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20.12.2012, 09:40 von Thomas Pressberger
Wien. Klingt nach Anglerlatein, ist aber keines: Um die Abhängigkeit innerhalb der EU von Fisch aus Nicht-EU-Ländern darzustellen, wurde der "Fisch-Dependence-Day" ins Leben gerufen. Bis zu diesem Tag kann sich ein Land selber mit Fisch versorgen, danach ist es abhängig von Importen. In Österreich sieht die Bilanz mager aus: Der hiesige Fisch-Dependence-Day ist am 14. Jänner. Die Alpenrepublik kann sich gerade mal zwei Wochen mit Fisch aus Eigenproduktion versorgen und liegt damit in der EU auf dem vorletzten Platz. Dahinter folgt nur noch Malta, wo die eigenen Bestände bis zum 8. Jänner reichen.
Mit 3300 Tonnen war die Erzeugungsmenge in Österreich 2010 gleich groß wie 1995, die Selbstversorgungsrate sank im selben Zeitraum jedoch von acht auf fünf Prozent. Das bedeutet, dass der Verbrauch bei stagnierender Produktion deutlich gestiegen ist. 2007 erreichte der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch seinen Peak mit 8,3 Kilo und sank bis 2010 wieder auf 7,3 Kilo ab. Die Gründe sind schwer zu benennen, meint Axel Hein, Fischexperte von WWF Österreich: "Vielleicht hängt das mit dem Pangasius-Boom zusammen." Der milde Fisch habe viele Nicht-Fischesser angesprochen, der Boom flaute jedoch bald wieder ab. Mit 10,5 € pro Monat geben die Österreicher dennoch fast gleich viel wie für Rind, Kalb, Schwein und Geflügel aus. "Ein Zeichen, dass Fleisch aus Massentierhaltung günstiger ist", sagt Hein.
Exoten gegen Stars
Auch im Ranking der produzierten Fischarten herrscht Bewegung. Der lange unangefochtene Star, die Regenbogenforelle, ist völlig out. Die Produktion ging seit 2005 um 30 Prozent zurück. Auch die Bachforelle hat schon bessere Zeiten gesehen. Stark gefragt sind dagegen Saibling, Karpfen und Exoten wie der Huchen, der sogenannte "Donaulachs" mit Wachstumsraten zwischen zehn und 70 Prozent. Geradezu einen Höhenflug legt der Wels mit Steigerungsraten von fast 7000 Prozent hin. "Es wird verstärkt produziert, was gut züchtbar und ertragreich ist", sagt Hein. Der Marktwert der österreichischen Aquakultur-Produktion hat sich seit 1990 auf 21 Millionen € verdoppelt, was daran liegt, dass mehr hochpreisige Produkte, wie der Alpenlachs oder Bio-Fisch, hergestellt werden.
Hein sieht noch großes Potenzial in Österreich, die Produktionsmenge ließe sich steigern. Ob die vom Lebensministerium heuer ausgerufene Strategie "Aquakultur 2020", die eine Verdoppelung der Produktion bis 2020 vorsieht, realistisch ist, bezweifelt er. "Ein Drittel mehr ist aber drinnen." Bisher sei jedoch noch nicht viel geschehen, die Teichflächen und Produktionsmengen würden vorläufig noch stagnieren. 483 Betriebe suchen derzeit ihr Auskommen im Fischteich. Die Bedeutung von Fisch ist in Österreich dennoch relativ groß, resümiert Hein, doch werde das Land immer gegen den Strom schwimmen und eine "Fleischfressernation" bleiben.
Ob der Fisch-Dependence-Day in Bälde nach hinten rückt, ist also fraglich. Spitzenreiter bei der Selbstversorgung ist übrigens Dänemark, die Fisch-Unabhängigkeit währt bis zum 1. November. Finnland kann sich bis zum 21. Oktober selber versorgen und Großbritannien bis zum 21. August.
(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-12-20)
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2 Kommentare
Gast: ökono-mist meint
verfasst am 05:18 30.12.2012
Gast: ökono-mist meint
verfasst am 02:15 06.01.2013