16.01.2013, 12:53  von Oliver Jaindl

Mensdorff: Vorwurf der Dokumentenfälschung

"Heiligenschein" von Alfons Mensdorff-Pouilly verblasst / Bild: APA/Herbert Neubauer

Prozess. Nachdem der Richter auch angeblich kranke Zeugen vorführen ließ, bringt die Befragung erste interessante Details zu Tage.

Wien. Um 10.10 Uhr erschien schließlich die Zeugin Ingrid B., die sich zunächst "krank" gemeldet hatte. B. war eine Sekretärin in Mensdorffs Firma, die formal als Geschäftsführerin in einem Unternehmen eingetragen war. Welche Pflichten ein Geschäftsführer hat, wusste die Zeugin nicht. Auch sonst wollte oder konnte sich die - gesundheitlich angeschlagen wirkende - Zeugen an eher wenig erinnern, vor allem nicht an etwaige Bestechungsgeldern, die laut des zuvor befragten Zeugen in Ungarn geflossen sein könnten. Auch an Codewörter, bei deren Nennung laut Mensdorffs eigener Aussage Geld geflossen sei, konnte sich die Frau nicht mehr erinnern.

Verwandtschaftliche Bande

Ein weiterer Zeuge - ein studierter Betriebswirt - erinnerte sich, dass er Geld (laut aussage bei der Kripo: sechsstellige Beträge) für Mensdorff abgehoben und ihm bar gegeben oder "in den Safe gelegt" hat. "Hatten Sie dabei bedenken, dass die Behebungen unsauber sind?", wollte der Richter wissen. Der Zeuge erinnerte sich an nichts. Der Richter hielt dem Zeugen seine Aussage vor, dass der Betriebswirt bei den Bargeldbehebungen sehr wohl Bedenken gehabt hätte und er Mensdorff fragte, wofür das Geld gedacht ist. Der Zeuge hatte wieder Erinnerungslücken.
Als der Richter im Einvernahmeprotokoll weiter las, wonach der Zeuge - er ist weitschichtig mit Mensdorff verwandt - meinte, dass Mensdorff als Chef Choleriker gewesen sei, lachte der Angeklagte.

„Steht klar fest, dass das Fax-Dokument eine Fälschung ist."

Danach wurde ein Geschäftsmann vernommen, der hauptsächlich in Dubai tätig ist. Der Ingenieur konnte sich nicht erinnern, dass angeblich in seinem Büroprojekt in Dubai 4,67 Millionen € angelegt worden sein sollen. Vorgefundene Zahlungsbestätigungen seiner Firma seien - offenbar - gefälscht gewesen, da das Format nicht passte. Außerdem könnte niemand das Dokument abgeschickt haben, da weder er noch sein Geschäftspartner im Büro gewesen seien und diverse andere Merkmale seiner Firmen-Briefpapiere nicht passen würden, sagte der Zeuge aus. Conclusio: "Für mich steht klar fest, dass das Fax-Dokument eine Fälschung ist."

Danach wurde die Mutter eines der Geschäftsmänner befragt - auch sie erkannte Unregelmäßigkeiten bei Dokumenten. "Ich weise es auf das schärfste zurück", so die Zeugin, dass ihr Sohn den Millionenbetrag bekommen hätte.

Überweisungsmarathon

Ein weiterer Zeuge (jener, der eine "Lebensmittelvergiftung" gehabt haben wollte) ist dann doch erschienen und musste sich ein paar spitze Bemerkungen des Richters gefallen lassen. Er arbeitete mit Mensdorff zusammen, um ein Internet-Unternehmen in Dubai an den Finanzmarkt zu bringen. Das Unternehmen gehörte Russen. Investments in eine Firma seien zum Teil von Mensdorff gekommen - und das bar. Später sollen "zwei Mal 480.000 €" wieder zurück überwiesen worden sein, da das Unternehmen in Dubai-Aktien investiert gehabt hätte und sich diese positiv entwickelten.
Das Konto gehörte laut dem Zeugen einer "Firma aus Liechtenstein oder der Schweiz". Das Geld wurde später per Scheck seltsamer Weise "rück-rücküberwiesen".

Danach stellte die Verteidigung noch den Antrag, einen Zeugen zu befragen, da man so beweisen will, dass der Millionen-Transfer nach Dubai doch stattfand.

Wolfgang Ruttenstorfer sollte am diesem Prozesstag als letzter Zeuge befragt werden.

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