20.12.2012, 11:56  von Leo Himmelbauer

Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer rettet Backhausen

Bild: EPA (MICHAEL KAPPELER)

Textilhersteller Backhausen bleibt in östereichischen Händen. Eine Investorengruppe, zu der Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer gehört, verspricht einen raschen Neustart

Wien. Die Zukunft des traditionsreichen Waldviertler Textilunternehmens Backhausen ist gesichert. Im Rahmen des heute, Donnerstag, abgeschlossenen Bieterverfahrens über die Backhausen interior textiles GmbH ging der Zuschlag an die österreichische Investorengruppe BHN Sileo GmbH unter Führung von Cudos Capital AG. Diesem Konsortium gehören auch die Hypo Niederösterreich und die Interfides Management Solutions GmbH an. An Cudos ist mit 25 Prozent Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer beteiligt, der auch Aufsichtsvorsitzender des Investors ist. Laut KSV werden alle Fahrnisse, Liegenschaften und Markenrechte gekauft, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

„Wir haben uns eingehend mit der Situation des Unternehmens Backhausen befasst und sind vom Produkt ebenso wie vom Marktpotenzial überzeugt. Nun freuen wir uns darauf, das Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeitern zu neuen Erfolgen zu führen. Als österreichische Investoren wissen wir den Wert eines solchen Traditionsunternehmens und regionalen Aushängeschildes wie der Firma Backhausen ganz besonders zu schätzen", teilte Alon Shklarek, Partner und Vorstandsvorsitzender der Cudos, am Donnerstag mit.

Das Fortführungskonzept sieht den Erhalt eines Großteils der Arbeitsplätze vor. Der Textilbetrieb wird nun umgehend wieder voll handlungsfähig gemacht. Dazu zählt auch die bereits erfolgte Ausstattung des Unternehmens mit notwendigen Eigenmitteln. Als Geschäftsführer wurden der Sanierungsspezialist Wolfgang Lackinger und der erfahrene Manager und Marketingexperte Jürgen Teubenbacher eingesetzt. Teubenbacher hält als Miteigenümer der Interfides Management Solutions GmbH selbst Anteile am Unternehmen.

Bereits morgen, Freitag, wird eine Betriebsversammlung abgehalten, anlässlich derer die neue Geschäftsführung die Mitarbeiter über die neue Struktur sowie die künftige Unternehmensstrategie informiert.

Über Backhausen war im Oktober das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Nach monatelangen Verhandlungen wurde nun eine Lösung gefunden, die ohne Zerschlagung des Unternehmens auskommt und den nachhaltigen Fortbestand des traditionsreichen Textilbetriebes sichert.

Cudos wurde im Februar  gegründet wie auch die microC GbmH. An beiden Gesellschaften sind zu je einem Viertel  Gusenbaues Projektentwicklung & Beteiligung GmbH, die Beteiligungs- und Vermögensverwaltung von Leopold Specht, die Unternehmensentwicklungsfirma Cironsord von Andreas Frech und Shklarek Alons ASP Holding beteiligt. Gusenbauer, Peter Doralt und Günther Robol sitzen im Aufsichtsrat der Cudos, die 51 Prozent am Backhausen-Retter BHN Silio hält. Weitere 44 Prozent liegen über die Strategic Equity bei der Hypo Niederösterreich, fünf Prozent bei der Interfides von Werner Festa und dem neuen Backhausen-Chef Jürgen Teubenbacher.

Ob die Familie Backhausen, in deren Besitz die Firma 160 Jahre lang stand, noch eingebunden bleibt, ist noch nicht geklärt. Rein rechtlich hat die ehemalige Eigentümerfamilie jetzt nichts mehr zu sagen.

