14.01.2011, 14:30  von Isabell Widek

20.000 Grenzpendler durch Ostöffnung

Bild: WB/Peroutka

Schon 2010 war der häufigste in Österreich lebende EU-Bürger ein ungarischer Koch.

"2010 war das Jahr der Trendwende", sagt Vorstand Herbert Buchinger, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS). Trotz steigender Nachfrage - Frauen haben in der Krise den Eintritt in den Arbeitsmarkt auf später verschoben - wird die Arbeitslosigkeit 2011 aber moderat steigen. Dem will man etwa mit einer Facharbeiter-Intensivausbildung für Frauen gezielt entgegen wirken. Ziel des AMS sei es aber, so Buchinger, ein Mehr an Beschäftigung und nicht ein Mehr an Höherqualifizierte zu schaffen.

Positive Prognosen

Was den Rückgang der Arbeitslosenzahlen bis 2014 betreffe, sei man zwar auf Prognosen angewiesen, aber vorsichtig optimistisch. Die Prognosen von Wifo und IHS gehen 2011 von einem Wirtschaftswachstum von 2,1 bis 2,2 Prozent aus (2010: zwei bis 2,5 Prozent). „Wir haben die Erwartungshaltung, dass diese Prognosen aber eher übertroffen werden“, so der AMS-Chef.

Bis 2014 werde sich die Konjunktur auf relativ hohem Niveau stabilisieren, sagt Buchinger. 2011 erwartet man eine Differenz zwischen Aktivbeschäftigung und Arbeitskräfteangebot von 7000 Arbeitslosen, 2012 sollte dieser Wert ausgeglichen sein. 2013 und 2014 hofft man auf einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen von 13.000 bzw. 16.000.

Weniger Geld

Dies muss das AMS aber mit weniger Geld bewerkstelligen, ihr Budget ist im Zuge der Sparmaßnahmen der Regierung von 1,22 Milliarden € (2010) auf 982 Millionen € gekürzt worden. „Man darf sich aber nichts vormachen: Im EU-Vergleich sind wir mit mehr als einem blauen Auge davon gekommen“, sagt AMS-Vorstand Johannes Kopf. So könne man auch heuer wieder das Jugendarbeitslosennetz bedienen, „zum letzten Mal, hoffen wir“, so Kopf. Allerdings mussten Lohnkostenzuschüsse an die Betriebe gekürzt werden und auch die Beauftragung von Kursinstituten wurde zurück gefahren. „Hier geht es aber um keine Fachausbildungen, sondern um Jobcoaching und ähnliches“, so Buchinger. Bei den Langzeitarbeitslosen gebe es keine Einschränkung in der Betreuung.

Bewältigbare Menge

Auch auf die Arbeitsmarktöffnung gen Osten (Ausnahmen: Rumänien und Bulgarien) glaubt man beim Arbeitsmarktservice gut vorbereitet zu sein. Man erwartet insgesamt 10.000 bis 20.000 Personen, vor allem aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien. „Das ist eine bewältigbare Menge“, so Kopf. Bereits jetzt gebe es AMS-Beratungsbüros in Grenznähe, die vor allem auf Saisonkräfte zielen. Die Arbeitsmarktöffnung bringe keine Zuwanderung, sondern Grenzpendler, so Kopf: „Der in Österreich am häufigsten beschäftigte EU-Bürger war 2010 ein ungarische Koch.“

 

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