29.11.2011, 23:36  von André Exner

Bauinnung fordert die „GmbH heavy“

Bild: WB/Foltin

Vorstoss: Bundesinnung bringt Vorschläge, um die Baukonjunktur anzukurbeln. 35.000 € sind zu wenig: Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister der Bauinnung der WKO, kann sich mehr Mindeststammkapital für die Baubranche vorstellen.

Wien. 2011 war kein gutes Jahr für die Bauwirtschaft - noch härter wird 2012, sagt Hans-Werner Frömmel, Bundesinnungsmeister Bau, im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt. „Die Preissituation ist extrem", sagt er. Seit der Arbeitsmarktöffnung gäbe es Baufirmen aus CEE, die um 20 bis 50 Prozent unter den österreichischen Preisen arbeiten.

Dazu kommen steigende Rohstoffkosten und Sparmaßnahmen der Gemeinden und des Bundes. „Das Budget 2012 macht uns keine große Freude", so Frömmel: 5,8 Milliarden € an Bauvorhaben werden eingespart, 4,5 bei ÖBB und Asfinag und 1,3 im Abwasserbereich. Auch im privaten Wohnbau sind die Genehmigungen rückläufig.

Heuer sank die Anzahl der Insolvenzen am Bau - Bauträger nicht eingerechnet - um sieben Prozent. Doch die Zahl könnte schon 2012 wieder steigen. Um die Pleite­resistenz der Baubranche zu erhöhen, schlägt Frömmel vor, das Mindeststammkapital für eine GmbH-Gründung heraufzuschrauben. „35.000 € für die Gesellschaftsgründung sind zu wenig", sagt er. Statt der „GmbH light" wie sie die WKO schon länger fordert, wäre das quasi eine „GmbH heavy" für die Baubranche.

Konjunkturimpulse
Frömmel hat zudem eine Reihe von Vorschlägen, wie die Regierung die Baukonjunktur auch in Zeiten von Eurokrise und Konjunkturbremse ankurbeln könne. So sollte ähnlich dem Sanierungsscheck eine Förderung für bauliche Maßnahmen Richtung altersgerechtes Wohnen kommen.

Tausende Wohnungen pro Jahr könnten damit altersgerecht adaptiert werden, der Staat könnte ein Vielfaches der Fördersumme über Steuern und Abgaben einnehmen. „Das wäre das beste Geschäft für den Staat. Beim Sanierungsscheck beträgt der Hebel eins zu sieben, hier wäre das Potenzial ähnlich hoch", sagt Frömmel. Er möchte weiters, dass die Zweckbindung der Wohnbauförderung wieder eingeführt wird. „Die Mittel fließen heute überall hin, nur nicht in den Wohnbau. Sie sollten weiter den Ländern zukommen und die Basisfinanzierung für den Wohnbau darstellen."

Zuletzt hat der Baustoffhandel mit der „Initiative pro Bauen" den Vorschlag gebracht, dass Ausgaben beim Bauen oder beim Sanieren gegen Vorlage einer Rechnung von der Steuer absetzbar sein sollen. Ein System, das im EU-Ausland bereits funktioniert. „Selbstverständlich unterstützen wir diesen Vorschlag", sagt Frömmel - die Bundesinnung hatte die Idee schon vor dem Baustoffhandel.

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Kommentare

1 Kommentare

Gast: ET meint

Diese Gelder können ja sofort nach Gründung verwendet werden, können also sehr schnell verbraucht werden. Diese Kapital kann so kaum einen Nutzen zur Absicherungen von Unternehmen haben.

Wichtiger wäre eine ordentliche Eigenkapitalquote der Unternehmen, um diese auch Handlungsfähig zu halten und in Phasen eines schlechten Geschäftsgangs auch abzusichern. Dazu müsste es aber genauere Vorschriften für die Bewertung von assets geben. Der Gesetzgeber lässt ja teilweise Abschreibung viel zu langsam zu, die Marktwerte fallen besonders bei Neuanschaffungen viel schneller. Dazu müssten endlich auch die Leasingverbindlichkeiten als Schulden sichtbar werden.

Ich würde als untere Grenze eine reale Eigenkapitalanforderung von 30% sehen, welche vom Gesetzgeber auch ordentlich zu gestalten wäre. Damit hätte man auch einen Parameter, welcher der sehr verschieden Unternehmensgrößen angepasst wäre.

verfasst am 30.11.2011, 09:00