Fall Stumpf ist abgelaufen. Ein Prozesstermin steht noch aus.

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