Die noch vor zwei Tagen von (Ex)-Firmenchef Reinhard Backhausen in Aussicht gestellte Gruppe um den indischen Seidenfabrikant Chamundi Silks und der österreichischen Sanierungsgesellschaft Value Management Services (VMS) kam also nicht zum Zug. Laut Masseverwalter Wolfgang Mayrhofer handelt es sich bei den nun zum Zug gekommenen Käufern um einen "Plan B", wie er zur APA sagte. VMS und Chamundi Silks seien nicht in der Lage gewesen, das nötige Kapital aufzubringen. Aus seiner Sicht wären sie aber die Favoriten gewesen. VMS-Geschäftsführer und -Miteigentümer Paul Niederkofler widersprach dem bereits gestern. Die nötige Summe von einer Million Euro hätte aufgebracht werden können.

(Leo Himmelbauer/Ursula Rischanek)

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Kommentare

5 Kommentare

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Das ist keine Rettung sondern eine riesige Schweinerei auf Kosten der Familie Backhausen, der Arbeitnehmer und schlußendlich auch Österreichs, im speziellen des Waldviertels. Hier wurde absichtlich seitens der Politik ein Unternehmen ruiniert (oder zumindest wurde der Todesstoss erteilt), es dann großmächtig zu "retten" und in Folge mit seinem guten Namen wieder Geld zu machen. Bald, aber zu einer Zeit, wo die Medien sich nicht mehr dafür interessieren, wird es wieder Probleme geben und die Arbeitsplätze durch Schliessung oder Verschacherung ans Ausland verlorengehen. Ich habe Mitgefühl und Respekt für die betroffenen Menschen, die ihr bestes gegeben haben und seit jahren unter extremer Anspannung stehen. Leider wurden ihre Bemühungen ein "Aushängeschild" Österreichs und die Arbeitsplätze zu erhalten zunichte gemacht.

verfasst am 18:21 20.12.2012

Auf Kosten der Familie Backhausen?????? Weißt du überhaupt was du schreibst???
Die Herren Backhausen waren eigentlich diejendigen die das GANZE verursacht haben, speziell der so Hoch am Roß sitzende Herr Präsident.. Aber wie heißt´s so schön.... das was du säst wirst du ernten....IN Worten,Taten etc.
Und wenn du die betroffenen Menschen die unter extremer Anspannung stehen,standen mal frägst, wirst du durch die Bank
die gleiche Antwort erhalten....Also nimm dir die Zeit fahr in´s Waldviertel und frag sie mal persönlich die Mitarbeiter von Hoheneich, und dann schreib uns deinen Eindruck und dein Erlebtes.... In diesem Sinne treffen sich hier zwei Sichtweisen ... Meine ist eine Life erlebte....Im Leben EBEN und Grüss Gott

verfasst am 19:12 20.12.2012

betroffen meint

Ich kann Ihnen da nur Recht geben. Die Mitarbeiter haben sich "einen Haxen ausgerissen" und getan was sie konnten, aber wenn es an der Spitze nicht stimmt ist alles vergebene Liebesmüh'. Es ist sehr schade um diese Firma. Das Einzelhandelsgeschäft in der Schwarzenbergstraße wird fehlen. Wo gab und gibt es denn eine derartiges Angebot an hochwertigen Stoffen.

verfasst am 10:16 22.12.2012

Welche Rettung ? Eine ahnungslose Truppe von Finanzjongleuren kauft ein Traditionsunternehmen... und wird es wohl weiterverkaufen. Und welche Rolle spielt der strafrechtlich beschuldigte Wirtschaftsprüfer im OeBS-Skandal dabei ? Zuerst Al Jaber, jetzt dieser Drahtseilakt mit Jongleuren. Eine seriöse Lösung für dieses Traditionsunternehmen müßte doch möglich gewesen sein ? Es liegt ja weniger an der lächerlichen Million EUR, sondern eher am strategischen Konzept für das Unternehmen, das tatsächlich einen internationalen Partner gebraucht hätte. Wie Vieles in Österreich. Einfach unverständlich.

verfasst am 14:34 20.12.2012

in Ruhe meint

stoffe von backhausen sind eine qualitätsmarke, die den weltmarkt erobern könnte. wichtig war der erhalt der marke und der arbeitsplätze im waldviertel. der gusenbauer hat mit diesem schritt sein geld sicher gut angelegt.

verfasst am 13:58 20.12.2012

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