06.01.2013, 15:32  von Andre Exner

Wiener „Insider“ glauben an die Zukunft ihrer Konzerne

Eduard Zehetner kauft seine eigenen Aktien / Bild: WB/Mayr

Lediglich acht Verkäufe, mehr als 30 Käufe: Die Chefs und die Aufsichtsräte der börsenotierten heimischen Unternehmen fanden 2012 viel Gefallen an ihren eigenen Aktien.

Wien. „Auf Roadshows in den USA werde ich immer wieder gefragt: Why don't you take this company private? (Warum nehmen Sie dieses Unternehmen nicht von der Börse, Anm.)", sagte Eduard Zehetner zuletzt zum WirtschaftsBlatt. Tatsächlich hat der ­Immofinanz-CEO im Vorjahr erneut kräftig bei den Aktien des Immobilienkonzerns zugelangt. Zehetner kaufte 190.000 Aktien im Gesamtwert von weit über einer halben Million €. Nachdem er bereits in den drei Jahren zuvor mehr als zwei Millionen Stück Immofinanz erstanden hat, hält er rund 0,2 Prozent am ATX-Player - der CEO ist damit laut dem Börsencomputer Bloomberg ein größerer Immofinanz-Aktionär als ­Institutionelle wie Credit Suisse oder Deutsche Bank.


Mit dem Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries, mit knapp sechs Prozent größter Immofinanz-Anteilseigner, kann es Zehetner aber trotzdem noch nicht aufnehmen. Fries steckte auch 2012 eine Million € in Immofinanz, bleibt aber bei unserer Insider-Topliste außen vor (siehe Grafik): Die Deals von langjährigen Großaktionären, Käufe der Eigner bei eignergeführten Unternehmen sowie Meldungen an die FMA infolge von Übernahmen, Pflichtofferts und Anteilsverschiebungen unter Eigentümergruppen haben wir nicht berücksichtigt.


Gutes Investment

Auf Platz zwei der Insider-Liste: Plansee-Chef Michael Schwarzkopf, seit Jahren im Aufsichtsrat von Voestalpine und Mayr-Melnhof. Er hat über seine Privatstiftung je etwa eine halbe Million € in diese Unternehmen gesteckt. Wie bei Zehetner ein gutes Investment: Wie der Immobilienwert brachten auch die ­Industrietitel im Vorjahr ­ordentliche Renditen und erfreuen Anleger mit einer soliden Dividende. Auf Platz drei landet Hans Peter Floren, der im Februar Nachfolger von Werner Auli als OMV-Gasvorstand wurde. Er erwarb 7500 Anteilsscheine des ATX-Schwergewichtes um knapp 200.000 €.


Nicht nur bei der OMV kaufte der Neue in der Chefetage sofort Aktien. Der neue CA-Immo-CFO Florian Nowotny, der mehrmals Aktien des eigenen Unternehmens erwarb, schaffte es aber nicht unter die Top 15, da sein Investment nur 30.000 € schwer war. Auch Anlegerschützer Wilhelm Rasinger, als Wienerberger-Aufsichtsrat meldepflichtig, kaufte zu wenig, um unter den Top-Insidern zu landen. Wienerberger-Boss Heimo Scheuch ist hingegen auf Platz 15. Er war neben Zehetner, Palfinger-Boss Herbert Ortner sowie den Chefs von Warimpex und Century Casinos offenbar der einzige heimische CEO, der 2012 so sehr an die Zukunft seines Unternehmens glaubte, dass er sein eigenes Geld investierte - wie gesagt abgesehen von eignergeführten Unternehmen wie SWUT, Porr oder KTM.


Zu früh verkauft

Doch darf man die heimischen Insider nicht schelten. Denn der bereits seit Krisenbeginn spürbare Trend setzte sich auch im Vorjahr fort: Die Vorstände, Aufsichtsräte und ihre Angehörigen gingen mit gutem Beispiel voran und waren mehrheitlich auf der Käuferseite. Es gab im gesamten Vorjahr lediglich acht Insider-Verkäufe. Am größten war jene Transaktion, als Raiffeisen-COO Aris Bogdaneris Aktien im Wert von 343.000 € verkaufte. Mal hoffen, dass er das Geld besser anzulegen wusste, als in die Papiere der Bank: Die RBI setzte ihren Höhenflug auch nach Bogdaneris' Ausstieg fort und war 2012 mit plus 57 Prozent die drittbeste Aktie im Wiener Leitindex.

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Kommentare

1 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500

... naja "von der Börse nehmen"... es beginnt also schon das laute Nachdenken darüber. Wäre eigentlich schon seit 2009/2010 eine "Spielart" gewesen. Leider (oder Gott-sei-dank) bei der derzeitigen Aktionärszusammensetzung noch kein Thema....

verfasst am 09:10 07.01.2013

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