02.12.2012, 11:58  von Isabell Widek

Arbeitskosten: Die Produktivität ist das Maß aller Dinge

Österreichische Arbeiterinnen hackeln nicht nur, um zu überleben, sondern sichern auch die Zukunft der europäischen Währungsunion / Bild: dpa

Die Summe aus Bruttolöhne und Lohnnebenkosten ist wesentlich für den Wettbewerb, Konsum und Export eines Landes. Aber sie hat auch Auswirkungen auf den Euroraum.

Wien. Arbeitskosten sind wichtig in einer Volkswirtschaft. Die Summe aus Bruttolöhnen, Bruttogehältern und Lohnnebenkosten sind aber nicht nur essentiell für Unternehmer und Wirtschaft­s-forscher, sondern haben auch einen ordentlichen Effekt auf die Volkswirtschaft. So beschreibt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in seinem jüngsten Report, dass Arbeitskosten nicht nur als Kostenfaktor gelten können.

Im Normalfall werden sie nämlich hauptsächlich zur Beschreibung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit und Exportperformance genutzt. Dass aber die Konsumnachfrage privater Haushalte und die Importnachfrage eine große Rolle bei der Bewertung der Arbeitskosten spielen, fällt leicht unter den Tisch. Dabei ist die gesamte europäische Währungsunion von der Entwicklung der Arbeitskosten seiner Mitgliedsländer betroffen. Nur ein starker Import der Länder mit den größten Überschüssen (wie Deutschland) könne einen Abbau der Leistungsbilanzungleichgewichte im Euroraum bewirken, schreiben die Studienautoren Ulrike Stein, Sabine Stephan und Rudolf Zwiener.

Diese Aussage treffe auch auf Österreich zu, sagt Wifo-Experte Thomas Leoni, wenngleich auch nicht im gleichen Ausmaß wie für Deutschland: „In Österreich haben sich die Arbeitskosten nicht ganz so schwach entwickelt wie in Deutschland.“ Hierzulande hätte man den Mix aus Warenkorb und Handespartnern in den Jahren 2003 bis 2011 konstant halten können, während sich in Deutschland die preisliche Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert habe.

„Die Lohnentwicklung müsste sich an der Produktionsentwicklung orientieren“, so der Forscher. Eigentlich sollte das Bruttoinlandsprodukt pro Beschäftigtem „das Maß für die Löhne sein“. Leider aber werde in Österreich dieser lohnpolitische Spielraum nicht genutzt, erklärt Leoni. „Die Löhne müssten zumindest die Inflation abfangen, besonders im Mittelbau stagnieren die Reallöhne aber seit Jahren.“ Leoni: „Produktivität ist das Maß aller Dinge.“

Kuchen nicht verteilt

Bisher hinterher hinkende Staaten versuchen hier aufzuholen, das zeigen die durchschnitt­lichen jährlichen Wachstum­sraten der Arbeitskosten (siehe Grafik rechts). „Die Löhne osteuropäischer Länder sind  in den vergangenen Jahren über dem Durchschnitt gestiegen und das soll auch so bleiben“, so der Arbeitsmarktexperte.
Außerdem, so Leoni, dürften die Arbeitskosten in den westlichen Ländern Europas ruhig etwas höher sein: „Der volkswirtschaftliche Kuchen wurde bislang nicht gerecht genug verteilt, die Löhne hinken da hinter her.“ Erst wenn sich die Löhne wirklich an der Produktivität orientieren würden, sei eine sinnvolle Lohnpolitik gegeben, erläutert der Forscher. Und dann wären es nicht die Arbeitskosten, die zählen, sondern die Lohnstückkosten.

15:03

Schlagabtausch zwischen Minister Stöger und Tourismusbranche

14:54

Minister Stöger will Geld aus "Lex Bank Austria" in Gemeinden investieren

11:59

Alt-Kanzler Faymann zieht Lobbying-Auftrag an Land

4,3 Prozent

Österreich verzeichnet laut Eurostat auch im Oktober die geringste Arbeitslosenrate der EU-27. Während die Arbeitslosenquote in der Eurozone mit 11,7 Prozent einen neuen Rekordwert erreicht, sank sie hierzulande innerhalb eines Monats auf 4,3 Prozent. (apa)

"Die Löhne Osteuropas sind über dem Durchschnitt gestiegen"

Thomas Leonie, Wifo-Experte

Kommentare

1 Kommentare

Gast: CFO meint

Viel zu kompliziert, was die Volkswirte da von sich geben!
Da lobe ich mir die betriebswirtschaftliche Betrachtung:
Gewinn = Umsatzerlöse - Kosten
Gewinnmaximierung bedeutet Umsatzerlöse rauf und gleichzeitig Kosten, insbesondere Lohnkosten runter.
Um den Konsum brauchen sich meine Mitarbeiter nicht zu kümmern, das mache ich schon selbst.
Ich bin ja sozial, und habe mir daher gestern meinen dritten Porsche gekauft, damit für hinreichend Konsum gesorgt ist.

verfasst am 02.12.2012, 05:43

09:49

Junge Sparer in Österreich – fleißig aber uninformiert

Die heimischen Sparer zwischen 18 und 34 zählen laut Studie zu den fleißigsten in Europa. Mit ihren Finanzen beschäftigen sie sich aber dennoch nicht sehr intensiv.

09:23

Wie das Geld in Niederösterreich verteilt ist

Vor allem die niederösterreichischen Regionen rund um Wien profitieren von einem Anstieg der Kaufkraft ihrer Bewohner.

08:53

Bundesheer-Miliz soll deutlich wachsen

Statt derzeit rund 25.700 soll es bis zum Jahr 2026 31.200 Milizsoldaten geben, kündigte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) gegenüber der APA an.

24.09.2016, 19:03

Flüchtlingsgipfel bringt Einigkeit bei Stärkung von EU-Außengrenzen

Auch wenn es am Wiener Flüchtlingsgipfel keine konkreten Beschlüsse gab, die Positionen über bestimmte Maßnahmen haben sich teilweise angenähert.

24.09.2016, 17:41

„Sicherstellen, dass die Westbalkanroute für illegale Migration für immer geschlossen ist"

Zum Start des Flüchtlingsgipfels in Wien betonten EU-Vertreter den verstärkten Schutz der Außengrenzen. Ebenso pochten sie aber auch auf die Einhaltung der EU-Verträge: "Solidarität gibt es nicht a la carte."