30.11.2012, 14:45

Finanzieller Absturz der Jetalliance zieht Kreise

Lukas Lichtner-Hoyer regt sich auf / Bild: WB/Günther Peroutka

Pleite. In Österreichs Flugbranche gibt es eine spektakuläre Insolvenz. Die Pleite der Jetalliance reisst auch eine Personalleasingfirma mit 180 Leuten mit.

Kottingbrunn/Wien. In Österreichs Flugbranche gibt es eine spektakuläre Insolvenz. Die Jetalliance Flugbetriebs GmbH - Mitte der 1990er Jahre als Bedarfsflugunternehmen "Magna Air" gegründet - musste nach einer 6,4 Millionen € schweren Steuer- und Sozialversicherungsnachforderung Insolvenz anmelden. Konkret: Ein Sanierungsverfahren mit Selbstverwaltung. Jetalliance nahm dabei gleich ein eng kooperierendes und minderheitlich kapitalverflochtenes Unternehmen mit: Die Wiener Personalleasingfirma "Workforce", wo 180 Mitarbeiter vom dortigen Konkurs betroffen sind.

Magna- und Parteigründer Frank Stronach ist noch immer Minderheitsaktionär an Jetalliance.

Jetalliance hatte vor Beginn eines harten Restrukturierungskurses mehr als 320 Leute, die meisten auch damals"geleast". Dann begannen 2009 Sparpakete, mit radikalen Personalschnitten und wiederholten Finanzspritzen. Derzeit hat die Jetalliance Flugbetriebs GmbH direkt nur vier Angestellte, weitere 89 (Piloten, Flugbegleiter, Techniker etc.) über eine Personalleasingfirma. Die meisten davon in der Workforce. An dieser Personalleasingfirma hält Jetalliance nach APA-Informationen knapp 17 Prozent, man war auch einer der Gründungsgesellschafter des Arbeitskräfteüberlassers.

Jetalliance mit Sitz in Kottingbrunn ist Hauptkunde der Wiener Personalleasingfirma. Workforce blieb nun auf einer Millionenforderung gegen den Flugbetreiber sitzen.

60 der 90 Millionen Euro Umsatz der Jetalliance-Gruppe stammen von der Flugbetriebs GmbH. Der Rest wird mit Werft, Flugzeugverkauf und Flugschule umgesetzt.

Desaster

Jetalliance-Chef und Miteigentümer Lukas Lichtner-Hoyer sprach am Freitag gegenüber der APA von einem Desaster. Er sei erschüttert. Er gibt ausschließlich der Krankenkasse die Schuld. Nach Betriebsprüfungen hatte die niederösterreichische Gebietskrankenkasse für die Jahre 2007 bis 2009 Rückstände von 6,4 Mio. € festgestellt: Lohnsteuer, Sozialversicherungsabgaben und Lohnnebenabgaben wären nachzuzahlen. Diese Zahlungspflichten waren nun Insolvenzgrund für die Flugbetriebs GmbH, da dafür Rückstellungen zu bilden sind, was das Eigenkapital tiefrot färbt.

Der KSV1870 hat die Insolvenzschulden der Jetalliance Flug GmbH heute mit 28,9 Mio. Euro beziffert, inklusive der in Rede stehenden Steuer/Abgabenverpflichtung. Diesen Schulden stehen 17 Millionen an Aktiva gegenüber, vorwiegend Forderungen gegen Kunden und verbundene Firmen. Die Schulden könnten allerdings auf bis zu 55 Millionen ansteigen, wenn es nicht gelingt, den Fortbetrieb zu sichern. Denn dann würden hohe Haftungen schlagend. Jetalliance will, wie heute mehrfach betont wurde, auf jeden Fall weitermachen. Es geht immerhin auch um den Erhalt der Fluglizenzen. Den Gläubigern werden aktuell 30 Prozent "Sanierungsplanquote" geboten. Nach heutigen Angaben sind 330 Gläubiger betroffen.

Lichtner Hoyer will berufen

Lichtner Hoyer sieht in den Steuer- und Abgabenbescheiden eine "eklatante behördliche Fehlentscheidung". Er will dagegen berufen und durch alle Instanzen gehen. Auch die Aussetzung der Nachzahlung hat er beantragt. Sein Argument: Die Behörde habe den Rückstand auf "behauptete Dienstverhältnisse" begründet, "die es nicht gab" - nämlich etwa auf ausländische Piloten und Kabinenpersonal, die gar kein österreichisches Dienstverhältnis hätten. "Das waren auch keine Dienstverhältnisse in der Workforce, für die wurden immer alle Steuern und Abgaben bezahlt", fügte Lichtner-Hoyer hinzu.

