03.12.2012, 21:59  von Christian Kreuzer, Barbara Forstner, Petra Spescha

Betrieben geht Regelung zur Kurzarbeit nicht weit genug

AMS erwartet mehr Kurzarbeit / Bild: dpa

Unternehmen können sich durch die Reform im nächsten Jahr eine Million € sparen. Das Arbeitsmarktservice rechnet 2013 mit deutlich mehr Zuschüssen für Kurzarbeit.

Wien. Am Wochenende haben die Regierungsparteien die Kurzarbeit neu geregelt. Von Unternehmensseite bekommt die Politik nur wenig Applaus. Dass der Staat ab 2013 den Arbeitgeberanteil für die Sozialversicherung schon ab dem fünften, statt wie bisher ab dem siebenten Monat übernimmt, ist für den Linzer Stahl-und Technologiekonzern Voestalpine nur „ein Randthema" in der Kurzarbeitsdiskussion. „Für uns ist die Flexibilität der wichtigste Punkt, und die ändert sich nicht. Wir fordern, dass man Kurzarbeit schnell umsetzen kann", sagt Voestalpine-Sprecher Peter Felsbach. Derzeit fährt der börsenotierte Stahlkocher in einem Werk in Spanien Kurzarbeit. In Österreich ist dies derzeit nicht angedacht.

Für Bernhard Reisner, Vice President Human Capital beim oberösterreichischen Autozulieferer Miba, sind die Änderungen zwar „nett", gehen aber nicht weit genug: „Sie sind sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, aber im Vergleich zum deutschen Mitbewerb ist die Kurzarbeit noch immer nicht gleichwertig." Polytec-Chef Friedrich Huemer hat Erfahrung mit Kurzarbeit, aber „nicht in Österreich, weil das Modell so schlecht ist", wie er erklärt. Einen Anreiz, früher oder überhaupt in Kurzarbeit zu gehen, biete ihm die neue ­Regelung nicht. SBO-Chef Gerald Grohmann sieht die Neuerung zwar grundsätzlich positiv, kritisiert jedoch die restriktive Kündigungsmöglichkeit nach Ablaufen der Kurzarbeit: „Das ist dann besonders schlimm, wenn die Konjunktur stark nach unten geht", sagt der Chef des Ölfeldausrüsters.

Eine Million einsparen

Mit der neuen Kurzarbeit dürften sich die Unternehmer im kommenden Jahr rund eine Million € ersparen, rechnet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales vor. Dennoch kommt 2013 auf die Wirtschaft eine Belastung von 9,2 Millionen € zu, besagen die Schätzungen. Die öffentliche Hand, sprich das AMS, dürfte rund 15 Millionen € zuschießen.
Positiv sieht man die neue Kurzarbeit beim Autozulieferer Pollmann. „Die neue Regelung ist ein annehmbares Mittel, um Kurzarbeit attraktiver zu machen", sagt Erwin Negeli, Geschäftsführer von Pollmann im niederösterreichischen Karlstein. Bei Pollmann ist für die rund 500 Mitarbeiter derzeit keine Kurzarbeit angedacht. Ausschließen will Negeli aber nichts: „Wir stehen vor einer schwer abschätzbaren Krise. Wenn bei uns Kurzarbeit kommt, hoffen wir, dass sie nicht länger als fünf Monate dauert, sonst ist es eine kritische Situation." Pollmann musste in der Krise 2009/10 gut die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit schicken und Personal abbauen.

Streit um Zahlen

Derzeit wird österreichweit in 31 Betrieben kurz gearbeitet. Insgesamt sind davon 2821 Mitarbeiter betroffen. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2010 (siehe Grafik).Nach Berechnung der Industriellenvereinigung hat die Maßnahme 2008/09 insgesamt 450 Millionen € gekostet, wovon die Unternehmen zwei Drittel gezahlt haben sollen. 114 Millionen € steuerte die öffentliche Hand und 41 Millionen € die Arbeitnehmer bei. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales legt hingegen ganz andere Zahlen vor. So habe das AMS in den Jahren 2009 bis 2011 174,5 Millionen € beigetragen, die Arbeitgeber hingegen lediglich 144,3 Millionen €.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

16:32

Haselsteiner will bei Teilprivatisierung von Flughafen Klagenfurt mitmischen

16:03

Swietelsky baute auch 2014/15 bessere Zahlen

15:46

Heta-Desaster: Nach VfGH-Spruch wachsen die Sorgen in Kärnten

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    14:35

    Egger Holz erzielte Rekordumsatz und Gewinnplus

    Der Holzkonzern Egger mit Stammsitz in St. Johann in Tirol hat im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 2,26 Mrd. Euro abermals einen neuen Rekordumsatz (Vorjahr: 2,18 Mrd. Euro) erzielt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

    13:37

    Insolvent am 30. Juli 2015

    Täglich aktuell auf wirtschaftsblatt.at: Diese Insolvenzen hat der KSV1870 mit heutigem Datum registriert.

    13:36

    Wahl in Oberösterreich – FPÖ zieht erneut die Ausländerkarte

    Die FPÖ Oberösterreich hat im Wahlkampf für die Landtagswahl am 27. September erneut die Ausländerkarte gezogen. Und fordert unter anderem Dinge wie einen jährlichen "Islamisierungsbericht" oder "Erst Deutsch, dann Schule". Und wenn das nicht hilft, dann kann man immer noch die "Familie stärken" – mit dem Nein zur Homo-Ehe.

    13:31

    Neu im Geschäft am 30. Juli 2015

    Die Neugründungen von Unternehmen lesen Sie täglich aktuell auf wirtschaftsblatt.at. Diese Unternehmen wurden laut KSV1870 neu eingetragen.

    12:27

    Tschürtz fordert "mehr Härte": Heer an die Grenze – "und alle Flüchtlinge abweisen"

    Nach Ansicht des burgenländischen Landeshauptmannstellvertreters Johann Tschürtz (FPÖ) sollte Österreich in der Asylproblematik insgesamt "mehr Härte" zeigen. Tschürtz forderte am Donnerstag in Eisenstadt eine 48-stündige Ausgangssperre für Asylwerber nach dem Aufgriff.

    Die Redaktion empfiehlt

    Umfrage

    • Würden Sie privat Flüchtlinge bei sich aufnehmen?
    • Ja, sofort
    • Ja, mit staatlichen Zuschüssen
    • Nein, ist Staatsaufgabe
    • Nein, Österreich sollte keine Flüchtlinge aufnehmen
    • Weiß nicht