23.12.2012, 08:14

Neue Basis für die Gaststätten-Pauschalierung

Finanzministerin Maria Fekter / Bild: APA GEORG HOCHMUTH

Das Finanzministerium will die Gewinnpauschalierung, die bisher für Gaststätte gegolten hat, auf alle Kleinunternehmer mit einem Jahresumsatz bis 255.000 Euro ausweiten.

Wien. Die sogenannte Gaststättenpauschalierung wird ab 2013 völlig neu gestaltet, sie wird von einer Gewinn- auf eine Ausgabenpauschalierung umgestellt. Eine Reform war nötig geworden, weil der Verfassungsgerichtshof (VfGH) die bisherige Regelung als gleichheitswidrig aufgehoben hatte.

   Die bisherige Gewinnpauschalierung sah für Betriebe mit einem Jahresumsatz von maximal 255.000 Euro einen zu versteuernden Gewinn von 5,5 Prozent der Einnahmen plus 2.180 Euro, mindestens jedoch 10.900 Euro, vor. Diese undifferenzierte Vollpauschalierung führte in zahlreichen Fällen dazu, dass die Steuerbemessungsgrundlage erheblich von dem abwich, was sich unter Zugrundelegung einer regulären Gewinnermittlung ergeben hätte. Es galt „der gleiche Gewinn für den Würstelstand wie für die Pension, es wurde unter den Betrieben zu wenig differenziert“, erklärte Fekter. Nun werden nicht die Gewinne, sondern die Ausgaben pauschaliert und zwar modulartig mit 20 Prozent des Jahresumsatzes. Die Finanzministerin sprach von einem „Quantensprung an Verwaltungsvereinfachung, sowohl für die Betrieben als auch für die Finanzverwaltung“. Mit einer Ausweitung auf alle KMUs mit einem Jahresumsatz von maximal 255.000 Euro könnte man diese Verwaltungsvereinfachung für die Hälfte aller Unternehmen, das wären rund 150.000, anwenden, erklärte Fekter

   Die neue Verordnung sieht ein modulares System vor, bestehend aus einem Grundpauschale, einem Mobilitätspauschale und einem Energie-und Raumpauschale. Die Inanspruchnahme des Grundpauschales ist Voraussetzung für die Inanspruchnahme der beiden anderen Pauschalien. Das Grundpauschale beträgt zehn Prozent, mindestens jedoch 3.000 Euro und umfasst Betriebsausgaben wie Bürobedarf, Werbung, Versicherungen, Fachliteratur und Fortbildung des Unternehmers. Das Mobilitätspauschale beträgt zwei Prozent und ist mit dem höchsten Pendlerpauschale gedeckelt. Es umfasst sämtliche Kfz-Kosten und betriebliche Kosten für Nutzung anderer Verkehrsmittel sowie Reisekosten.

   Das Energie- und Raumpauschale in Höhe von acht Prozent umfasst alle Kosten für Strom, Gas/Öl, Reinigung sowie liegenschaftsbezogene Aufwendungen und Versicherungen. Werden sämtliche Pauschalien in Anspruch genommen, beträgt der Pauschalsatz somit 20 Prozent. Neben der Pauschalien bleiben bestimmte Betriebsausgaben weiterhin voll abzugsfähig. Dazu gehören Wareneinsatz, Löhne und Lohnnebenkosten, Sozialversicherungsbeträge, Aus- und Fortbildung von Arbeitnehmern, Instandhaltung und Instandsetzung sowie Miete und Pacht.

   Ein Beispiel: Ein Betrieb hat einen Umsatz von 160.000 Euro und nimmt alle Module in Anspruch. Das ergibt 32.000 Euro pauschalierte Betriebsausgaben. Von den verbleibenden 128.000 Euro können noch alle Kosten, die nicht pauschaliert sind, abgezogen werden. Der Restbetrag stellt die Bemessungsgrundlage dar und wird zum Tarif versteuert.

   Im Gegensatz zur bisherigen Pauschalierung ist eine Bindungswirkung bei Eintritt und Austritt in die oder aus der Pauschalierung vorgesehen. Das soll verhindern, dass jährlich – je nach jeweiliger Günstigkeit – zwischen den Besteuerungsformen gewechselt wird. Wird die Pauschalierung erstmals in Anspruch genommen, ist man verpflichtet, in den beiden folgenden Wirtschaftsjahren dieselbe Vorgangsweise zu wählen wie im ersten Jahr.

(APA)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

16:04

Nach EU-Budget-Rüge: Schelling sagt Nulldefizit 2016 zu, weitere Maßnahmen 2015

15:55

Westenthaler-Prozess: Die Förder-Million für den Fußball-Nachwuchs...

15:27

Air Alps hat einen neuen Mehrheitseigentümer – Liquidation abgesagt

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    14:51

    EU-Klimaziele: 16.600 Jobs in Österreich in Gefahr – "Der Abwanderungsdruck steigt"

    Für die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) erhöhen die EU-Klima-Beschlüsse die Industrie-Abwanderungsgefahr aus Europa.

    14:10

    ÖIAG reißt sich auch um die Hypo

    Die kryptische Anmerkung von ÖIAG-Aufsichtsratschef Siegfried Wolf."in der nächsten Zeit" auch für marode Banken "Vorsorge treffen" zu wollen, gewinnt an Kontur: Offenbar geht es um die Abwicklung der Hypo.

    12:08

    Stromsparen per Mausklick auslagern

    Für viele KMU ist der Wechsel des Strom- oder Gasanbieters ein Aufwand. Die Onlineplattform Chill-E übernimmt die Suche und bietet dem Kunden das günstigste Angebot an.

    11:58

    Andritz-Chef Leitner nicht mehr ÖIAG-Aufsichtsratsmitglied

    Das Personalringelspiel bei der Staatsholding ÖIAG dreht sich nicht nur in Sachen Alleinvorstand Rudolf Kemler. Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Leitner hat, wie die ÖIAG gegenüber der APA bestätigt, das Gremium über eine schriftliche Mitteilung mit 21. Oktober verlassen.

    11:48

    Strom-Netztarife steigen 2015 in Wien, Steiermark, Klagenfurt spürbar

    Wegen kräftiger Investitionen der Strom-Versorger in Wien, der Steiermark und Klagenfurt werden die Netztarife dort Anfang 2015 bei der jährlichen Anpassung spürbar erhöht.

    Umfrage

    • Wie stehen Sie zu dem Handelsabkommen TTIP?
    • TTIP sollte abgeschlossen werden
    • Zustimmung nur nach Entschärfung riskanter Punkte
    • Generell dagegen