Die Behörde errechne nun Steuer- und Abgabenrückstände für Beschäftigte, die "nie Dienstnehmer der Jetalliance Flugbetriebs GmbH waren", so der CEO der Jetalliance. Die Gesellschaft fungiere bloß als Betreiber und nicht als Eigentümer. Sie kümmere sich um Wartungen, Genehmigungen oder Rechnungen und reiche diese Kosten an den jeweiligen Flugzeugeigentümer weiter. Sie verfüge über keine eigenen Flugzeuge. Auch die Personalauswahl (inklusive Einsatzort, Gehalt, Urlaub, etc.) werde vom jeweiligen Flugzeugeigentümer getroffen.

Streit um Personal

Jetalliance führte ein Beispiel an: "Ein Flugzeug gehört einem afrikanischen Geschäftsmann, steht in Nigeria und wird von einem südafrikanischen Piloten im internationalen Verkehr geflogen. Dieser Pilot besitzt für Österreich weder eine Aufenthaltsgenehmigung noch Ansprüche an das österreichische Sozialsystem. Trotzdem sollen wir jetzt für diesen Piloten Sozialversicherungsabgaben, Kommunal-und Lohnsteuer entrichten. Hier wird ein inländisches Dienstverhältnis behauptet, das gar nicht existiert. Für unsere Beschäftigten in Österreich haben wir ja immer pünktlich unsere Abgaben entrichtet."

Die anderen Firmen der Jetalliance Gruppe sind von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen, wird betont.

Die Businessflugfirma Jetalliance wurde Mitte der 1990er Jahre als "Magna Air Luftfahrt GmbH" und Tochter des Magna-Konzerns des Austrokanadiers Frank Stronach gegründet Die jetzige "Flugbetrieb GmbH" gehört heute der "Jetalliance Holding AG", die sechs Gesellschafter hat, darunter Lukas Lichtner-Hoyer. Hauptgesellschafter dieser Zwischenholding ist die "Business Aviation Holding", an der Lichtner-Hoyer ebenso wie Magna-Gründer Stronach mit je rund einem Drittel beteiligt sind. Durchgerechnet dürfte Stronach an der Flugfirma heute mit etwa einem Zehntel beteiligt sein.

 

(apa)

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Kommentare

5 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500

Gast: 2810 meint

...ist ihm der miteigentümer f.st. zum verhängnis geworden. in österrr. sind nicht nur staatsanwälte weisungsgebunden!

verfasst am 20:40 04.12.2012

Da scheint eine abgabennachforderung als mittel zum Zweck zu dienen, bis zur endgültigen Rechtskraft der bescheide incl. der aussetzung der einhebungen nach sämtlichen Instanzen wàre ja noch ein länger weg u genug zeit. Warum man deswegen in die Insolvenz geht, hat wohl andere Gründe. Auch ohne den neuen abgabenschulden verbleibt offenbar schon ein negatives Eigenkapital. Wurschtelt man daher nicht schon länger mit fehlender Liquidität? Nicht immer ist gleich der Fiskus der Schuldige.

verfasst am 10:50 02.12.2012

im zuge meiner tätigkeit als anwalt waren gebietskrankenkasse und finanz antragsteller beim konkursgericht.scheint dort auch "firmrnpolitik zu sein". selbstständigkeit und unternehmertum ist in österreich nicht gewünscht.dies die erfahrung von 30 jahren.das sollte jeder wissen bevor er versucht von der mindestsicherung wegzukommen und unternehmer zu werden.

verfasst am 07:23 04.12.2012

Gast: Dimsum meint

Der gute Mann könnte seine Golduhr eintauschen...damit wären weitere 2 Jahre defezitärer Flugbetrieb gesichert!

verfasst am 19:44 01.12.2012

Wird da etwa unser riesiges Beamtenheer auf Stronachs Betriebe gehetzt? Dann kann er sich schon mal warm anziehen der Frank, denn gegen Beamtenwillkuer ist in Oesterreich kein Kraut gewachsen....ausser Connections und die hat er wohl alle verloren. Aber er kann sich damit troesten, dass er nicht der erste ist dems so geht.

verfasst am 10:35 01.12.2012

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