17.08.2012, 15:53  von APA

Jeder 10. Pkw „E10-allergisch"

Bild: (c) Dpa-Zentralbild/Jan Woitas (Jan Woitas)

Aufklärung. In Österreich soll vor der Biosprit-Einführung eine breite Info-Kampagne gefahren werden.

Wien. Der Biosprit E10, den Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (V) bereits diesen Herbst einführen will, ist in Deutschland am Beginn sensationell gefloppt. Aus Angst um ihre Motoren haben viele Autofahrer den Treibstoff mit 10 Prozent Ethanolanteil boykottiert, obwohl dieser billiger ist als herkömmliches Benzin. Als Ursache für das Debakel wurde u. a. die mangelnde Aufklärung ausgemacht. In Österreich will man es besser machen. Derzeit werde diskutiert, wie man eine Liste für Autos, die mit E10 betankt werden können, verbindlich machen kann, sagte ÖAMTC-Experte Bernhard Wiesinger. In Deutschland seien es ungefähr zehn Prozent der Fahrzeuge, die E10 nicht vertragen.

Check beim „Pickerl"

"Wir denken, dass das in Österreich auch so ist", so Wiesinger am Freitag. Die neu zugelassenen Fahrzeuge seien ohnehin allesamt E10-tauglich, lediglich bei älteren Modellen könne es zu Problemen kommen. Wobei "der Motor selbst mit Kolben und Zylinder" nie einen Schaden nehme. Es könnte nur passieren, dass das alkoholhältige Ethanol beim Raustropfen Gummiteile beschädigt (Korrosion).
Für den ÖAMTC sind Herstellergarantien für die E10-Verträglichkeit ein Muss. "Eine Möglichkeit wäre, das im Rahmen der Pickerl-Überprüfung zu machen", schlägt Wiesinger vor.

Generell hat der als ÖVP-nahe geltende Autofahrerclub ÖAMTC nichts gegen E10. Ganz im Gegensatz zum ARBÖ, der wiederum der SPÖ zugerechnet wird und wie etwa Arbeiterkammer (AK) seit Monaten gegen den Agrosprit auf die Barrikaden steigt. Wegen befürchteter Mehrkosten für Autofahrer und auch ethischer Bedenken ("Tank vs. Teller") hat der ARBÖ sogar eine Onlinepetition gegen E10 gestartet.

ÖAMTC fordert mehr Zeit

Der ÖAMTC hält es nur nicht für realistisch, dass der Zeitplan Berlakovichs hält. "Eine flächendeckende Einführung braucht sicherlich einen längeren Vorlauf", so Wiesinger auch unter Verweis auf "Aussagen der Mineralölwirtschaft". Eine "tröpfchenweise Einführung" hielte der Club für den falschen Weg. Es brauche einen "großen Wurf" inklusive breitangelegter Informationskampagne.

Unabdingbar sind für den ÖAMTC weiters steuerliche Anreize. "E10 muss günstiger sein als herkömmliches Benzin." In Deutschland sei E10 derzeit 4 Cent billiger als die anderen Benzinsorten, trotzdem betrage der Marktanteil des Biosprits an allen Benzintreibstoffen erst 15 bis 20 Prozent. "Wir glauben, dass die Bereitschaft in Österreich, E10 zu tanken, höher ist", so Wiesinger.

Zur "ethischen Diskussion" meint der ÖAMTC: "Es muss sichergestellt sei, dass mit dem Ethanolanteil, der beigemengt wird, weder Regenwald zerstört wird noch Nahrungsmittel getankt werden." Das heimische Umweltministerium habe dazu bereits ein Zertifizierungsverfahren in petto.

Autofahrern bleibt auch bei flächendeckender Einführung die Wahl, ob sie E10 oder ihr "altes" Benzin tanken. Benzin mit Oktanzahl 95 oder 98 "wird es ohnehin weiter geben", stellte Wiesinger klar. Es sei lediglich vorstellbar, dass einige Premiumsorten (Oktanzahl 98 bzw. 100) vom Markt genommen werden. Wieviel E10 an der Zapfsäule dann kosten wird, hänge auch von der Erntelage ab. Wenn die Rohstoffe knapp sind, "sind die Ethanolpreise logischerweise höher", so Wiesinger. Momentan könnte dies der Fall sein: Österreichs Bauern haben heuer die mieseste Getreideernte seit 40 Jahren eingefahren; auch weltweit - besonders im wichtigen Erzeugerland USA und im Schwarzmeerraum - kam es zu Missernten, was wiederum die Nahrungsmittelpreise massiv mit nach oben treibt.
Wer auf E10 setzt, muss übrigens auch mehr tanken. Laut Wiesinger steigt der Verbrauch wegen der Beimengungsquote um 1 bis 2 Prozent.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

31.07.2015, 19:10

Wiener Modehaus Tlapa sperrt zu

31.07.2015, 18:44

ÖVAG-Bad-Bank kommt bei Abbau voran

31.07.2015, 16:27

Schweighofer im Visier der Behörden

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    31.07.2015, 15:19

    Jagd auf heimische Steuersünder mittels „Abschleicher“-Gesetz

    Wer sein unversteuertes Geld kurz vor der dem Inkrafttreten der Steuerabkommen mit der Schweiz und Liechtenstein nach Österreich zurücküberwiesen hat, muss nun trotzdem Steuern nachzahlen.

    31.07.2015, 14:29

    Arbeitslosigkeit – Österreich im Juni weiter nur auf Rang sechs in EU

    Österreich belegt im EU-Vergleich bei der Arbeitslosenrate weiterhin nur mehr Rang sechs. Gemeinsam mit Dänemark verzeichnete die Alpenrepublik bei den Juni-Zahlen eine Quote von 6,0 Prozent.

    31.07.2015, 14:08

    UNIQA-Tochter will Wiener Privatklinik Goldenes Kreuz übernehmen

    Die UNIQA-Tochter PremiQaMed steigt bei der Wiener Privatklinik Goldenes Kreuz ein. Mehrheitsbeteiligung geplant, Ärztekammer fürchtet "marktbeherrschende Stellung".

    31.07.2015, 13:38

    Asyl: Regierung plant Verfassungsänderung – Aufnahmestopp in Traiskirchen

    Die Regierung plant eine Verfassungsänderung, damit der Bund künftig selbst Asylquartiere errichten kann, wenn die Länder säumig bleiben. Zudem soll eine Unterbringungsquote von ein bis zwei Prozent pro Einwohner auf die Gemeinden heruntergebrochen werden.

    31.07.2015, 13:18

    Insolvent am 31. Juli 2015

    Täglich aktuell auf wirtschaftsblatt.at: Diese Insolvenzen hat der KSV1870 mit heutigem Datum registriert.

    Die Redaktion empfiehlt

    Umfrage

    • Würden Sie privat Flüchtlinge bei sich aufnehmen?
    • Ja, sofort
    • Ja, mit staatlichen Zuschüssen
    • Nein, ist Staatsaufgabe
    • Nein, Österreich sollte keine Flüchtlinge aufnehmen
    • Weiß nicht