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23.12.2012, 10:32 von Leo Himmelbauer
Wien/Innsbruck/Berlin. Die Signa Unternehmensgruppe rund um den Tiroler Rene Benko hat für mehr als 1,1 Milliarden Euro ein Einzelhandelsportfolio gekauft, zu dem 17 Warenhäuser in besten Innenstadtlagen Deutschland gehören. Alle Objekte sind langfristig an Karstadt vermietet und gehören zum Highstreet-Portfolio, wie Signa am Samtag mitteilte.
Teil des Portfolios ist auch das legendäre Berliner "Kaufhaus des Westens" KaDeWe, für das allein Beko eine halbe Milliarde Euro bezahlt haben soll. Das KaDeWe empfängt mit seinen 60.000 Quadratmetern täglich bis zu 180.000 Kunden aus aller Welt und ist das größte Kaufhaus Kontinentaleuropas. Der 1907 eröffnete und zuletzt 2004 umgebaute Einkaufstempel erstreckt sich über sieben Etagen.
Verkäufer ist die Investorengruppe Highstreet, an der unter anderem die US-Großbank Goldman Sachs sowie die Deutsche Bank Tochter RREEF als Hauptgesellschafter beteiligt sind.
Für Signa ist der Milliardendeal ein Meilenstein: Die Unternehmsgruppe gehört mit ihrem Investitionsvolumen von 5,5 Milliarden Euro auf einen Schlag zu den führenden Unternehmen für innerstädtische Einzelhandelsimmobilien jetzt auch in Deutschland. Signa hatte bereits im Jahr 2011 von Highstreet den Münchner Oberpollinger sowie weitere Karstadt-Immobilien erworben. Damit gehören dem Unternehmen nun zwei der drei Premium-Warenhäuser von Karstadt. Eigenen Angaben zufolge is Signa auch der grösste private Eigentümer von Immobilien um Zentrum von Wien.
Signa-Chef Benko wird Anfang des nächsten Jahres über den Erwerb des High-Street Portfolios sowie über die mittelfristige europäische Wachstumsstrategie ein Pressegespräch abzuhalten, wie er am Samstag ankündigte.
Die Signa Prime Selection AG, die das Highstreet-Portfolio erworben hat, konzentriert sich auf die Investition und das langfristige Halten von außergewöhnlichen Immobilien in besten Innenstadtlagen europäischer Städte. Aufsichtsratsvorsitzender ist Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Dem Aufsichtsrat gehört unter anderem Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking an, der auch mit 3,12 Prozent an der AG beteiligt ist. Die Schweizer Falon Private Bank hält 13,63 Prozent, die Icarus Invest Anstalt aus Liechenstein 3,12 Prozent.
Gusenbauer ist unter anderem auch Aufsichtsratsvorsitzender des Baukonzerns Strabag und des Finanzinvestors Cudos, der vor kurzem den insolvten Textilhersteller Backhausen übernommen hat.
Die Geschichte des Unternehmens Signa begann Ende 1999. Damals gründete der Tiroler Benko, der mit 17 Jahren die Schule abgebrochen hat und aus einfachen Verhältnissen stammt, mit einem Partner das Zwei-Mann-Unternehmen Immofina. Die Firma widmete sich zunächst Projekten im Gesundheitsbereich. 2006 wurde sie in Signa umbenannt. Seit 2009 ist der griechische Reeder und Milliardär George Economou im Boot. Ene nicht rechtskräftige Haftstrafe auf Bewährung 2012 bremsten den Höhenflug von Benko, dem beste Kontakte in Wirtschafts- und Politkreise nachgesagt werden, zunächst. Am Wiener Straflandesgericht wurde Benko gemeinsam mit seinem Steuerberater im November wegen des Versuchs einer verbotenen Intervention einer Steuersache in Italien zu 12 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die zuständige Richterin sprach damals von einem "Musterfall für Korruption". Benko legte Berufung ein, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Tiroler wies alle Vorwürfe zurück.
Wiedeking zuversichtlich
Der frühere Porsche -Chef Wendelin Wiedeking hat sich zuversichtlich zu einem drohenden Gerichtsverfahren wegen Marktmanipulation geäußert. "Sollte es zu einem Verfahren kommen, so sehe ich dem ganz gelassen entgegen", sagte er dem Magazin "Focus" laut Vorabmeldung. Von den ursprünglich erhobenen Vorwürfen der Staatsanwaltschaft sei ja nicht mehr viel übrig, sagte Wiedeking. "Und mit dem, was übrig geblieben ist, setzt sich die Staatsanwaltschaft in Widerspruch zu ihren beauftragten Sachverständigen."
Wiedeking hatte den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche vom Sanierungsfall zum zeitweise profitabelsten Autobauer der Welt gemacht. Vor sieben Jahren hatten er und sein Finanzchef Holger Härter mit Rückendeckung des Porsche-Aufsichtsrates sowie des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech Pläne zur Übernahme des Wolfsburger VW-Konzerns geschmiedet, die letztlich aber Mitte 2009 kurz vor Abschluss gescheitert waren.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat nun Anklage erhoben und rechnet mit einem Prozessbeginn im Februar oder März. Den Managern wird vorgeworfen, durch falsche Angaben oder das Verschweigen von Informationen den Finanzmarkt über die Porsche-Pläne beim VW -Einstieg getäuscht zu haben. Mit Hilfe falscher Angaben zum Umfang von Optionsgeschäften sollen Wiedeking und Härter einen Kurssprung bei VW-Aktien herbeigeführt haben. Dabei verloren Investoren viel Geld. Einige von ihnen haben Klage eingereicht, so dass sich die Schadenersatzforderungen gegen die Autokonzerne inzwischen auf mehrere Milliarden-Euro belaufen.
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Kommentare
6 Kommentare
Gast: marcelus meint
verfasst am 16:11 25.12.2012
Gast: Interessierter Leser meint
verfasst am 21:06 23.12.2012
Gast: silver surfer meint
verfasst am 07:09 24.12.2012
chrisliom meint
verfasst am 10:49 23.12.2012
Gast: ernstexpert meint
verfasst am 17:44 23.12.2012
Gast: ökono-mist meint
Und jetzt kann man ihm nur noch alle Tage 8. Dezember, verbunden mit einer betraglich genau festgesetzten Weihnachtseinkaufsverpflichtung für jeden Staatsbürger, diesfalls ausgerufen durch das ZDF - á la: "Jeder Deutsche gibt heuer € 360,--für Weihnachtsgeschenke aus") wünschen; in Österreich funktioniert das mit dem unterschwelligen gesellschaftlichen Druck ja auch reibungslos: Wer keine 360 Euro zum Hinausschmeißen hat, soll sich elend und unwürdig fühlen. Unwürdig, ein Staatsbürger des Konsumparadieses zu sein...
verfasst am 02:47 23.12.2012