16.12.2011, 00:34  von Thomas Pressberger

Zielpunkt will im Raum Wien 50 Prozent mehr Marktanteil

Bild: WB_Mayr

Zielpunkt hat das negative EBITDA des Vorjahres heuer auf ein Zehntel reduziert. Jetzt sagt die Handelskette im Großraum Wien dem Platzhirschen Rewe den Kampf an.

WirtschaftsBlatt: Wann schafft Zielpunkt den Turnaround?

Jan Satek: Ich bin da vielleicht falsch verstanden oder interpretiert worden. 2010 hatte Zielpunkt ein negatives EBITDA von 23 Millionen €,2011 werden wir auf minus 2,4 oder 2,5 Millionen € kommen. Das ist ein Zehntel des Verlusts des Vorjahres, wir sind also auf dem Weg. Ab der zweiten Jahreshälfte 2012 sollten wir in den schwarzen Zahlen sein.

Warum hat es 2011 noch nicht geklappt?

Es gab ein paar ungeplante Ereignisse. Der EHEC-Skandal Ende Mai hat uns enorm zurückgeworfen, wir hatten erst im September wieder normale Zahlen. Dann mussten wir noch die alten Eigenmarken abverkaufen, bei Preisabschlägen von bis zu 50 Prozent bleibt nicht mehr viel übrig. Zusammen waren das ungefähr 3,5 Millionen €.Auch das OGH-Urteil zur Umstufung der Kassakräfte hat uns einiges gekostet.

Ist die nächste Verschiebung des Turnarounds nicht durch die höheren Löhne und Gehälter sowie die Anrechnung der Karenzzeiten durch den jüngsten KV-Abschluss vorprogrammiert?

Das haben wir einbudgetiert. Wir wollen den Personaleinsatz weiter optimieren, aber nicht durch Abbau der Mitarbeiterzahl, sondern durch Abbau von Überstunden beziehungsweise zuschlagspflichtigen Zeiten.

Wie sollen sich Umsatz, Mitarbeiter-und Filialzahl weiterentwickeln?

2010 hatten wir einen Umsatz von 550 Millionen €, heuer wird er bei 540 Millionen€ liegen und 2012 rechnen wir mit 560 Millionen €. Die Mitarbeiterzahl und die Filialzahl sollen bei rund 2700 beziehungsweise 300 etwa stabil bleiben.

Das heißt, es kommen keine neuen Filialen dazu?

Wir werden auch 2012 neue Filialen aufsperren, bereits fixiert sind fünf Standorte, insgesamt sind 15 möglich. Die nächste öffnet am 16. Jänner in Graz. Aber wir werden auch Filialen schließen, die defizitär sind.

Wie viel werden sie 2012 investieren?

15 Millionen €, wie auch 2011. Wir gehen davon aus, dass diese Investitionssumme in den nächsten Jahren gleich bleibt. Wir verwenden das Geld zum einen für Ersatzinvestitionen, wie etwa eine kaputte Kühlung, und zum anderen für Modernisierung, wie zum Beispiel ein neues Lichtkonzept in den Filialen.

Thema Sanierung: Welche Punkte sind schon abgehakt, welche sind noch offen?

Wir haben das Unternehmen durch neue Vorstände, Liquidität und Kostenreduktion stabilisiert, fahren eine Wachstumsstrategie und haben das Sortiment und Prozesse optimiert. Wer hat das gesagt, wer "Ziele und Visionen hat, sollte zum Arzt gehen"? Wir haben sie trotzdem und wollen unseren Marktanteil in Wien in ein bis zwei Jahren von derzeit knapp zehn auf 15 Prozent steigern. Österreichweit haben wir derzeit ungefähr 4,4 Prozent Marktanteil.

Wie soll das gelingen?

Wir haben noch viel Potenzial bei vielen Filialen. Wir haben bisher 33 Filialen komplett umgebaut und hatten teilweise erhebliche Sprünge bei den Umsätzen und Margen. In Wien haben wir 140 Filialen, fast so viele wie der große Mitbewerber.

Und wie sieht es mit den anderen Bundesländern aus?

Ich habe nicht den Drang, nach Westen zu gehen. Wir wollen unser Gebiet verdichten. Wir gehen nicht nach Salzburg, Tirol oder Vorarlberg. Wir bauen auch nicht Kärnten aus, dort haben wir nur eine Filiale.

Wann wird Zielpunkt wieder verkauft? BluO-Vorstand Martin Vorderwülbecke soll gesagt haben: "Wenn uns jemand Geld bietet, sind wir da sehr unkompliziert."

BluO ist nicht geleveraged, wir haben keinen Druck von Investoren, Darlehen oder Zinsen tilgen zu müssen. Daher gibt es keinen Zeitpunkt, zu dem wir verkaufen müssen. Wir sanieren Zielpunkt nachhaltig, und wenn es gut läuft, warum sollten wir es verkaufen? Allerdings, wenn jemand viel Geld bietet, warum nicht.

Schirnhofer will seinen Vertrag bis 2025 verlängern, aber Sie sagten, für Zielpunkt "muss etwas herausschauen". Was muss herausschauen?

Wir sind in Verhandlungen. Wir haben ein komplexes Vertragskonstrukt und wollen es vereinfachen. Es geht um Dinge wie Mietkosten, Abnahmeverpflichtungen und Sortimentsabgrenzungen. Schirnhofer darf gewissen Sachen verkaufen, gewisse nicht, wie zum Beispiel Convenience-Produkte. Ich will eine Vertragsverlängerung, aber es muss eine Win-win-Situation sein. Bis 2025 wäre denkbar, der derzeitige Vertrag läuft 2015 aus. Ohne Schirnhofer müssten wir eine eigene kompetente Bedientheke aufbauen, das ist nicht leicht. Was Schirnhofer an Qualität liefert, ist hervorragend.

Rewe-Chef Frank Hensel meinte unlängst, eine zweite Krise würde den Lebensmittelhandel stärker als die erste treffen. Wie sehen Sie das?

Dafür fehlt mir die Glaskugel.

Ihr persönlicher Ausblick für das kommende Jahr?

Es wird viel an Krise herbeigeredet, was die Menschen auch dummerweise glauben. Eine neue Krise sollte dem Lebensmitteleinzelhandel aber eher helfen, ich glaube, die Leute würden weniger auswärts essen gehen.

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Jan Satek, Vorstandsvorsitzender Zielpunkt

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Jan Satek, Vorstandsvorsitzender Zielpunkt

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