27.12.2012, 14:35

Wifo-Experte will Hypo Kärnten abdrehen

Bild: (c) APA GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Finanzmarktkrise. Franz Hahn urgiert die Schließung der Hypo Alpe Adria und fordert ein Bankeninsolvenzrecht. Großer Ärger bei der Hypo.

Wien/Klagenfurt. Franz Hahn, Bankenexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), hat am Donnerstag seine Empfehlung bekräftigt, die Ende 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria Bank zu schließen.
Die Bankenkrise sei nicht vorbei. Sie werde erst dann vorüber sein, wenn der Schock, den die Finanzkrise ausgelöst habe, aus den Bankenbilanzen verschwunden sei, sagte Hahn im Hörfunk-Mittagjournal. Das werde noch einige Jahre dauern und noch ganz fundamentale Konsolidierungsanstrengungen erfordern. Immer noch gebe es viele faule Kredite, die die Banken abzuschreiben hätten. Und insgesamt gebe es zu viele Banken in Österreich.

Weiterer Schrumpfungsprozess

Seit den 1990er Jahren sei die Zahl der Banken im Land von 1.200 auf 800 gesunken. Diese Zahl könnte sich nach Meinung des Experten in den nächsten zehn Jahren noch halbieren. Die Institute müssten Unternehmensgrößen erreichen, die ihnen tatsächlich ein effizientes Geschäftsmodell ermöglichten.

Ein effizientes Geschäftsmodell spricht Hahn der Kärntner Hypo derzeit gänzlich ab. Sinnvoll wäre es, würde man der Öffentlichkeit mitteilen, dass die Strategie nur sein könne, diese Bank aus dem Markt zu nehmen. Es liege in der Verantwortung der Politik, die Bank so zu schließen, dass die Kosten für die Steuerzahler so gering wie möglich ausfallen. Nichtsdestotrotz meint auch Hahn, dass die Milliarden, die schon in die Hypo gesteckt wurden, wohl nicht zurückkommen werden.

Der Experte urgierte ein Insolvenzrecht für die Banken. Auch müsse die Bankenaufsicht künftig vorbeugend so agieren können, dass es gar nicht so weit kommt, Banken wieder vor dem Zusammenbruch retten zu müssen. Hahn plädiert zudem für Eigenkapitalvorgaben, die über den Konjunkturzyklus variabel sein sollten.

Aufregung bei der Hypo

Ein Sprecher der notverstaatlichten Kärntner Hypo hat die Idee des Wifo-Bankenkexperten am Donnerstagnachmittag massiv kritisiert. Die Schließungsforderung sei "für das Unternehmen aus mehreren Gründen weder nachvollziehbar noch entspricht sie dem verantwortungsvollen Umgang eines Wirtschaftswissenschafters mit sensiblen Organisationen wie Banken und dem Bankenplatz Österreich", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Es handle sich um eine "fahrlässige Ferndiagnose in Richtung Kreditschädigung".

Hahn würde der Hypo "mit ihren 1,3 Millionen Kunden unreflektiert ein effizientes Geschäftsmodell absprechen", was nur an "mangelnden Informationen liegen" könne. Schließlich handle es sich bei der staatlichen Hypo um ein "Institut, das sich mit seinen operativen Bankeinheiten ausgeglichen in sieben Ländern trotzt schwierigster Marktbedingungen behauptet und nebenbei eine enorme Abbau- und Sanierungsleistung (rund zehn Mrd. Euro, Anm.) bewältigt", so der Sprecher.

(APA)

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Kommentare

3 Kommentare

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Es war für jeden Sachverständigen von vornherein klar, dass die Rettung sprich Notverstaatlichung der Hypo-Alpen-Adria teuer kommt als deren Zerschlagung. Die Verantwortlichen haben, wie bei den Hilfen an die maroden Staaten den teuersten Weg gewählt, zuerst weiterfinanzieren und gutes Geld dem bereits verlorenen nachwerfen und dann ist doch alles verloren.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/511632_Vorschau-2013.html

verfasst am 22:15 27.12.2012

Endlich spricht jemand aus, was ohnehin jeder denkt. Weder war die Bank jemals "systemrelevant" (wenn überhaupt, dann wohl nur für ein paar korrupte Provinzpolitiker oder einen Agrarökonomen), noch ist sie überlebensfähig. An der Spitze mit einem LIBRO-erfahrenen Beschuldigten, dessen Verschwinden von der Anklageschrift wohl ohnehin nur über die Annahme dieses Sanierungsjobs erklärbar ist. Nein, Sachpolitik war bei diesem Milliardendebakel weder gefragt, noch erwünscht. Die Vorgangsweise enspringt einem Verhalten, wie sie jüngst in "Prolokratie" so treffend beschrieben werden.

verfasst am 17:00 27.12.2012

Gast: ham meint

100% Zustimmung. Das Herumeiern bei der Hypo ist wirklich erbärmlich und zeigt die tatsächliche Schwäche im Finanzministerium. Mit "starken Sprüchen" bedient man den Pöbel während in Sachpolitik eine vollkommene Leere herrscht.

verfasst am 14:50 27.12.2012

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