23.10.2012, 09:30  von Andre Exner

Alpine: Kreditversicherer Prisma warnte schon im Mai

Bild: Gindl

Baubranche. Als die Alpine im Mai ihre Unternehmensanleihe bewarb, warnte der Kreditversicherer Prisma bereits die Geschäftspartner des Baukonzerns.

Wien. "Gemeinsam bauen wir am Erfolg." Mit diesem Slogan bewarb Alpine im Mai die "Anleihe 2012-2017". Das Geld der Anleger - darunter viele Private - floss in Strömen, das Volumen wurde von 70 auf 100 Millionen € aufgestockt.

Damals befand sich Österreichs zweitgrößter Baukonzern offenbar bereits in Nöten; allerdings wurden Informationen darüber den Zeichnern der Anleihe vorenthalten. Andere wussten mehr: Zur gleichen Zeit, als die Alpine im Prospekt der Anleihe als "solide" und "zukunftsorientiert" beworben wurde, flatterte einem Geschäftspartner der Alpine eine Polizzenänderung des Kreditversicherers Prisma ins Haus, mit welcher die Haftungssumme für Alpine reduziert wurde. Die Gründe dafür lauten wie folgt: "Rechtsstreit in Polen (dieser betraf ein Straßenbauprojekt sowie das Stadion Warschau, Anm.), Bonität nicht so positiv wie erwartet, Eigenkapital gesunken, Nettoverschuldung gestiegen." Das Datum des Schreibens: 22. Mai 2012 - just der Tag der Erstnotiz der Anleihe.

Risiken im Kleingedruckten

Prisma bestätigt die damalige Herabsetzung der Versicherungssumme. Man konnte zwar im Mai noch nicht wissen, welche Probleme die Alpine im Oktober haben würde, sagt Prisma auf WirtschaftsBlatt-Anfrage. Doch bereits aufgrund des damaligen Informationsstands - man hörte von Refinanzierungsproblemen der Mutter FCC, die damals hinterlegte Bilanz der Alpine enthielt Risiken - habe man entsprechend reagieren müssen.

Tatsächlich muss die Alpine-Mutter FCC auch heuer Milliarden refinanzieren. Alpine-Prüfer Deloitte erteilte für die Bilanz einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk, wies im Kleingedruckten aber auf Risiken in dreistelliger Millionenhöhe hin.

FMA nicht zuständig

Im Werbeprospekt der Anleihe steht der Satz "Entwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu", im Langprospekt ist von Risiken zu lesen, auch wenn diese nicht in eine genaue Summe gegossen werden. Alles rechtens also? "Bezüglich der Rechtmäßigkeit können wir derzeit keine Auskunft geben", so FMA-Sprecherin Annemarie Bauer: "Der Prospekt wurde von der luxemburgischen Aufsichtsbehörde CSSF gebilligt". Obwohl die Anleihe eine österreichische ISIN trägt, an der Börse Wien notiert und die Emissionsbanken Bawag und Raiffeisen hießen, wurde sie in Luxemburg begeben -wo die Aufsicht nicht so streng ist und die Kosten tiefer liegen.

Damit wurde offenbar nicht genug Geld gespart. Jetzt müssen Unternehmensteile verkauft werden: Sogar die Alpine Energie, laut Anleihenprospekt "eine wesentliche strategische und wirtschaftliche Säule", steht zum Verkauf.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-10-23)

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