15.03.2012, 00:33  von Oliver Jaindl

"Mich ärgert, dass ich nichts gesagt habe"

Bild: APA/Pfarrhofer

Insiderprozess. Ex-Vorstand Karl Büche ärgert sich, dass er seiner Frau Aktienkäufe nicht "verboten" hat. Wegen Weitergabe von Insiderinfos hagelte es kritische Fragen.

Wien. Tag zwei im "Bierbarone"-Prozess: Am Mittwoch saß der ehemalige BBAG-General Karl Büche vier Stunden lang vor Richter Georg Olschak und Staatsanwalt Bernhard Löw. Nun ging es um die Details, ab wann Insiderinformationen vorlagen und ob diese ausgeplaudert wurden.

Wie berichtet müssen sich elf ehemals Verantwortliche der BBAG/Brau Union bzw. deren Familienmitglieder neuerlich wegen Insiderhandels verantworten, nachdem das Verfahren zurück an den Start geschickt worden war. Die Verdächtigen sollen kurz vor der Übernahme der BBAG/Brau Union durch Heineken Aktien gekauft bzw. Verwandte dazu angestiftet haben. Büches Frau erzielte einen Gewinn von 530.000 €, die Schwiegertochter 612.000 €.

Am Mittwoch drehte sich alles darum, ab wann für Büche als Vorstand absehbar war, dass ein Verkauf bevorstand. So fertigte die KPMG Mitte 2002 ein Bewertungsgutachten an. Im Oktober drang der Vorstand mit seinem Plan, den Konzern unabhängig weiterzuführen, nicht durch. "Eine Watsche" sei das gewesen, sagte Büche. Damals wurden Mitarbeiter zur Vertraulichkeit verpflichtet. Richter und Staatsanwalt hakten nach: Zeichnete sich nicht schon damals ab, dass sich ein Verkauf anbahnt? Warum erzählt man seiner Frau nichts, wenn man "eine Watsche" bekommen hat? Wozu brauchte man das Gutachten?

Familientradition

Büche beharrte darauf, dass erst im April 2003 klar war, dass man verkaufen werde. Schon im Jänner war ad hoc mitgeteilt worden, dass man einen Eigentümerwechsel nicht ausschließt. Kurz davor hatten Büches Frau und seine Schwiegertochter gekauft.

Das waren nicht die ersten Aktienkäufe, meinte Büche: Seine Schwiegertochter hatte bereits im Spätsommer 2002 Aktien erworben - vermutlich, um es sich mit der Familie gut zu stellen. Die letzten Käufe durch seine Frau lassen sich so erklären, dass man kurz zuvor nach langem Hin und Her Waldstücke veräußert hatte und das Geld, so wie es "Familientradition" war, in Brau-Aktien investiert hatte.

Er beharrte darauf, seiner Familie nichts erzählt zu haben. Mit seiner Frau habe er nur über familiäre Dinge gesprochen. Sie hatte ihm aber schon vom -eigenständigen (Büche) - Aktienkauf erzählt. Er wirft sich nun vor, dass er ihr die Käufe "verbieten" hätte sollen: "Mich ärgert, dass ich nichts gesagt habe." Ob auch andere Beschuldigte in diesem oder jenen Sinn "nichts" (oder doch etwas?) "gesagt" haben, wird sich am nächsten Prozesstag zeigen.

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