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17.08.2012, 10:31 von Ingrid Kawarik
Wien. In Deutschland und Österreich lässt das lukrative Geschäft mit notleidenden Krediten noch auf sich warten. In Spanien und Irland boomt hingegen der Sektor der sogenannten Non Performing Loans (NPL) wie nie zuvor. „Da ist unheimlich viel Liquidität im Markt. Es ist nur schade, dass Großinvestoren Deutschland und Österreich in diesem Bereich eher links liegen lassen. Die Banken schaffen es dort kaum, ihre NPL-Portfolios über Buchwert zu verkaufen“, erklärt Christopher Sur, Finanzexperte bei PwC (s. Nachgefragt), im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt.
In Zeiten von mageren Erträgen bei Sparbüchern, Anleihen und Aktien klingen 20 Prozent Rendite wie ein gefundenes Fressen. Das Risiko einer solchen spekulativen Investition ist allerdings enorm hoch. Angebot gäbe es aber genug. Laut der jüngsten PwCStudie stieg das Volumen der faulen Kredite von Europas Geschäftsbanken Ende 2011 auf 1048 Milliarden €. NPL zählen zum Risikokapital der Banken, von denen sich die Finanzhäuser sukzessive trennen wollen, um ihr Eigenkapital bilanziell zu entlasten.
Rendite durch Elend
„Das Problem ist, dass Banken ihre notleidenden Kredite meist nur mit einem Haircut von 20 bis 60 Prozent an interessierte Investoren losbekommen“, meint Stefan Maxian, Chefanalyst der Raiffeisen Centrobank. Die Kredite seien zwar meist zuvor schon wertberichtigt, ein Gewinn beim Verkauf ist jedoch nicht selbstverständlich. Verluste müssen gegengerechnet werden, was wiederum das Eigenkapital der Bank in Bedrängnis bringt.
Spanische Banken dürften dahin gehend kein Problem haben, internationale Investoren für ihr Elend zu begeistern. Die Rate an zahlungsunfähigen Kreditnehmern stieg in Spanien im März 2012 auf 8,4 Prozent. Die Mehrheit der notleidenden Kreditportfolios setzt sich übrigens aus Kleinkrediten an Haushalte sowie aus Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen zusammen.
Der Fokus der heimischen Banken liegt derzeit auf der Tier-1-Quote. Die bisher letzte große Aktion im NPL-Sektor war der Verkauf der ÖVAGTochter Volksbanken International an die russische Sberbank. Auch in Deutschland ist der zündende Funke noch nicht übergesprungen. Die Rate der faulen Kredite konnte zwar gehalten, aber nicht reduziert werden.
Zocken mit Finanztiteln
Obwohl das Geschäft mit notleidenden Krediten institutionellen Investoren vorbehalten ist, gibt es auch für Privatanleger die Möglichkeit, mit Banken zu zocken. Schließlich räumen Finanztitel traditionell bei einem Rebound stärker ab als der breite Markt (siehe Chart).
Geht es nach Pwc-Experten Sur, steht bei NPL-Portfolios regionenweise noch ein Boom bevor. Investoren hätten 65 Milliarden € auf der hohen Kante: „In Deutschland und Österreich war von 2004 bis 2007viel Bewegung in diesem Sektor. Das könnte durchaus wiederkommen. Die Liquididität täte beiden Märkten gut.“
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